Donnerstag, 27. Juni 2019

Abspaltung beschlossen KPN-Aktionäre für E-Plus-Verkauf an Telefonica

E-Plus-Zentrale in Düsseldorf: Bald Teil des Telefonica-Imperiums

Die Entscheidung ist gefallen: Die Anteilseigner des niederländischen Telefonunternehmens KPN haben den Verkauf ihrer Deutschland-Tochter E-Plus an die hiesige Niederlassung der spanischen Telefonica beschlossen. Jetzt muss noch die EU-Kommission dem Deal zustimmen.

Den Haag - Der Verkauf von E-Plus an O2 ist beschlossene Sache. Die Aktionäre der niederländischen Telefongesellschaft KPN haben den Milliardendeal im deutschen Mobilfunk auf einer außerordentlichen Hauptversammlung genehmigt. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, votierten die Anteilseigner mit großer Mehrheit für den Verkauf der deutschen Ertragsperle.

Zuvor hatte auch der mexikanische Großaktionär America Movil seinen Widerstand aufgegeben und seine Zustimmung für die aufgestockte Offerte angekündigt. Nun liegt der Ball im Spielfeld der Wettbewerbshüter.

KPN Börsen-Chart zeigen erhält von Telefonica Deutschland für den Konkurrenten E-Plusfünf Milliarden Euro in bar sowie eine Beteiligung von 20,5 Prozent am Münchener Unternehmen. KPN hatte den insgesamt 8,1 Milliarden Euro schweren Verkauf im Juli angekündigt. Angesichts der Größe des Geschäfts zieht die EU-Kommission die Prüfung an sich.

"Wegen der Bedeutung der betroffenen Unternehmen auf EU-Ebene ist es nur logisch, diesen Fall hier in Brüssel zu entscheiden", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia. Zwar hatte das Bundeskartellamt angedeutet, das Verfahren nach Deutschland holen zu wollen. Dafür sieht der EU-Kommissar aber keinen Anlass. Das könnte indes etwas vorschnell sein.

Neuer Marktführer in Deutschland

In Deutschland würde aus E-Plus und O2 zusammen mit einem Schlag ein neuer Marktführer entstehen. Telekom und Vodafone müssten sich mit den Plätzen zwei und drei zufriedengeben. Manche Experten halten es zumindest für möglich, dass das den Wettbewerb auch hier entschärfen könnte - zulasten der Kunden. E-Plus hatte die Konkurrenten mehrfach mit Preissenkungen geschockt. Die murrten erst, zogen dann aber nach. Im Laufe der Zeit sackten die Preise immer weiter nach unten. Der Verbraucher freut sich, die Branche ächzt aber unter den Kosten des Netzausbaus, ohne dass sie das Geld bei den Kunden wieder einsammeln kann.

Die Verringerung der Anzahl der Netzbetreiber von vier auf drei trifft auf Widerstand vom Bundeskartellamt. Die EU-Kommission will sich in diesem Punkt nicht festlegen. Ein Sprecher von Almunia erklärte: "Es gibt keine 'magische Zahl' der Anbieter." Es gebe Länder mit drei, vier oder gar fünf Mobilfunkanbietern.

Doch auch die Bundesnetzagentur hat bei dem Geschäft ein Wort mitzureden. Einem Pressebericht zufolge droht den Unternehmen bei einer Fusion der Verlust wertvoller Mobilfunkfrequenzen. GSM- und UMTS-Lizenzen seien an die "wettbewerbliche Unabhängigkeit geknüpft, zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" aus einem Brief der Bundesnetzagentur an die beiden Mobilfunkanbieter. "Im äußersten Fall kann die Bundesnetzagentur das durch einen Widerruf der betroffenen Frequenzzuteilungdurchsetzen", schreibt die Bundesnetzagentur. Als die Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen ihr Netz in Großbritannien mit dem von France Telecom zusammenlegte, mussten sie bei den Frequenzen Federn lassen.

Nachdem America Movil mit KPN nun an einem Strang gezogen hat, steht eine weitere Einigung zwischen den beiden noch aus. Die Mexikaner, die bereits knapp 30 Prozent an KPN halten, wollen den Konzern für 7,2 Milliarden Euro gern komplett übernehmen. Der Vorstoß war allerdings auf Ablehnung gestoßen. Die KPN-Stiftung, welche die Übernahme mit der knappen Mehrheit der Stimmrechte unterlaufen kann, hatte die Offerte als "feindlich" bezeichnet. Presseberichten zufolge fordern die Niederländer wegen der Steuergutschrift, die sich aus dem Buchverlust von 3,7 Milliarden Euro ergibt, einen höheren Preis. Statt der bisher gebotenen 2,40 Euro je Aktie schweben ihnen 2,65 Euro vor.

kst/dpa-afx

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