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Light L16 kommt nach Europa: Eine Kamera, 16 Linsen

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Light L16 - eine Kamera mit 16 Linsen Diese Kamera soll die Fotografie revolutionieren - und die Autoindustrie gleich mit

Bradley Lautenbach sucht den ganz großen Vergleich: "Wenn wir im Tesla-Maßstab denken, ist diese Kamera unser Roadster. Das Handy wird unser Model 3."

Seit Montag ist die L16, deren Technologie zunächst die Fotografie und später auch die Autoindustrie revolutionieren soll, in Deutschland verfügbar. Mit 16 Linsen soll sie "das große Ausrüstungsset, den Rucksack voller Kram" ersetzen, "der eine Tonne wiegt und ein Vermögen kostet", sagt Lautenbach. Vier Jahre hat das Start-up Light an der L16 gearbeitet - Lautenbach verantwortet Marketing und Produktdesign.

Die Funktionsweise der L16 ist schnell erklärt: Pro Schnappschuss nehmen die vielen Linsen der Kamera durchschnittlich zehn Einzelbilder auf. Ein Algorithmus verrechnet diese zu einem einzigen, bis zu 51 Megapixel großen Foto. Das Besondere: Die L16 legt dabei eine sogenannte "depth map" an: "Wir wissen in drei Dimensionen, wo sich die Dinge im Bild befinden", sagt Lautenbach. So kann nachträglich festgelegt werden, welcher Bildbereich scharfgestellt wird.

Nachträglich eingefügter Fokus-Effekt (rechts)

Nachträglich eingefügter Fokus-Effekt (rechts)

Foto: manager-magazin.de

Als die L16 Ende 2017 in den USA auf den Markt kam, waren erste Tester sowohl beeindruckt als auch enttäuscht von dem Gerät. Ja, die mögliche Auflösung sei riesig für eine Kamera dieser Größe; bei Fotos bei schlechten Lichtverhältnissen oder der Genauigkeit des synthetischen Fokus-Effekts lasse die Kamera allerdings zu wünschen übrig.

Darauf angesprochen, will Lautenbach die Kritik entkräften: "Wenn man eine Rezension von Oktober liest, bezieht sich die auf eine Kamera, die in der Form nicht mehr existiert." Aktuell bringe Light etwa einmal im Monat neue Software-Updates heraus, im April werde etwa die Performance bei wenig Licht angegangen. Auch hier scheut Lautenbach nicht den Superlativ: Die Tech-Szene habe auch am ersten iPhone viel zu mäkeln gehabt.

Deutschen Kunden, die sich selbst ein Bild machen wollen, verspricht Light ein 90-tägiges Rückgaberecht. Bis Ende März gebe es die 2050 Euro teure Kamera zudem mit 30 Prozent Start-Rabatt.

Lautenbach hat ein recht genaues Bild potenzieller Kunden: "Ehrgeizige Fotografen, Leute, die Instagram zur Fotografie gebracht hat und die nicht zufrieden mit den Bildern sind, die sie mit ihren Handys schießen". Gelegenheitsfotografen werde man wohl eher nicht von der L16 überzeugen können - das sei eher mit dem nächsten Produkt mit Light-Technik möglich.

Auto, Handy, Drohne - das plant Light für die Zukunft

Lautenbachs Tesla-Metapher zeigt: Die L16 soll nur der erste Schritt sein, um Lights Foto-Technologie zu etablieren. Zum Interview mit manager-magazin.de hat der Manager ein Smartphone-Konzept mitgebracht: Neun kreisförmig angeordnete Linsen sitzen auf dessen Rückseite, eine zehnte in ihrer Mitte. Im Laufe des Jahres wolle man Einzelheiten zum Smartphone-Projekt vorstellen - konkreter wird Lautenbach nicht. Zehn Linsen seien aktuell noch etwas ambitioniert - mehr als zwei wie bei neueren iPhone-Modellen würden es aber schon.

Für weitere Kooperationen führe Light aktuell Gespräche mit einer Vielzahl an Unternehmen - auch mit solchen aus der deutschen Autoindustrie. Zwar dauere es in diesem Markt wesentlich länger, einen Fuß in die Tür zu bekommen, "allerdings ist der Hunger nach Innovationen größer als in der Kameraindustrie." Autonome Fahrzeuge müssten in der Lage sein, etwa neu aufgestellte Schilder aus einiger Entfernung zu erkennen - Lights hohe Auflösung könne das möglich machen.

Denkbar sei der Einsatz von Light-Kameras auch in Drohnen, die weniger an ihnen zu schleppen hätten als an herkömmlichen Fotoapparaten, oder in Security-Anwendungen für den privaten und öffentlichen Raum.

Light wolle hier vor allem im Lizenzgeschäft tätig sein: Kameras ließen sich hochpreisig mit hohen Margen verkaufen, "das ist ein hübsches Geschäft. Nach einem Lizenzdeal bekommen wir ein paar Dollar pro verkauftem Handy - das ist auch ein sehr hübsches Geschäft."

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