McKinsey-Studie zur Assekuranz Jeder vierte Versicherungsjob steht auf der Kippe

Deutschlands bekanntester Schadensregulierer: Bernd Stromberg, Capitol Versicherung (Christoph Maria Herbst)

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Dass die Digitalisierung gleich reihenweise etablierte Branchen durchschüttelt und dabei massiv Jobs verloren gehen dürften, ist nicht neu. Allerdings ist es schwer abzuschätzen, wie massiv diese Umwälzungen in den einzelnen Branchen ausfallen. Und wie viele Jobs in welchen Bereichen wegfallen werden.

Die Unternehmensberater von McKinsey haben dies für die Versicherungsbranche versucht und sind zu drastischen Ergebnissen gekommen .

Sie gehen davon aus, dass in der westeuropäischen Versicherungsbranche in den nächsten zehn Jahren jeder vierte Arbeitsplatz verloren gehen könnte.

Am wenigsten betroffen sein dürften nach Einschätzung der Experten: die Produktentwicklung, das Marketing und der Sales support sein. Im operativen Geschäft, also unter anderem der Schadensabwicklung, erwarten sie hingegen einen Rückgang von knapp 30 Prozent der Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse.

Und auch die Verwaltung dürfte es nach Einschätzung der McKinsey-Experten hart treffen. Dort könnte innerhalb der nächsten zehn Jahre fast die Hälfte der Vollzeit-Jobs ersetzt oder zusammengelegt werden, schreiben sie in dem Beitrag

Tech-Übersetzer gesucht

"Automating the insurance industry" im McKinsey Quarterly.  Während die größten Veränderungen vor allem auf gesättigten Märkten, in Segmenten mit schrumpfendem Geschäftsvolumen und Positionen mit eher repetitiven und leicht vorhersagbaren Arbeitsabläufen zu erwarten ist, könnten in anderen Bereichen beispielsweise der automatisierten Betrugserkennung sogar neue Jobs entstehen.

Daher müssten die Versicherer Strategien entwickeln, wie sie Mitarbeiter, die sich mit agiler Software-Entwicklung, sogenannten "advanced analytics" und anderen gefragten Technologien auskennen, anwerben und auch halten können. Vor allem solche, die zudem in der Lage sind, daraus geschäftliche Schlüsse zu ziehen, von denen Kunden profitieren können.

Fintech erobert die Versicherungsbranche

Bislang ist in Deutschland die Zahl der Unternehmen, die beispielsweise Peer-to-peer-Versicherungen anbieten oder den persönlichen Kundenkontakt mithilfe technischer Lösungen obsolet machen, noch überschaubar. Es wird jedoch erwartet, dass hier in den nächsten Jahren eine ganze Reihe neuer Anbieter auf den Markt kommen wird. Sie dürften den Druck auf traditionelle Versicherer massiv erhöhen, sind die Experten von McKinsey überzeugt.

Die Versicherungsbranche ist ein bedeutender Wirtschaftszweig in Deutschland. Laut Gesamtverband Deutsche Versicherungswirtschaft (GDV) waren im Jahr 2014 mehr als eine halbe Million Mitarbeiter in der Branche selbstständig und angestellt beschäftigt. Mehr als 293.000 davon als abhängig Beschäftigte.