Montag, 21. Oktober 2019

Einsatz von Künstlicher Intelligenz in China Shenzhen startet Metro-Zugang per Gesichtserkennung

Gesichtserkennungsdemonstration auf der Public Security Expo in Shenzhen

In China werden Technologien, mit denen sich die Bürger immer besser überwachen lassen, zunehmend Teil des Alltages - und sind mittlerweile im öffentlichen Nahverkehr angekommen. Wie die Zeitung "South China Morning Post" unter Berufung auf die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, nutzt die südchinesische Metropole Shenzhen Gesichtserkennung mittlerweile für die Eingangskontrolle zu ihrem U-Bahn-System. Bislang seien 18 Stationen, 28 Metro-Zugänge und 60 Ticketmaschinen mit der neuen Technologie ausgestattet, hieß es. Auch bei der Bezahlung von Tickets werde in Shenzhen bereits mit Gesichtserkennungstechnologien experimentiert.

Dem Bericht zufolge können Bürger, die die 60 überschritten haben, sich bei dem Metrobetreiber registrieren lassen und dafür im Gegenzug das Verkehrsmittel kostenlos nutzen. Die Ausweitung auf andere Bevölkerungsgruppen wie beispielsweise Veteranen sei bereits angedacht, hieß es. Entwickelt hat der Metrobetreiber das System den Angaben zufolge zusammen mit Tencent, einem der führenden Technologiekonzerne des Landes.

Offenbar bildet Shenzhen, was die Offenheit gegenüber Gesichtserkennungstechnologien angeht, keine Ausnahme. Auch in anderen Städten wie Jinan, Guangzhou, Shanghai, Qingdao, Nanjing and Nanning liefen bereits Pilotprojekte oder Experimente, heißt es weiter.

China investiert massiv in künstliche Intelligenz und Überwachung

Gesichtserkennung ist ein Bereich der künstlichen Intelligenz, in den in China massive Ressourcen fließen. Und den der Staat zur Überwachung seiner Bürger - besonders der muslimischen Uiguren im Nordwesten des Landes -bereits intensiv nutzt und weiter ausbauen will. So soll etwa ab 2020 ein verpflichtendes Sozialpunktesystem eingerichtete werden, mit dem konformes Verhalten belohnt und non-konformes bestraft werden soll.

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Weltweiter Bedenken gegenüber dieser Entwicklung zum Überwachungsstaat zum Trotz planen auch anderer Staaten einen massiven Ausbau ihrer Überwachungssysteme. Unter anderem kündigteIndien vor einigen Tagen den Aufbau eines landesweiten Überwachungsnetzwerkes an, das an vorhandene staatliche Datenbanken angebunden werden soll.

Und selbst in Deutschland, wo es in der Bevölkerung teils erhebliche Vorbehalte gegen Gesichtserkennung gibt, setzen die Behörden auf einen Ausbau der Technologie. "Intelligente Videoüberwachung und biometrische Gesichtserkennung" sollten zukünftig ein wichtiges Unterstützungsinstrument insbesondere für die Bundespolizei sein", formulierte es das Bundesinnenministerium Mitte September nach einem Spitzentreffen zur Sicherheit an Bahnhöfen. Dort wurde auch der Ausbau der Videoüberwachungsinfrastruktur beschlossen.

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