Montag, 6. April 2020

Studie zu Medienkonsum Internet hängt erstmals Fernsehen ab - auch wegen der Alten

Der Deutsche verbringt zwar immer noch viel Zeit vor dem Fernseher, aber das Internet wird in punkto Mediennutzung das große Möbelstück abhängen

Erstmals werden die erwachsenen Deutschen mehr Zeit mit digitalen Medien und im Internet verbringen als vor dem Fernseher. Dafür sehen Experten vor allem zwei Gründe.

Medienzeiten der Kinder sind ein heiß diskutiertes Thema in Familien hierzulande. Verbringen sie aus Sicht vieler Eltern doch zu viel Zeit vor Fernseher, PC oder Smartphone. Dabei gehen die Erwachsenen nicht selten mit schlechtem Beispiel voran.

Die digitale Welt raubt Erwachsenen jedenfalls immer mehr Zeit. Im kommenden Jahr wird jeder Deutsche im Schnitt 3 Stunden und 44 Minuten mit digitalen Medien verbringen - täglich und in seiner Freizeit wohlgemerkt. Das prognostizieren die Experten von EMarketer, der New Yorker Tochter des Springers-Verlags.

Damit werden PC, Laptop oder Tablet im Medienkonsum erstmals dem Fernsehen den Rang ablaufen. Vor der Flimmerkiste werde der volljährige Deutsche im Schnitt 3 Stunden und 38 Minuten täglich verbringen, heißt es in einer aktuellen Studie des Daten- und Research-Spezialisten.

63,6 Millionen Internetnutzer - Herausforderung für Medienkonzerne

Zugleich sagen die Experten der mobilen Nutzung des Internet einen steilen Anstieg voraus. Schon in diesem Jahr würden die erwachsenen Deutschen länger mit mobilen Endgeräten ins Internet gehen als mit dem traditionellen Tischcomputer oder dem Laptop. Eine Entwicklung, die sich so auch in Großbritannien vollzogen habe.

Ein Grund sei, dass in den vergangenen Jahren ältere Menschen das Internet immer stärker angenommen und in ihren Alltag integriert hätten, sagt Expertin Karin von Abrams. Zudem würden TV-Inhalte immer öfter über digitale Plattformen bezogen. Den Statistiken zufolge zählt Deutschland 63,6 Millionen Internet-Nutzer und damit laut EMarketers die meisten in Westeuropa.

Der veränderte Medienkonsum stellt etablierte Medienkonzerne eingedenk ProSiebenSat.1 und Bertelsmann-Gruppe (RTL) vor Herausforderungen. Sie stehen im verschärften Wettbewerb mit Online-Videotheken von Netflix oder Amazon und müssen ihr digitales Angebot kontinuierlich ausbauen.

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