150 Tech-Firmen geloben friedliche Nutzung Künstlicher Intelligenz Reguliert uns endlich!

Boston-Dynamics BigDog-Roboter: Wissenschaftler warnen vor der Kombination von Künstlicher Intelligenz mit autonomen Waffensystemen

Boston-Dynamics BigDog-Roboter: Wissenschaftler warnen vor der Kombination von Künstlicher Intelligenz mit autonomen Waffensystemen

Foto: DPA

Es ist eine Allianz mit einem für Technologiekonzerne eher untypischen Anliegen. Die ungewohnte Einigkeit zeigt aber die Dringlichkeit der Forderung. Mehr als 2400 Forscher und Mitarbeiter von 150 Tech-Firmen haben die Regierungen der Welt aufgefordert , endlich klare Regeln für die Entwicklung und Verwendung künstlich-intelligenter tödlicher Waffensysteme zu schaffen.

Angesichts des regulatorischen Vakuumsversprachen sie , sich selbst nicht an der Entwicklung tödlicher KI-Waffen zu beteiligen. Und forderten in der vom Bostoner "The Future of Life Institute" angeregten Gelübde  unter anderem Politik und Technologiekonzerne auf, sich ihrem Versprechen anzuschließen.

Unter den Unterzeichnern befinden sich auch der deutsche Informatiker Jürgen Schmidhuber,  drei Mitgründer des sich mittlerweile in Google-Besitz befindendem AI-Unternehmens Deep Mind und Space X-Gründer Elon Musk, der bereits in der Vergangenheit eindringlich vor dem Missbrauch der Technologie gewarnt hatte.

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Drohnen, bei denen letztlich Menschen die Entscheidung über die Tötung anderer Menschen übernehmen, nehmen die Wissenschaftler bei ihrem Versprechen dabei explizit aus. Es bezieht sich auf Waffen, die autonom Menschen identifizieren, sich auf sie richten und diese töten - ohne dass Menschen in den Prozess eingreifen oder diesen autorisieren.

Derartige Waffen, die Menschen die Schwierigkeit, das Risiko und die Verantwortung für das Töten abnähmen, drohten in Verbindung mit Überwachung und Datensystemen zu "mächtigen Instrumenten von Gewalt und Unterdrückung" zu werden, mahnen die Forscher. Zudem könne ihre Entwicklung ein Waffenwettrüsten auslösen, dessen die globale Ordnungspolitik nicht mehr Herr werden könne. 

Deutschland arbeitet noch an einer KI-Strategie

Während man in Deutschland noch dabei ist, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, die es deutschen Unternehmen ermöglichen sollen, im Bereich KI wettbewerbsfähige Technologien und Unternehmen zu entwickeln, haben Bürger und Unternehmen in den USA bereits mit ganz praktischen Fragen zu tun, die den täglichen Umgang mit KI betreffen.

So hat Amazon mit "Rekognition" eine Gesichtserkennungssoftware entwickelt , die bereits einzelne US-Behörden bei der Verbrechensbekämpfung anwenden. So hat die Polizei in Washington County laut der Bürgerrechtsvereinigung ACLU  bereits eine Datenbasis von 300.000 Polizeifotos erstellt, mit denen Polizeibeamte Bürger bei Kontrollen per App abgleichen können.

Beim Internetkonzern Google löste die Mitarbeit an einem Pentagon-Projekt namens Maven vor kurzem eine interne Revolte aus. Dabei nutzte das Militär von Google entwickelte KI-Technologie dafür, Drohnenaufnahmen mittels künstlicher Intelligenz zu beschleunigen und deren Inhalte automatisch zu klassifizieren. Nachdem reihenweise Mitarbeiter aus Protest den Konzern verlassen hatten und mehrere tausend Mitarbeiter eine Protestnote unterzeichneten, in dem sie Googles Rückzug aus dem Kriegsgeschäft forderten, beendete Google Berichten zufolge die Zusammenarbeit .

Es ist nicht der erste Boykott in der Branche. Bereits im April unterzeichneten 50 Wissenschaftler aus 30 Ländern einen Boykottaufruf gegen das Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST), nachdem die Uni die Einrichtung eines KI Waffenlabors angekündigt hatte. Ein Plan, von dem sie nach dem Boykottaufruf Presseberichten zufolge Abstand nahm.

Auch andere Konzerne ringen um den richtigen Umgang mit KI - ohne gleichzeitig gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen zu gelangen. Ein Thema, das aktuell auch Microsoft beschäftigt, die ebenfalls Gesichtserkennungstechnologien entwickelt haben. Angesichts der Aktivitäten unter anderem von Amazon ruft der Konzern ebenfalls nach einer allgemeinen Regulierung und arbeitet an internen Maßgaben zum Einsatz der Technologie.

In Deutschland ist man indes damit beschäftigt, die Bedingungen für KI-Unternehmen und die Forschung daran zu verbessern. Am Mittwoch verabschiedete das Kabinett ein Eckpunktepapier für eine Strategie für Künstliche Intelligenz, die Deutschland "zum weltweit führenden Standort für KI" machen soll.

Dazu will die Bundesregierung die Forschung zu Künstlicher Intelligenz ausbauen und weitere Kompetenzzentren fördern. So sollen neuen KI-Lehrstühle gefördert, die Arbeitsbedingungen für Forscher - auch aus dem Ausland - attraktiver gemacht und Unternehmensgründungen vereinfacht werden.