Montag, 14. Oktober 2019

Kunden klagen über wiederholte Lastschriften Erneut Probleme bei Digitalbank N26

Valentin Stalf, Mitgründer der Bank N26: Erneute Kundenbeschwerden kommen zur Unzeit

Die Berliner Digitalbank N26 hadert offenbar abermals mit IT-Problemen. Es geht um teils mehrere Wochen alte Lastschriften, die N26-Konten nun plötzlich erneut belastet wurden. Verärgerte Kunden hatten sich daraufhin bei manager magazin gemeldet. Auch in sozialen Medien finden sich Beiträge betroffener Nutzer.

Den Schilderungen nach geht es etwa um Lastschriften, die "zurückgingen" obwohl genügend Geld auf dem Konto zur Verfügung stand. Im Bankersprech: Sie wurden trotz ausreichender Deckung nicht eingelöst, was etwa ein Mahnverfahren nach sich ziehen kann. Eine Gebühr in Höhe von drei Euro erhob N26 trotzdem.

In mindestens einem Fall war zum Zeitpunkt der Lastschrift indes wirklich kein ausreichendes Guthaben auf dem Konto vorhanden. Der Kunde löste das Problem mit einer Überweisung von einer anderen Bank und teilte dies auch dem Empfänger der Zahlung, seiner Versicherung, mit. Dort war das Geld via Lastschrift aber wohl dennoch eingegangen - er hatte also letztlich zwei Mal bezahlt.

Die Fälle unterscheiden sich also hinsichtlich der Vorgeschichte, führten aber zu ähnlichen Folgeproblemen: N26 führte die - aus verschiedenen Gründen nicht ausgelösten - Lastschriften mit einem Zeitabstand von mehreren Wochen nun plötzlich nochmals aus. Vorher bekamen die Nutzer eine Mail. Eine Stornierung war dann laut Kunden aber oft nicht mehr möglich, da die entsprechende Frist verstrichen war. Das Geld war also erstmal weg.

Der N26-Service sei "ratlos" gewesen, wie ein Kunde es formuliert. In einem Fall von Anfang September führte die nochmalige Auslösung mehrerer Lastschriften letztlich dazu, dass das Konto plötzlich ins Minus rutschte und der Inhaber kein Geld mehr abheben konnte.

N26 spricht lediglich von "einigen Fällen"

N26 spricht auf Anfrage von "einigen Fällen von Kunden" mit nicht eingelösten Lastschriften, mit denen man nun zusammenarbeite, um den "Zahlungsprozess ordentlich zu finalisieren". Grundsätzlich könne jeder Kunde einer Lastschrift widersprechen. Man habe jedoch "in der Tat Rückmeldung von einigen Kunden erhalten, dass der eigentlich einfache Prozess des Widerspruchs, für einzelne Kunden nicht immer ganz verständlich war".

Für N26 kommen die erneuten Beschwerden zur Unzeit. Das Start-up war zuletzt mehrfach öffentlich kritisiert worden. Als ein verzweifelter Kunde Mitte August in der Berliner Zentrale von N26 die Klärung seiner Kontoprobleme verlangte, ließ ihn die Bank von der Polizei abführen.

Erst Anfang September hatte Deutschlandchef Georg Hauer in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" daraufhin abermals Besserung gelobt. "In 99,5 Prozent der Fälle leisten wir exzellente Arbeit", behauptete Hauer.

Die vielen Probleme und Vorfälle riefen bereits die Finanzsaufsicht Bafin auf den Plan, die unter anderem eine Sonderprüfung einleitete. Die Berliner Datenschutzbeauftragte verhängte Ende Mai ein Bußgeld in Höhe von 50.000 Euro gegen N26.

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