Milliarden-Startup trotzt der IPO-Flaute Ein Einhorn überlebt den Börsengang

Einhorn (Symbolbild)

Einhorn (Symbolbild)

Foto: DPA

Ein Börsengang macht der Tech-Branche Hoffnung - zumindest ein bisschen: Twilio, ein App-Dienstleister, der Anwendungen mit Mobilfunk- und Messagingdiensten verknüpft, hat bei seinem IPO 150 Millionen Dollar eingenommen. Der Ausgabepreis der Aktien lag mit 15 Dollar oberhalb der anvisierte Spanne von 12 bis 14 Dollar, wie Twilio in der Nacht zum Donnerstag mitteilte. Das einstige Einhorn (ein Startup, das mit über einer Milliarde Dollar bewertet wird) ist damit gut 1,2 Milliarden Dollar wert.

In diesem Jahr haben sich Technologie-Firmen bisher mit Börsengängen zurückgehalten - Twilio ist laut Bloomberg  erst der zweite von Wagniskapitalgebern gestützte Tech-IPO 2016. Die Bewertungen sind unter Druck, weil viele Geldgeber sie für überhöht halten. Auch ist die Bereitschaft zu Investitionen in Startups gesunken. Gestiegene Volatilität und unsichere Zinsniveaus tragen ebenfalls zur Zurückhaltung bei.

Fotostrecke

Bis zu 8000 Dollar fürs Praktikum im "Silicon Valley": Die zehn spendabelsten Tech-Unternehmen

Foto: Corbis

Jay Ritter, ein von Bloomberg befragter Finanzprofessor  der University of Florida, erwartet zwar ein steigendes IPO-Aufkommen in der zweiten Jahreshälfte, solange der Aktienmarkt nicht abschmiere. Besonders viele Börsengänge prophezeit er nach Twilios Erfolg allerdings nicht: In den vergangenen Jahren hätten vor allem Biotech-Unternehmen den Löwenanteil der IPOs ausgemacht; in dieser Branche seien die Preise zuletzt allerdings unter Druck geraten.

Twilios Erfolg von Whatsapp abhängig

Twilio hatte zum Ende des ersten Quartals 28.000 Kunden, dazu gehören der Online-Speicherdienst Box und den Fahrdienst-Vermittler Uber. Im vergangenen Jahr steigerte die Firma den Umsatz um 88 Prozent auf 167 Millionen Dollar. Zugleich stieg allerdings auch der Verlust von 27 auf 36 Millionen Dollar. Rund 17 Prozent des Geschäfts macht Twilio mit dem Kurzmitteilungsdienst WhatsApp.

Twilio bietet eine Plattform an, mit deren Hilfe Programmentwickler bestimmte Kommunikationsformen in ihre Apps integrieren können. Dazu gehört das Führen von Telefonaten (anrufen und angerufen werden) sowie das Senden und Empfangen von Textmitteilungen.

Statt Börsengängen hatte sich die Tech-Branche zuletzt eher milliardenschweren Übernahmen zugewendet - Microsoft hatte etwa 26 Milliarden Dollar für Linkedin ausgegeben, der chinesische Facebook-Rivale Tencent rund 9 Milliarden für den finnischen Spieleentwickler Supercell hingelegt.

luk / dpa