Donnerstag, 5. Dezember 2019

Die Flug-Nebenprojekte der Google-Milliardäre Wofür Larry Page und Sergey Brin jetzt mehr Zeit haben

Kitty Hawks Elektro-Flugeinsitzer "Flyer" wird von Google-Mitgründer Larry Page mitfinanziert

Für amerikanische Tech-Unternehmer verhielten sich die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page in den vergangenen vier Jahren ungewöhnlich ruhig: Seit der Aufspaltung von Google in mehrere Töchter der neuen Holding Alphabet Börsen-Chart zeigen traten Brin und Page kaum mehr öffentlich auf. Nun haben die beiden Tech-Milliardäre formell ihre Posten beim Google-Mutterkonzern Alphabet niedergelegt. Im Alphabet-Verwaltungsrat, der dem Vorstand übergeordnet ist, bleiben sie jedoch weiterhin. Zudem halten die beiden Google-Gründer auch weiterhin die Stimmrechtsmehrheit bei Alphabet.

In einem Schreiben an die Mitarbeiter kündigten sie an, künftig lieber als "stolze Eltern" mit Ratschlägen zur Seite zu stehen - sich aber nicht mehr direkt ins Tagesgeschäft einmischen zu wollen. Der Abschied auf Raten hatte sich bereits angedeutet, Page und Brin ließen sich zuletzt auch nicht mehr bei Entwicklerkonferenzen oder internen Mitarbeiterforen blicken.

Doch der Rückzug lässt Page und Brin nun mehr Zeit für Seitenprojekte, die sie - laut Berichten mit eigenem Geld - bereits in den vergangenen Jahren angestoßen haben. Der 46-jährige Page, dessen Vermögen auf rund 60 Milliarden Dollar geschätzt wird, finanzierte gleich zwei Unternehmen, die Flugautos entwickeln: die Start-ups Kitty Hawk und Opener.

Beide Unternehmen haben ihren Hauptsitz im Silicon Valley. Kitty Hawk wird von Sebastian Thrun geleitet, einem deutschstämmigen Robotik-Experten, der Googles autonom fahrende Autos mitentwickelte. Kitty Hawk hat mittlerweile drei Fluggerät-Prototypen vorgestellt, die elektrisch angetrieben sind und senkrecht starten und landen können. Dahinter stehen ähnlich ambitionierte Konzepte wie bei den deutschen Herstellern Volocopter und Lilium.

Kitty Hawk kämpft mit technischen Machbarkeits-Problemen

Vor kurzem kündigte Kitty Hawk für sein zweisitziges Flugtaxi "Cora", das zum Teil vom US-Militär mitfinanziert wird, zwar eine Kooperation mit Boeing an. Und im kommenden Jahr wollte Kitty Hawk das Flugtaxi bereits im regulären Betrieb in Neuseeland testen. Doch einem Bericht des US-Magazins "Forbes" zufolge gibt es dabei noch große regulatorische Probleme, auch erforderliche Sicherheitssysteme sind noch in der Entwicklung.

Und auch bei seinem zweiten Modell, dem Elektro-Einsitzer "Flyer", hat Kitty Hawk "Forbes" zufolge massive Probleme. Ursprünglich wollte Kitty Hawk bereits in den kommenden Monaten die ersten Modelle seines Einsitzers "Flyer" ausliefern. Der Verkauf des Modells ist nun komplett abgeblasen, die bereits vorliegenden Anzahlungen hat Kitty Hawk zurückgezahlt. Laut "Forbes" kämpft Kitty Hawk - wie auch andere Flugauto-Aspiranten - mit der niedrigen Energiedichte der aktuell verfügbaren Batterien. Das resultiert in nur kurzen Flugzeiten. Und auch eine Zulassung durch Flugbehörden ist noch in weiter Ferne.


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Im Oktober 2019 hat Kitty Hawk einen dritten Prototypen vorgestellt: Den Elektroflieger "Heaviside", der mit acht Elektro-Propellern angetrieben wird und wie ein herkömmliches Flugzeug über Flügel verfügt. Laut Unternehmensangaben soll der Flieger bei Start und Landung 100-mal leiser sein als ein Helikopter und eine 50 Kilometer lange Strecke in 15 Minuten zurücklegen können. Dem Tech-Portal Techcrunch zufolge soll der Flieger eine Reichweite von rund 160 Kilometern haben - für ein per Akku angetriebenes Fluggerät wäre das beachtlich, für Serieneinsätze aber wohl eher bescheiden.

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