Samstag, 19. Oktober 2019

Rocket Internet im Kanzlertest Der Internetfrontrunner und die Physikerin aus der Uckermark

Wünsch Dir was: "Jetzt sagen sie doch mal, was sie noch wollen", forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer auf

2. Teil: Warum der Staubsauger für die Zimmertemperatur verantwortlich ist

Der Unterschied zwischen dem Geschäft von Sailer und Oliver Samwer könnte größer kaum sein. Der eine verkauft Hausgeräte. Waschmaschinen, Staubsauger, Kühlschränke. Das sei nicht nur Blech, betonte Sailer, Miele verkaufe Systeme. Der andere baut Startups auf, eines nach dem anderen. Im besten Fall verkauft er sie gewinnbringend, im schlechtesten Fall scheitern sie. Während Mittelständler Miele soeben 115-jähriges Firmenjubiläum feierte, ging Oliver Samwer vor wenigen Wochen mit seinem sieben Jahre jungen Rocket Internet an die Börse.

Zwischen Sailer und Samwer stand nun die Kanzlerin. Miele hatte sie erst vor einem Jahr besucht. Das Geschäft ist ihr geläufig. Grundsatzverordnungen zu energiesparenden Geräten kann Merkel sofort zitieren. Sie habe sich einmal Sorgen gemacht, ob die neuen Regeln verhinderten, dass der Staubsauger der Zukunft mit 900 Watt auch noch richtig saugen könne. Ihre Mitarbeiter hätten sie beruhigen können. Als die ersten im Publikum lachen, fügte Merkel hinzu: "Man muss wissen: Mit den heutigen Staubsaugern heizt man auch immer ein bisschen das Zimmer".

Die Detailliebe der Kanzlerin bekam auch schon bald Oliver Samwer zu spüren. Der Rocket-Chef neigt dazu in Stichwörtern zu reden. Häufig beendet er Sätze nicht, weil er gedanklich schon im übernächsten ist.

Samwers Beschreibung des Zustands der deutschen Digitalbranche war keineswegs so schlecht, wie ihn die Kanzlerin zuvor skizzierte. Allerdings fokussierte sie sich eher auf die Industrie, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

"Ach guck mal, da ist jetzt wieder was Pleite gegangen"

Der 41-Jährige ist hingegen in der Startup-Welt zu Hause. Der Hauptsitz von Rocket Internet ist in der vermeintlichen Startup-Hauptstadt Berlin. "Wenn man sich Berlin anschaut, dann ist neben den Behörden und der Bundesregierung, der größte Arbeitgeber die Summe der Startups. Das heißt, zwischen 1998 und 2014 ist schon etwas passiert", sagte Samwer.

Rocket beschäftigt nach Angaben von Samwer weltweit 20.000 Mitarbeiter. Onlinehändler Zalando Börsen-Chart zeigen, ein Unternehmen, das durch die Starthilfe der Samwers groß wurde, ist in Berlin einer der größten privaten Arbeitgeber und beschäftigt weltweit etwa 7400 Mitarbeiter.

Er und seine Brüder Marc und Alexander seien damals aus den USA nach Deutschland zurückgekommen, weil sie an das Land glaubten. "Am Ende haben wir gesagt, wir leben hier gerne, wir glauben an die Tugenden, die Fähigkeiten, die Vorteile des Ökosystems", sagte er.

Aber auch für Samwer ist noch nicht alles perfekt. "Wir müssen jetzt die Basis finden, dass auch neue, junge, kleine Mieles entstehen können", sagte er. Die einen würden vielleicht Zalando heißen, die anderen Wooga (ein Online-Spielehersteller) und ein anderes vielleicht Startup Nr. 13. Wir hätten in Deutschland die Kultur, dass sich 20, 30 Blogs auf diese Startups stürzten und dann schrieben, "ach guck mal, da ist jetzt wieder was Pleite gegangen", beklagte Samwer.

Wir müssten auch akzeptieren, dass sie scheitern. "Am Ende ist es nun einmal so", sagte er und sprach betont langsam, "um ein neues Miele zu schaffen, oder genauso ein Google Börsen-Chart zeigen oder ein neues Facebook Börsen-Chart zeigen, da wird es nun einmal so sein, dass acht bis neun Startups es nicht schaffen werden."

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