Milliardenofferte "Kanadischer Warren Buffett" will Blackberry kaufen

Es könnte die letzte Rettung für Blackberry sein: 4,7 Milliarden Dollar will ein Konsortium um den Finanzdienstleister Fairfax für den angeschlagenen Smartphonehersteller bieten. Fairfax-Chef Prem Watsa gilt als Starinvestor - man nennt ihn den "kanadischen Warren Buffett".
Blackberrys: iPhone und Co. haben den Organizern den Rang abgelaufen

Blackberrys: iPhone und Co. haben den Organizern den Rang abgelaufen

Foto: Richard Drew/ AP

Waterloo/Toronto - Neue Hoffnung für den angeschlagenen Smartphone-Pionier Blackberry: Der kanadische Konzern mit dem aus Deutschland stammenden Manager Thorsten Heins an der Spitze hat einen Kaufinteressenten gefunden. Die Investmentholding Fairfax Financial will Blackberry für 4,7 Milliarden US-Dollar (3,5 Milliarden Euro) schlucken und von der Börse nehmen.

Treibende Kraft hinter der Übernahmeofferte ist Prem Watsa, Chef von Fairfax Financial. Der Manager mit indischen Wurzeln wird auch der "kanadische Warren Buffett" genannt nach dem US-Starinvestor mit dem scheinbar untrüglichen Sinn fürs Geldverdienen.

Blackberry hatte erst am Freitag mit einer drastischen Gewinnwarnung und der Ankündigung von Massenentlassungen schockiert.

Die Übernahme ist jedoch noch lange nicht in trockenen Tüchern. Zunächst will die Finanzfirma die Bücher von Blackberry studieren, wofür sie sich sechs Wochen Zeit ausgebeten hat. Zunächst unterzeichneten beide Seiten nur eine Absichtserklärung. Blackberry hat bis zum 4. November Zeit, eine höhere Offerte einzuholen.

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Fairfax Financial will 9 Dollar pro Aktie zahlen - das ist die Hälfte dessen, was die Papiere noch zu Jahresbeginn kosteten. Zwischenzeitlich war die Aktie auf gut 6 Dollar abgesackt. Zu Börsenschluss stieg der Kurs von Blackberry  auf 8,82 Dollar.

Fairfax Financial besitzt bereits rund 10 Prozent an Blackberry. Die Übernahme will die Holding, die ihr Geld vor allem mit Versicherungen verdient, mit Hilfe von Krediten sowie anderen Investoren stemmen. Deren Namen wurden nicht genannt. Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf eingeweihte Personen, dass zwei kanadische Pensionsfonds mitmachen könnten.

Erleichtert würde die Übernahme dadurch, dass Blackberry schuldenfrei ist und zuletzt dank harter Einsparungen immer noch 2,6 Milliarden Dollar auf der hohen Kante hatte.

Blackberry leidet unter den Verkaufserfolgen von Samsung  und Apple . Apple setzte von den beiden neuen Versionen seines iPhone 5 in den ersten drei Tagen seit Verkaufsstart nach eigenen Angaben neun Millionen Geräte ab. Wie hart der Telekommunikationsmarkt umkämpft ist, zeigt auch der jüngste Verkauf von Nokias Handysparte an Microsoft .

Vorbild Dell

Die eigenen Smartphones verkaufen sich dagegen trotz eines neuen, hoffnungsvoll gestarteten Betriebssystems namens Blackberry 10 nur schleppend. Das Unternehmen erwartet deshalb einen Verlust von fast einer Milliarde Dollar für das vergangene Quartal und streicht 4500 weitere Jobs. Es bleiben damit noch 7000 Mitarbeiter übrig.

Blackberry hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, die Möglichkeit eines Verkaufs auszuloten. "Wir sind der Überzeugung, dass diese Transaktion ein aufregendes neues Kapital in privatem Besitz eröffnen kann", erklärte Fairfax-Chef Watsa. Er saß als Großaktionär bis vor kurzem selbst im obersten Firmengremium von Blackberry, dem Verwaltungsrat.

Der Rückzug von der Börse würde dem Management mehr Freiheiten bei einem möglichen Umbau eröffnen, weil es dann keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer Anteilseigner nehmen müsste. Blackberry will sich vor allem auf Firmenkunden konzentrieren.

Analysten begrüßten das Übernahmeangebot, wobei keine Euphorie aufkam. "Das ist vermutlich der bestmögliche Ausgang unter diversen unattraktiven Optionen für Blackberry", sagte etwa Jack Gold von J. Gold Associates. Von der Börse zu gehen und - wie gemunkelt wird - den Gründer Mike Lazaridis wieder zurückzuholen, "könnte ihnen etwas Zeit verschaffen, das Haus in Ordnung zu bringen".

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Der Smartphone-Hersteller aus Kanada würde damit dem Vorbild des US-amerikanischen PC-Bauers Dell  folgen: Gründer Michael Dell kauft den Konzern mit Hilfe eines Finanzinvestors gerade zurück, nimmt ihn von der Börse und baut ihn um. Dell leidet unter den branchenweit schwachen PC-Verkäufen und orientiert sich deshalb in Richtung lukrativer Dienstleistungen für Firmenkunden.

ts/dpa-afx/rtr
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