Sonntag, 20. Oktober 2019

World Economic Forum - Deutschland rutscht bei Gleichberechtigung ab Zu wenig Frauen entwickeln Künstliche Intelligenz - warum das ein Problem ist

Der Roboter "RoboThespian" bei einer Ausstellung für Künstliche Intelligenz in Paderborn

Deutschland kommt bei der Gleichberechtigung kaum voran. Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sind in der Politik, Bildung und im Wirtschaftsleben weiter so groß, dass die Bundesrepublik zwei Plätze auf der internationalen Rangliste des Weltwirtschaftsforums (WEF) verliert. Und die Ökonomen warnen vor einer Verschlimmerung: Sie beobachten neue wichtige Wirtschaftszweige, die die Unterschiede noch befeuern könnten.

Gerade bei neuen Technologien für Künstliche Intelligenz (KI) werde es in Zukunft immer mehr Nachfrage nach passenden Fachkräften geben. Doch bisher sind darunter weltweit nur 22 Prozent Frauen. "Eine signifikante verpasste Chance", heißt es in dem "Global Gender Gap Report", und das in einem Berufsfeld, wo sowieso Fachkräftemangel herrsche.

Deutschland schneidet in dem Ranking für KI-Talent insgesamt zwar gut ab und belegt hinter den USA und Indien Platz drei. Gleichzeitig gehört Deutschland in dem Bereich aber zu den Ländern mit besonders großem Gefälle zwischen den Geschlechtern. Nur 16 Prozent der Programmierer, Professoren und Datenanalysten, die sich mit KI auskennen, sind weiblich. Frankreich (24%) und auch die USA (23%) weisen ein besseres Verhältnis auf. Italien, Singapur sowie Südafrika (28%) liegen vorn.

Dieser Abstand sei in den vergangenen Jahren konstant geblieben - ein Zeichen für eine Manifestierung. "Die Auswirkungen sind weitreichend und erfordern dringende Schritte", schreiben die WEF-Forscher.

Sexistische KI bereits Realität

Als Grund machen sie das Gefälle aus, das zwischen den Geschlechtern schon bei der Wahl des Studienfachs besteht und sich in das Berufsleben fortsetzt. Um die Lücken zu schmälern, brauche es Fortbildungen, Umschulungen und Möglichkeiten, den Karriereweg zu ändern. Es sei entscheidend, den Trend zu wenden, damit "neue KI-Systeme der ganzen Gesellschaft dienen". Der Status quo beschränkt laut WEF die innovative Kapazität der Technologien, da sie ohne diverse Perspektiven entwickelt werden.

Künstliche Intelligenz lernt aus den Daten, die ihr zugrunde gelegt werden. Diese Informationen und die Programme, die sie verarbeiten, werden repräsentativer, wenn Menschen mit verschiedenen Hintergründen daran arbeiten. Tatsächlich hat die ungleiche Besetzung der Branche schon ganz reale Auswirkungen. So kreierte zum Beispiel Amazon eine Recruiting-KI, die aus den Daten lernte, dass männliche Bewerber bevorzugt wurden. Das führte dazu, dass Angaben wie "Frauen-Schachclub" im Lebenslauf negativ bewertet wurden und Frauen früh aus dem Bewerbungsprozess flogen. Als das den Personalern schließlich auffiel, gelang es Amazon nicht, das Problem zu lösen. Die diskriminierende Software wurde eingestellt. Google machte zudem Erfahrungen mit rassistischen Programmen.

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