Dienstag, 17. September 2019

Lesara-Gründer Roman Kirsch Das Wunderkind muss Insolvenz anmelden

Fand sich immer uneingeschränkt gut: Roman Kirsch, Gründer von Lesara

Roman Kirsch (30) gilt in der Berliner Start-up-Szene und darüber hinaus als Wunderkind. In der Schule übersprang er zwei Klassen, nach dem Studium an der Business School WHU zog er sein erstes Unternehmen namens Casacanda hoch, dessen Verkauf ihn mit Anfang 20 zum Millionär machte.

Sein neues Unternehmen Lesara sollte nun noch größer werden. Das Start-up verkauft billigste Kleidung, die in China produziert wird, über seinen Online-Shop. Mehr als 80 Millionen Euro haben Wagniskapitalgeber bisher in die Idee gesteckt, 350 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen. Doch der Plan ist dieses Mal nicht aufgegangen: Am Freitag haben die Lesara AG und ihre Logistiktochter Insolvenz angemeldet.

Nach Informationen von manager-magazin.de soll es große Probleme mit dem neuen Logistikzentrum in Erfurt gegeben haben, in das Lesara nach eigenen Angaben 40 Millionen Euro investieren wollte. Seit der Eröffnung im August kam es bei Lieferungen zu massiven Verzögerungen. Retouren wurden oft nicht korrekt verbucht, die Beschwerden im Internet häuften sich. Doch sie stießen auf taube Ohren: Zahlreiche Kunden, die in den vergangenen Monaten versuchten, das Unternehmen zu erreichen, wurden mit der Entschuldigung abgewürgt, die Mitarbeiter des Kundenservices seien in einer Fortbildung.

Gerade erst Millionen von Investoren bekommen

Um die Kosten einzudämmen, soll Lesara zuletzt Märkte geschlossen haben, unter anderem Spanien und Schweden. Das Marketing soll zurückgefahren worden sein. Bereits im Frühjahr hatte das manager magazin enthüllt, wie Kirsch seine Zahlen geschönt hatte: Öffentlich bezifferte er den Jahresumsatz auf 150 Millionen Euro. Retouren waren da allerdings nicht herausgerechnet. Tatsächlich lag der Umsatz nur bei etwa 71 Millionen, der Verlust betrug zuletzt rund 15 Millionen Euro.

Trotzdem machte Kirsch weiter unverdrossen in Optimismus: Erst im Sommer gab Lesara bekannt, 30 Millionen Euro von Investoren wie dem unbekannten Wagniskapitalgeber 3L, Northzone aus Schweden sowie Vorwerk Ventures erhalten zu haben. Laut dem Branchenmedium "Gründerszene" soll Kirsch in den letzten Tagen bei den Altinvestoren verzweifelt nach Geld gefragt haben. Die Gesellschafter wollten aber dem Bericht zufolge kein Kapital nachschießen.

Von Lesara heißt es in einem Statement, das Geschäft werde unverändert weiterlaufen. Der Schritt sei wegen "einer stockenden Finanzierung des starken Wachstums in den letzten Monaten" notwendig geworden. "Wir sind zuversichtlich, dass wir zeitnah eine nachhaltige Lösung für das Unternehmen und die Mitarbeiter erreichen werden, die einen Fortbestand und eine weitere Expansion sicherstellt." Auf Nachfragen von manager-magazin.de wollte Lesara nicht konkreter werden.

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