Donnerstag, 14. November 2019

Mobiles Bezahlen Apple Pay fällt beim ersten großen Test durch

Nur für die Early Adopters: NFC-Bezahlterminal in Disney Store

Die Revolution des mobilen Bezahlens lässt sich Zeit. In den USA ist Apple Pay bereits Realität, wird laut Daten von der Kauforgie am "Black Friday" allerdings kaum angenommen. Selbst digitale Pioniere tun sich schwer damit, ihr iPhone zur Geldbörse zu machen.

Hamburg - Die Zielgruppe ist schon sehr überschaubar. Nur, wer ein iPhone 6 oder iPhone 6 Plus besitzt, kann Apple Pay nutzen. Das gilt jedoch vorerst nur für die USA. Und für das Bezahlen kommen die neuen Telefone auch nur in Läden infrage, die mit entsprechenden Bezahlterminals für NFC-Chips ausgestattet sind - was viele große Ketten bislang verweigern.

Es geht also nur um die Early Adopters, die Angehörigen der digitalen Avantgarde, die sich mit Freude in die von Apple Börsen-Chart zeigen angebotene Welt ohne Bargeld stürzen. Doch selbst die zieren sich, wie eine vom Fachmagazin pymnts.com wiedergegebene Studie des Marktforschers Infoscout zeigt.

Infoscout hat sein großes Panel der Smartphone-Nutzer gezielt nach denjenigen Teilnehmern gefiltert, die am vergangenen Freitag - dem "Black Friday" nach dem Erntedankfest, der großen Konsumschlacht des US-Einzelhandels - mit ihrem Apple-Pay-fähigen iPhone in einem Laden mit Apple-Pay-fähiger Kasse einkauften.

So blieben 408 Kandidaten übrig - wohl der erste annähernd repräsentative Test des vor fünf Wochen gestarteten Bezahlsystems. Doch nur 4,6 Prozent (rechnerisch müssten das also ganze 19 Personen sein) benutzten die Technik auch, die von Apple-Chef Tim Cook zum zentralen Kaufargument für seine neuen Telefone erhoben wurde.

Keine Ahnung, keine Lust, keine Zeit

Die von den befragten Nichtnutzern genannten Gründe sind vielfältig, sprechen aber überwiegend von der Überforderung der Konsumenten: Unklarheit über die Funktionsweise - wusste nicht, dass der Laden Apple Pay akzeptiert - kein Bedarf - vergessen - Sicherheitsbedenken - Telefon gerade nicht griffbereit.

Offenbar hält die Macht der Gewohnheit selbst die digitalen Pioniere davon ab, das Bezahlwesen zu revolutionieren. "Es ist noch sehr früh für Apple Pay und mobiles Bezahlen überhaupt", wendet auf pymnts.com Kate Bolseth ein, Chefin des Zahlungsdienstleisters Jingit.

Und ihr Kollege Justin Benson von Spreedly mutmaßt, "dass der zusätzliche Stress des 'Black Friday' dazu verleitet, doch lieber die gewohnte Zahlmethode zu nutzen". Er warte auf weitere Daten, um den Erfolg von Apple Pay zu bewerten. Allerdings sei schon klar, dass die Technik weder zentral für die Kaufentscheidung zum iPhone 6 noch für den Wettbewerb mit Googles Börsen-Chart zeigen Betriebssystem Android sei.

Immerhin äußerten sich diejenigen, die Apple Pay nutzten, in dem Infoscout-Panel überwiegend begeistert von ihrer Erfahrung. Diese Zahlen sind aber wirklich nicht repräsentativ.

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