Nach dem Lyft-IPO Mit roten Zahlen an die Börse - kann das gut gehen?

Kurze Euphorie? Die Gründer John Zimmer (vorn, 3.v.l.) und Logan Green (vorn, 3.v.r.) feiern den Lyft-IPO am 29.3.2019

Kurze Euphorie? Die Gründer John Zimmer (vorn, 3.v.l.) und Logan Green (vorn, 3.v.r.) feiern den Lyft-IPO am 29.3.2019

Foto: Ringo H.W. Chiu/ AP

An der Börse schaut derzeit alles auf Lyft. Das junge Mobilitätsunternehmen aus San Francisco lieferte vergangene Woche einen IPO zum Träumen ab. Seine Aktien konnte der Uber-Konkurrent am oberen Ende der Preisspanne platzieren und dann noch einen steilen Kursanstieg feiern, bevor es steil wieder abwärts ging.

Bemerkenswert war der Börsengang auch, da Lyft im vergangenen Geschäftsjahr ganze 911 Millionen US-Dollar Verlust anhäufte. So viel Geld hat noch kein US-Start-up in dem Jahr vor dem IPO verloren, schreibt die Zeitung "Wall Street Journal ".

Dass das Geschäft profitabel sein kann, haben die Player dabei noch nicht bewiesen. Bisher investierten Uber und Lyft massiv in ihre Expansion, Investoren glaubten an die Marktchance. Doch haben die Anleger an der Börse ebenso viel Geduld mit den Geldverbrennern wie die Wagniskapitalgeber?

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Lyft, Uber, Slack & Co.: Diese Tech-Riesen wollen an die Börse

Foto: Ringo H.W. Chiu/ AP

Aus Angst vor einem Abschwung bereiten aktuell einige Tech-Firmen Börsengänge vor, viele schreiben noch Verluste. Sie könnte ein misslungener Börsengang von Lyft benachteiligen, allen voran den mächtigen Konkurrenten Uber. Das zehn Jahre alte Unternehmen will bald an die Börse und hat zuletzt mehr als 800 Millionen Dollar im Quartal verloren.

Viele Tech-Unternehmen, die in den vergangenen Jahren in den USA und Deutschland mit Defiziten an die Börse gegangen sind, konnten bisher keine Gewinne erzielen. manager-magazin.de zeigt einige der Entwicklungen (Stand 3.4.2015).

Oh, Snap!

Vom Wettbewerb gebeutelt: Snap

Vom Wettbewerb gebeutelt: Snap

Foto: DADO RUVIC/ REUTERS

Einer der größten Flops dürfte derzeit das Messaging-Unternehmen Snap  sein. An der Börse hat der Betreiber der App Snapchat seit dem IPO knapp 60 Prozent verloren. Maßgeblich war der Wettbewerb durch Instagram: Die Facebook-Tochter kopierte beliebte Features aus der Snapchat-App und löste so einen Nutzerverlust aus. Das brachte Snap gar eine Klage von Investoren ein, die sich nicht gut genug über den Wettbewerb informiert fühlten. Zuletzt konnte Snap den Nutzer-Exodus bremsen, allerdings fehlt es dem Unternehmen von Evan Spiegel nach wie vor an einer breiteren Erlösbasis. Ein Versuch, Brillen mit Kameras zu verkaufen, blieb hinter den Erwartungen zurück.

IPO-Datum: 02.03.2017

Nettoverlust im Jahr vor dem Börsengang 2016: 515 Millionen US-Dollar

Nettoverlust 2018: 1,3 Milliarden US-Dollar

Marktkapitalisierung: 14,8 Milliarden US-Dollar

Groupon: Ein Hoffnungsträger stürzt ab

Die Groupon-Zentrale in Chicago im Jahr 2010 - da sah es für das Unternehmen noch gut aus

Die Groupon-Zentrale in Chicago im Jahr 2010 - da sah es für das Unternehmen noch gut aus

Foto: Scott Olson/ Getty Images

Ein gefallener Hoffnungsträger ist das Rabattportal Groupon  . Kunden können auf der Website günstige Angebote für Hotelübernachtungen, Restaurantbesuche und andere Freizeitaktivitäten kaufen. Bei der Erstnotiz 2011 legten die Papiere zeitweise um mehr als 50 Prozent zu, der Ausgabepreis lag bei 20 US-Dollar. Dann folgte der Absturz: Der Aktienkurs hat mittlerweile rund 85 Prozent seines Werts verloren. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Groupon hohe Provisionen von seinen Kunden - den teilnehmenden Unternehmen - forderte. Für die lohnte sich die Werbung kaum - lokales Marketing via Facebook und Google wurde attraktiver. Mitte vergangenen Jahres wurde bekannt, dass das Management offen für einen Verkauf des Unternehmens  sein soll.

IPO-Datum: 04.11.2011

Nettoverlust im Jahr vor dem Börsengang 2010: 687 Millionen US-Dollar

Nettogewinn 2018: 2 Millionen US-Dollar

Marktkapitalisierung: 2 Milliarden US-Dollar

Trivago: Ausgereist

Die Trivago-Rezeption

Die Trivago-Rezeption

Foto: trivago

Sammelklageversuche von Investoren und verpasste Ziele haben bisher die Börsenstory der Düsseldorfer Reisesuchmaschine Trivago geprägt. Der Preis des an der Nasdaq gelisteten Unternehmens hat seit der Emission nahezu 70 Prozent verloren. Seit mehr als einem Jahr ist die Erfolgssträhne abgerissen ; das Unternehmen droht, von den Giganten des Reisemarkts Google und Booking.com abgehängt zu werden.

IPO-Datum: 19.12.2016

Nettoverlust im Jahr vor dem Börsengang 2015: 43 Millionen Dollar

Nettoverlust 2018: 25 Millionen Dollar

Marktkapitalisierung: 1,5 Milliarden Dollar

Home24: Tiefer Fall für den Rocket-Möbelshop

Die Home24-Vorstandsmitglieder Johannes Schaback, Marc Appelhoff, Christoph Cordes und Philipp Kreibohm (v.l.). Kreibohm hat das Unternehmen Ende März verlassen

Die Home24-Vorstandsmitglieder Johannes Schaback, Marc Appelhoff, Christoph Cordes und Philipp Kreibohm (v.l.). Kreibohm hat das Unternehmen Ende März verlassen

Foto: home24

Als Fehlschlag hat sich bisher der Börsengang des Berliner Möbel-Onlineshops Home24  erwiesen. Seit Mitte vergangenen Jahres hat der Aktienkurs des Unternehmens, das 2009 von dem Investor Rocket Internet gegründet wurde, mehr als 80 Prozent verloren. Home24 sieht den Grund für die schlechte Entwicklung im vergangenen Jahr in dem warmen Sommer. Umsatzziele wurden verfehlt. Allerdings hat Home24 auch zuvor noch nie ein Geschäftsjahr im Plus abgeschlossen.

IPO-Datum: 15.06.2018

Bereinigtes Ebitda im Jahr vor dem Börsengang 2017: minus 22 Millionen Euro
( Ebitda-Marge: minus 8 Prozent)

Bereinigtes Ebitda 2018: minus 39 Millionen Euro
(Ebitda-Marge: minus 13 Prozent)

Marktkapitalisierung: 138 Millionen Euro

HelloFresh: Hängt wichtigsten Wettbewerber ab

HelloFresh-Geschäftsführer Dominik Richter setzt auf die USA

HelloFresh-Geschäftsführer Dominik Richter setzt auf die USA

Foto: HelloFresh

Der Kochboxen-Versender HelloFresh  , ebenfalls aus dem Hause Rocket Internet , hat eine durchwachsene Performance an der Börse hinter sich. Momentan notiert die Aktie rund 35 unter dem Emissionspreis. Der einst wichtigste Wettbewerber Blue Apron aus den USA, wo HelloFresh den größeren Teil seines Geschäfts erwirtschaftet, ist mittlerweile zum Pennystock mutiert. Das deutsche Unternehmen wächst aber  im Gegensatz zu Blue Apron stark.

IPO-Datum: 02.11.2017

Ebitda im Jahr vor dem Börsengang 2016: minus 86,2 Millionen Euro

Ebitda 2018: minus 69,5 Millionen Euro

Marktkapitalisierung: 1,3 Milliarden Euro

Zalando: Erfolgreich, aber ein schwieriges Jahr 2018

Die Zalando-Vorstände David Schneider, Robert Gentz und Rubin Ritter (v.l.) stellen in Berlin die Jahreszahlen 2018 vor

Die Zalando-Vorstände David Schneider, Robert Gentz und Rubin Ritter (v.l.) stellen in Berlin die Jahreszahlen 2018 vor

Foto: Bernd von Jutrczenka/DPA

Einer der jüngeren deutschen Börsengänge, der sich positiv entwickelt hat, ist der des Onlinehändlers Zalando  . Seit der Emission hat der Aktienkurs um mehr als 75 Prozent zugelegt. Das vergangene Jahr brachte Schwierigkeiten mit sich: Ein langer Sommer und schlechte Aufarbeitung der Retouren setzten die Margen unter Druck. Immerhin aber gibt es Margen.

IPO-Datum: 01.10.2014

Bereinigtes Ebit im Jahr vor dem Börsengang 2013: minus 108,6 Millionen Euro

Bereinigtes Ebit 2018: 173,4 Millionen Euro

Marktkapitalisierung: 9 Milliarden Euro

Spotify: Stabil und Stress mit Apple

Das Spotify-Banner an der New York Stock Exchange am Vortag des Direct Listings

Das Spotify-Banner an der New York Stock Exchange am Vortag des Direct Listings

Foto: SPENCER PLATT/ AFP

Der Musikstreamingdienst Spotify  aus Schweden brachte seine Anteile via Direct Listing in den Handel an der NYSE. Nach etwa einem Jahr an der Börse ist der Aktienpreis des Unternehmens stabil. Zuletzt hatte sich Spotify mit Apple angelegt: Öffentlich kritisierte Spotify-Chef Daniel Ek die Gebühren, die im App Store erhoben werden. Er sagte, sein Dienst würde von Apple benachteiligt, da der Konzern sein eigenes Musikangebot fördern wolle. Die EU kündigte an, Spotifys Beschwerde prüfen zu wollen.

IPO-Datum: 04.04.2018

Nettoverlust im Jahr vor dem Börsengang 2017: 1,2 Milliarden US-Dollar

Nettoverlust 2018: 78 Millionen US-Dollar

Marktkapitalisierung: 25,8 Milliarden US-Dollar

Delivery Hero: Abschied vom Heimatmarkt

Ein Foodora-Fahrer steht vor der Zentrale von Delivery Hero in Berlin

Ein Foodora-Fahrer steht vor der Zentrale von Delivery Hero in Berlin

Foto: Fabrizio Bensch/ REUTERS

Der in Berlin ansässige Vermittler von Essenslieferdiensten Delivery Hero (Kurswerte anzeigen)entwickelt sich trotz anhaltender Verluste positiv am Markt. Das Unternehmen unter CEO Niklas Östberg steigerte den Kurs seit dem IPO um gut ein Fünftel. Ende 2018 verkaufte Delivery Hero sein Deutschlandgeschäft an den niederländischen Wettbewerber Takeaway Group. Beide Unternehmen hatten über Jahre hinweg mit hohen Marketingbudgets um Kunden in Deutschland gekämpft. Der Deal verlieh der Aktie, die zuvor abgebaut hatte, einen neuen Anstoß.

IPO-Datum: 30.06.2017

Ergebnis vor Steuern im Jahr vor dem Börsengang 2016: minus 202 Millionen Euro (angepasste Ebitda-Marge: minus 34 Prozent)

Angepasste Ebitda-Marge 2018: minus 18 Prozent

Marktkapitalisierung: 6,3 Milliarden Euro

Square: Jack Dorseys Erfolgsstory

US-Unternehmer Jack Dorsey bei einem Interview in der NYSE im Jahr 2016

US-Unternehmer Jack Dorsey bei einem Interview in der NYSE im Jahr 2016

Foto: Richard Drew/ AP

Das US-Zahlungsunternehmen Square, das der Twitter-Mitgründer Jack Dorsey 2009 startete, hat seinen Wert an der Börse vervielfacht. Square ist ein Beispiel dafür, dass sich ein IPO langfristig lohnen kann, selbst wenn das Unternehmen zunächst eine Abwertung hinnehmen muss. Während Square im Oktober 2014 in privater Hand noch mit sechs Milliarden Dollar bewertet war, waren es bei dem Börsengang noch 2,9 Milliarden. Heute liegt der Börsenwert zehnmal so hoch.

IPO-Datum: 20.11.2015

Nettoverlust im Jahr vor dem Börsengang 2014: 154 Millionen US-Dollar

Nettoverlust 2018: 38,5 Millionen US-Dollar

Marktkapitalisierung: 31,7 Milliarden Dollar

Twitter: Das Problem mit dem Nutzerwachstum

Das Twitter-Logo im 3D-Print

Das Twitter-Logo im 3D-Print

Foto: DADO RUVIC/ REUTERS

Damit ist Square mittlerweile wertvoller als Dorseys erstes großes Unternehmen, der Kurznachrichtendienst Twitter  . Twitter durchlebte in den vergangenen Jahren einige Tiefen, unter anderem, weil das Nutzerwachstum hinter den Investorenerwartungen zurückgeblieben war. 2018 gelang der Sprung in die Gewinnzone.

IPO-Datum: 07.11.2013

Nettoverlust im Jahr vor dem Börsengang 2012: 79 Millionen US-Dollar

Nettogewinn 2018: 1,2 Milliarden US-Dollar

Marktkapitalisierung: 25,8 Milliarden US-Dollar

Tesla: Genie und Chaos

Toyota-Chef Akio Toyoda, Tesla-Chef Elon Musk und der damalige kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger (v.l.) lachen bei einer Konferenz am Tesla-Hauptsitz in Palo Alto kurz vor dem Börsengang.

Toyota-Chef Akio Toyoda, Tesla-Chef Elon Musk und der damalige kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger (v.l.) lachen bei einer Konferenz am Tesla-Hauptsitz in Palo Alto kurz vor dem Börsengang.

Foto: JUSTIN SULLIVAN/ AFP

Die Ankündigung, Tesla  von der Börse zu nehmen, hat Elon Musk im vergangenen Jahr viel Ärger gebracht. Später musste der CEO zurückrudern, für den E-Autobauer ging es in der Zeit am Markt auf und ab. Insgesamt aber hat das gehypte Unternehmen den Börsenwert deutlich steigern können. Der Ausgabekurs lag bei 17 US-Dollar, heute notiert das Papier bei rund 289 Dollar - ein Plus von rund 1600 Prozent.

IPO-Datum: 29.06.2010

Nettoverlust im Jahr vor dem Börsengang 2009: 83 Millionen US-Dollar

Nettoverlust 2018: 1,1 Milliarde US-Dollar

Marktkapitalisierung: 49,4 Milliarden US-Dollar

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