Donnerstag, 19. September 2019

Schwachstellen bei Chip-Riesen Dieses deutsche Wunderkind versetzt Intel in Aufregung

Intel-Chip: Die Sicherheits-Schwachstellen "Spectre" und "Meltdown" beschäftigen die Branche

Intel und andere Chipriesen arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, Schwachstellen an ihren Chips zu beseitigen. Dass diese überhaupt ans Licht kam, ist auch dem jungen Deutschen Jann Horn zu verdanken.

2013 nahm er noch an einem "Jugend forscht" Wettbewerb teil. Jann Horn gehörte zu der Schülergruppe, die mit einem Besuch bei Kanzlerin Merkel dazu ermutigt werden sollte, dranzubleiben und weiterhin Forschung zu betreiben.

Bei Horn ging dieser Plan voll auf: Im vergangenen Sommer war Horn bereits als Forscher für Cyber-Sicherheit beim IT-Riesen Google in Zürich beschäftigt. Als Mitglied der Gruppe "Projekt Zero" berichtete er erstmals von den größten jemals bekannten Chip-Schwachstellen, von denen die Branche bis heute betroffen ist.

Jann Horn, damals als Sieger bei "Jugend forscht": Steile Karriere bei Google
Jugend forscht e.V.
Jann Horn, damals als Sieger bei "Jugend forscht": Steile Karriere bei Google

Dabei suchte Horn damals gar nicht gezielt nach dieser Schwachstelle, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Im April 2017 begann er, tausendseitige Handbücher von Intel durchzuforsten. Er wollte zunächst nur testen, ob die Computerhardware imstande war, extrem große und komplizierte Zahlencodes zu verarbeiten. Bei dieser Prüfung stieß er dann auf Sicherheitslücken, die Chipkonzerne wie Intel und Co noch heute unter Namen wie "Spectre" und "Meltdown" beschäftigen.

Diese Entdeckung machte Horn zu einer Berühmtheit: Auf einer Branchenkonferenz in Zürich wurde er gefeiert wie ein Popstar und konnte sich vor Fragen kaum retten. Laut seiner Forscherkollegen ist es eine Mischung aus wilder Entschlossenheit und scharfem Verstand, die ihm dabei hilft, auf Fehler zu stoßen, die zuvor jahrelang nicht bemerkt worden waren.

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Auch Daniel Gruss, Mitglied einer Forschergruppe an der Universität Graz, die auf "Spectre" und "Meltdown" aufmerksam machten, ist voll des Lobes über Horns Arbeitsleistung : "Wir waren als Team unterwegs und hatten Hinweise, wo wir anfangen sollten. Er aber arbeitete allein und hatte keine wirklichen Hinweise". Über neue Aufgaben und interessante Job-Angebote muss sich der junge IT-Spezialist wohl keine Sorgen machen. Falls es ihm bei Google zu langweilig werden sollte, hat sicherlich auch Intel einen interessanten Job für ihn.

Von Leon Leue

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