Silicon Valley Investoren warnen vor Techblase

In den USA warnen die ersten Risikokapitalgeber vor einer Techblase. Manches Startup verbrenne zu viel Geld. Unter die Skeptiker ist nun auch einer der prominentesten Investoren gegangen.
Von Andrea Rungg
"Die Märkte werden drehen, dann werden wir sehen, wer nackt ist": Marc Andreessen, Mitgründer und Partner bei Andreessen Horowitz, ist im Silicon Valley einer der einflussreichsten Investoren

"Die Märkte werden drehen, dann werden wir sehen, wer nackt ist": Marc Andreessen, Mitgründer und Partner bei Andreessen Horowitz, ist im Silicon Valley einer der einflussreichsten Investoren

Foto: REUTERS

Hamburg - Sind wir in einer Techblase oder sind wir in keiner? Seit ein paar Jahren ist das eine Frage, die Venture Capitalists immer wieder zu hören bekommen. Und bislang war die Antwort immer: nein. Vergleiche mit der Dot.com-Ära hielten sie für unzulässig. Heute sei alles anders. Es gäbe viele Nutzer, nachhaltige Geschäftsmodelle und die Zukunft sei nun einmal eine digitale Welt. Da würden die Gewinne irgendwann schon noch kommen.

Nun sind die ersten prominenten Investoren aber plötzlich doch besorgt. Marc Andreessen, Netscape-Gründer und Geldgeber bei zahlreichen prominenten Startups, stört sich daran, dass Startups zu großzügig mit ihrem eingesammelten Kapital umgehen würden. Anders gesagt: sie würden zu viel Geld verbrennen.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter hatte er am Freitag in 18 Tweets seine Sorgen geteilt. Die Gründer der Gegenwart würden nur eine Zeit kennen, in der sie leicht Geld von Investoren erhielten und noch dazu zu hohen Bewertungen. Das werde nicht immer so bleiben. "Wenn die Märkte drehen, und sie werden drehen, dann werden wir sehen, wer nackt ist", schrieb er. Viele Firmen, die zu viel Geld verbrannten, würden "verglühen". In der letzten Nachricht hieß es dramatisch: "Worry".

Andreessen ist nicht der einzige und erste, der diese Entwicklung mit Sorge beobachtet. Vor ihm hatten bereits Bill Gurley, Partner bei Benchmark, und Fred Wilson, Mitgründer von Union Square in Interviews und Blogeinträgen davor gewarnt, dass Startups zu sorglos Geld ausgeben würden.

Die Fonds beider Investoren beteiligen sich in der Regel in der Frühphase von Unternehmen. Benchmark unterstützte etwa den Fotodienst Instagram (von Facebook  gekauft), den Fahrdienst Uber oder den Mitteilungsdienst Snapchat. Union Square war beispielsweise am mittlerweile börsennotierten Twitter  oder der Blogging-Plattform Tumblr (von Yahoo  gekauft) beteiligt.

"Enorm hohe Risiken"

"Ich finde, dass das Silicon Valley als Ganzes oder die Venture-Capital-Szene beziehungsweise Startup-Szene im Moment enorm hohe Risiken eingeht - wie zuletzt 1999. In gewisser Weise nicht so dumm wie '99 und in gewisser Weise dümmer als damals," hatte Gurley vor zwei Wochen in einem Interview mit dem "Wall Street Journal"  gesagt.

Viele der heutigen Startups hätten die Dot.com-Blase nicht miterlebt und keine Erinnerung daran. Die Entwicklung sei schleichend, und eine Korrektur sei schwer und katastrophal. Derzeit seien die Kosten für Kapital niedrig. Wenn sich aber dieses Umfeld dramatisch ändere, dann müssten die Unternehmen ihre Ausgaben drastisch anpassen. Die Art und Weise, wie Startups derzeit Geld verbrennen würden, sei schwindelerregend.

Gurley nannte zwei Beispiele. Da wären zum einen die Mieten. Gurley berichtete von Board-Meetings in denen Startups sagen würden, sie könnten nur einen zehn Jahre währenden Mietvertrag unterschreiben, zu Rekordpreisen. Darüber hinaus würden Gründer auf Unternehmen zeigen verweisen, die trotz hoher Verluste an der Börse gefeiert würden. Gründer verlangten noch mehr Geld und vor der Türe ständen auch bereits willige Geldgeber.

Fred Wilson bestätigte Gurleys Beobachtungen in seinem Blog "AVC".  Vielen Gründern gehe er mittlerweile sicherlich auf die Nerven, weil er die Ausgaben reduzieren und das Risiko minimieren wolle. An irgendeinem Punkt, müssten sie ein richtiges Unternehmen aufbauen, Gewinne erzielen und das Unternehmen führen, ohne das viele Geld der Investoren.