Mittwoch, 18. September 2019

Auch Pinterest vor hoher Finanzierungsrunde Zweifelhafter Geldrausch der US-Startups

Moderne Pinnwand: Über Pinterest können Nutzer Fotos an eine Art digitale Pinnwand platzieren. Manch Online-Händler postet beispielsweise Produkte. Wenn ein Nutzer dann ein Foto anklickt, kann er direkt in den jeweilgen Online-Shop gelangen.

Nach der Smartphone-App Snapchat will auch die digitale Foto-Pinnwand Pinterest bei Investoren eine halbe Milliarde Dollar einwerben. Die hohen Summen für viele Startups machen manche Investoren allmählich nervös.

Hamburg - In den USA nehmen die Investitionen in Startups wieder ein bedenkliches Ausmaß an. Nicht einmal ein Jahr nach der siebten Kapitalspritze in Höhe von 200 Millionen Dollar strebt Pinterest die bislang für das Unternehmen höchste Finanzierungsrunde an, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen.

Die Bewertung des fünf Jahre jungen Unternehmens könnte so von fünf auf elf Milliarden Dollar steigen. Pinterest wolle das Geschäft in dieser Woche abschließen und hätte damit seit der Gründung bereits knapp 1,3 Milliarden Dollar von Investoren erhalten.

Sollte Pinterest die Finanzierungsrunde erfolgreich abschließen, dann würde sich das Unternehmen in eine Reihe von Startups einordnen, die ohne Börsengang und ohne Druck des Kapitalmarkts, ihr Geschäft weiterentwickeln wollen. Erst einen Tag zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, die Smartphone-App Snapchat wolle von Investoren ebenfalls bis zu 500 Millionen Dollar einsammeln, womit Snapchat umgerechnet dann bis zu 19 Milliarden Dollar wert wäre. Erst Ende 2014 war bekannt geworden, dass Snapchat unter anderem von Yahoo und Risikokapitalgebern wie Kleiner Perkins Caulfield & Byers 485 Millionen Dollar erhalten hatte.

Investments in US-Startups in Höhe von 48,3 Milliarden Dollar

Nach Angaben der National Venture Capital Association und PricewaterhouseCooper stieg das Volumen der Risikokapitalinvestments 2014 in den USA um 61 Prozent auf 48,3 Milliarden Dollar an. Das war die höchste Summe seit dem Jahr 2000 - vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Mehr als ein Drittel der Investionen dürften Investoren im Silicon Valley gelassen haben. Nach sechs Jahren erreichten Finanzierungsrunden mit einer Summe von mehr als 500 Millionen Dollar wieder einen Höchststand.

Pinterest gehört neben Snapchat zweifelsohne zu den Netzwerken mit schnellem Nutzerwachstum. Beide Unternehmen feilen allerdings noch an ihren Geschäftsmodellen. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Comscore hatte Pinterest im Januar allein in den USA rund 75,8 Millionen Nutzer, 37 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Pinterest hält sich mit Angaben über Nutzerzahlen derzeit zurück.

Über die Website und eine Smartphone-App können Nutzer Fotos über zahlreiche Themen posten beziehungsweise an eine Art digitale Pinnwand heften. Das Unternehmen versucht über Werbung Geld zu verdienen. Berichten zufolge will das Startup noch im laufenden Jahr einen Kauf-Button einführen, so dass Händler direkt über Pinterest ihre Ware verkaufen können. Pinterest würde dann wahrscheinlich über eine Provision am Umsatz teilhaben.

Selbst wenn Pinterest und Snapchat durchaus Potenzial zugeschrieben wird, so dürften die hohen Finanzierungsrunden erneut Diskussionen über eine Blase auslösen.

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