Neustart Zwei Deutsche und ein Däne retten Loewe

Ein früherer Apple-Manager soll Loewe wieder in die Spur bringen. Er will mit einer deutschen Investorengruppe die Traditionsmarke retten und neue junge, technikbegeisterte Käufer finden. Doch viele Mitarbeiter müssen gehen.
Setzte Design-Maßstäbe: Die Käufer des deutschen TV-Herstellers wollen künftig eine breitere Käuferschicht ansprechen

Setzte Design-Maßstäbe: Die Käufer des deutschen TV-Herstellers wollen künftig eine breitere Käuferschicht ansprechen

Foto: DPA

Kronach - Eine Investorengruppe um zwei weitgehend unbekannte Immobilienunternehmer übernimmt das Geschäft des Fernseherbauers Loewe. Die Münchner Panthera GmbH habe eine entsprechende Vereinbarung mit dem insolventen Traditionshersteller geschlossen, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Der Transaktion fallen weitere Arbeitsplätze zum Opfer. Ein Viertel der aktuell noch 550 Mitarbeiter werde nicht übernommen, die 120 Betroffenen wechseln zum 1. Februar in eine Transfergesellschaft. Zunächst übernimmt Panthera rund 270 Beschäftigte, die Übrigen wechseln womöglich später mit weiteren Teilen der Produktion, werden zunächst aber weiter am bisherigen Hauptstandort Kronach beschäftigt.

Neben den beiden Käufer-Protagonisten Constantin Sepmeier und Stefan Kalmund sei eine Gruppe von Technik-Experten um den früheren Apple-Europachef Jan-Gesmar Larsen an Bord, hieß es. Sie haben für den Loewe-Deal die Panthera GmbH gegründet.

Larsen arbeitete auch für Loewe-Konkurrenten Bang & Olufsen

Larsen verließ Apple bereits 1997 und arbeitete später auch für Dell und den Loewe-Konkurrenten Bang & Olufsen. Der Däne werde als Beiratsvorsitzender zusammen mit dem weiter amtierenden Loewe-Chef Matthias Harsch den Neustart der 90 Jahre alten Marke koordinieren.

Kalmund war einst Chef eines auf Internet-Telefonie spezialisierten Unternehmens, das zur Hochphase des "Neuen Markts" im Jahr 2000 von Gigabell übernommen wurde, berichtet "Handelsblatt"-Online. Kurz danach ging Gigabell in die Insolvenz. Gegen die Übernahme hatte Kalmund sich damals gewehrt und war vor die Tür gesetzt worden. Über seine eigene Vermögensverwaltung beteiligt er sich gerne an kleineren Technologie-Unternehmen.

Sepmeier ist Immobilienunternehmer. Seine Firma Accom ist nach Angaben auf der Firmen-Homepage ein Familienunternehmen in dritter Generation.

Neue Produkte sollen jüngere Käufer ansprechen

Die Produkte der Oberfranken sollen künftig auch "eine breitere, jüngere sowie design- und technikaffine Zielgruppe in Europa, Russland und China" ansprechen. Finanzielle Details legten sie nicht offen.

Die Zentrale wird von Kronach nach München verlegt. Die Montage und die Entwicklung bleibe im Frankenwald erhalten. Markenrechte, Softwareentwicklungen und die Lagerbestände wandern Ende Januar zur Mutter Panthera und deren neuer Tochter Loewe GmbH. Die Kooperation mit der chinesischen Hisense soll ausgeweitet werden. Die Aktionäre der bisherigen Loewe AG  gehen leer aus.

Dennoch legte die Aktie am Freitag um knapp ein Viertel auf 3,87 Euro zu. Nach der Insolvenz im November war erwartet worden, dass neue Investoren lediglich den Betrieb kaufen und die leere Unternehmenshülle aufgelöst wird.

Loewe litt in den vergangenen Jahren schwer unter dem Preiskampf für moderne Fernseher. Asiatische Konkurrenten wie Samsung und LG setzten dem TV-Pionier mit deutlich billigeren Apparaten schwer zu. Immer mehr Kunden blieben weg, nach jahrelangen Verlusten beantragte Loewe im Sommer zunächst Gläubigerschutz und meldete in der Folge Insolvenz in Eigenverwaltung an. Loewe ist neben Metz und TechniSat der letzte von einst 30 deutschen Unterhaltungselektronik-Herstellern.

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rei/rtr

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