Mittwoch, 26. Juni 2019

BaFin nimmt Berliner Start-up ins Visier Vorzeige-Fintech N26 unter Druck der Finanzaufseher

Valentin Stalf, Co-Gründer der Smartphone-Bank N26

Der Druck auf Deutschlands Vorzeige-Fintech N26 wächst: Finanzaufseher sollen das Berliner Banking-Start-up wegen verschiedener Probleme angemahnt haben, berichtet das "Handelsblatt". Demnach habe die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen (BaFin) bei einer Sonderprüfung im Jahr 2018 Mängel bei der Personalausstattung, dem Management ausgelagerter Aufgaben und der Technik festgestellt.

Laut "Handelsblatt" sei die Kritik ungewöhnlich hart ausgefallen. Sollte N26 die beanstandeten Missstände nicht beseitigen, könne die Behörde die Einlagen der jungen Bank deckeln. Das könnte für N26 bedeuten, zeitweise nicht weiter wachsen zu können. Für das Start-up wäre das ein herber Schlag: Die Erfolgsstory des jungen Unternehmens stützt sich auf rasant steigende Kundenzahlen.

Auf Nachfrage von manager-magazin.de äußert sich N26 nicht konkret zu den Vorwürfen. "Wir sind in engem Austausch mit der BaFin und nehmen jeden Prüfungsvorgang sehr ernst", heißt es von einer Sprecherin. Bei Beanstandungen setze man Verbesserungen in Abstimmung mit der Behörde zeitnah um. Die BaFin kommentierte den Bericht nicht öffentlich.


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Das Berliner Unternehmen der Gründer Valentin Stalf (33) und Maximilian Tayenthal (38) stand erst vor wenigen Tagen massiv wegen des schlechten Services in der Kritik. N26-Kunden, die Betrugsopfer geworden waren, hatten die Bank nur per Chat erreichen können und gaben an, wochenlang keine Informationen seitens N26 erhalten zu haben. Das Unternehmen spricht von Einzelfällen und gelobt Besserung. Den Kundenservice habe man bereits aufgestockt und erneut geschult. Wie das "Handelsblatt" jetzt berichtet, sollen sich auch Banken darüber beschwert haben, dass N26 schlecht erreichbar sei. Sie hätten niemanden telefonisch sprechen können, als sie betrügerische Überweisungen stoppen wollten.

Stalf sagte der Zeitung, seit zwei oder drei Wochen sei man für andere Banken gut erreichbar, für die Kunden bereits länger. N26 habe außerdem bessere Kundenbewertungen als andere Banken und höheres Wachstum, was nicht von ungefähr komme.

Mehr als 500 Millionen US-Dollar haben Risikokapitalgeber bisher in die junge Bank investiert. Zuletzt flossen unter der Führung von Insight Venture Partners im Januar dieses Jahres 300 Millionen Dollar. Der Investmentarm Allianz X, das chinesische Internetunternehmen Tencent und Valar Ventures - der Fonds des deutschstämmigen Milliardärs und PayPal-Mitgründers Peter Thiel - sind außerdem an dem Unternehmen beteiligt.


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N26 startete zunächst mit einer Finanzapp für Teenager, Anfang 2015 brachten Stalf und Tayenthal dann ihre Banking-App heraus. Nach Unternehmensangaben zählt N26 mittlerweile mehr als 2,5 Millionen Nutzer. Größter Wettbewerber ist das Banking-Start-up Revolut aus London. Auch dessen Gründer Nikolay Storonsky (34) schaffte das Wachstum seiner Firma nicht ohne Schmerzen: Er steht derzeit wegen der Geldwäschekontrolle seines Start-ups und der Unternehmenskultur unter Feuer.

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