Ausnahme-Unternehmer kündigt Rückzug für 2019 an "Bei Alibaba ging es niemals nur um Jack Ma"

Alibaba-Gründer Jack Ma will sich im September 2019 endgültig von der Spitze des Online-Riesen zurückziehen. Das kündigt der chinesische Ausnahme-Unternehmer an seinem heutigen 54. Geburtstag in einem Brief an die Mitarbeiter an. Ein Nachfolger ist bereits benannt.
Alibaba-Gründer Jack Ma (l.) und CEO Daniel Zhang an der New Yorker Börse im November 2015

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So schnell geht der Rückzug dann doch nicht: Alibaba-Gründer Jack Ma, heimlicher Chef des Unternehmens und Kultfigur der chinesischen Internetbranche, bleibt für 12 weitere Monate bis zum 10. September 2019 Executive Chairman der Alibaba Group. Das berichtet in der Nacht zu Montag  (MEZ) die dem chinesischen Milliardär gehörende Zeitung "South China Morning Post" (SCMP). Das Blatt beruft sich auf einen Brief an die Belegschaft von Alibaba. Ein Nachfolger steht auch schon fest: Daniel Zhang. Ma hatte ihm die Verantwortung für das Tagesgeschäft bereits 2015 übertragen.

Zuvor hatte es erhebliche Irritationen über den Zeitpunkt des Rückzugs gegeben. Alibaba hatte am Samstag noch via SCMP  einem Bericht der "New York Times"  widersprochen, der Unternehmer werde am heutigen Montag, der zugleich sein 54. Geburtstag ist, von der Spitze des chinesischen Online-Riesen zurücktreten. Aussagen Mas seien sei aus dem "Zusammenhang gerissen" worden und "falsch". Wie zum Beweis nannte das Blatt noch eine ganze Reihe von Terminen in aller Welt, die Ma in den nächsten Wochen und Monaten absolvieren werde.

Jack Ma revolutionierte China

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"Bei Alibaba ging es niemals nur um Jack Ma"

In dem Brief an die Mitarbeiter schreibt Ma nun, er werde wie angekündigt den Vorsitz abgeben und - um einen "reibungslosen Übergang" zu gewährleisten - noch bis zum Aktionärstreffen im Jahr 2020 im Aufsichtsrat bleiben. Dieser Übergang zeige, dass Alibaba die nächste Stufe der Unternehmensführung erreicht habe. "Bei Alibaba ging es niemals nur um Jack Ma, aber Jack Ma wird für immer zu Alibaba gehören."

Der Ausnahme-Unternehmer und einer der reichsten Menschen Chinas deutete in dem Brief an, dass er sich nun verstärkt seinen philanthropischen Projekten und seiner Stiftung, der "Jack Ma Foundation", widmen werde. Als Vorbild gilt ihm dabei der Microsoft-Gründer und Multimilliardär Bill Gates.

Vorbild für eine ganze Generation von jungen Chinesen

Ma gilt einer ganzen Generation von jungen Chinesen als Vorbild: Er wirkt unangepasst, tanzt zum Firmengeburtstag schon mal im Michael-Jackson-Kostüm auf der Bühne. Zugleich hat er es mit Fleiß und Beharrlichkeit - trotz oder gerade wegen der allmächtigen Kommunistischen Partei in China - zu Reichtum gebracht. Mit seinem Unternehmen hat er China vielleicht mehr revolutioniert als es in der Vergangenheit so mancher Parteitagsbeschluss vermochte, meinen Kenner des chinesischen Riesenreichs.

Alibaba - mehr als nur eine Handelsplattform und anders als Amazon

Forbes schätzt das Vermögen des gelernten Englisch-Lehrers auf 36,6 Milliarden Dollar. Unter seiner Ägide hatten 18 Jungunternehmer Alibaba im Jahr 1999 gegründet. Zunächst sollte die Firma eine Art B2B-Marktplatz sein, wo Unternehmen ihre Produkte anderen Firmen verkauften. Richtig aufwärts ging es aber erst, als der Konzern 2003 die Online-Handelsblattform "Taobao" einführte und damit das Endverbraucher-Geschäft. Taobao hat heute mehr als 500 Millionen registrierte Nutzer.

Mit 66.000 Vollzeitkräften und einem Börsenwert von umgerechnet 420 Milliarden Dollar ist Alibaba Chinas größter Onlinehändler. Anders als sein US-amerikanisches Pendant Amazon hat Alibaba aber keine Warenlager, sondern betreibt nach dem Vorbild von Ebay eine reine Online-Handelsplattform.

Alibaba - mehr als nur eine Handelsplattform und anders als Amazon

Aber Alibaba ist mittlerweile mehr als das und unter Jack Ma längst zu einem globalen Internetkonzern gewachsen. So tritt Alibaba auch als Video-, Musik- und Cloud-Dienstleister auf. Ebenso kontrolliert Jack Ma die Alibaba-Tochter Ant Financial. Bei einer Finanzierungsrunde im Sommer konnte der Betreiber der weltweit stark expandierenden Bezahlplattform Alipay weitere 14 Milliarden Dollar einsammeln. Die Bewertung kletterte damit auf 150 Milliarden Dollar und machte Ant Financial zu diesem Zeitpunkt zum teuersten Fintech weltweit.

Trotz der Dominanz auf dem chinesischen Markt wächst Alibaba weiterhin schnell: Zuletzt stieg der Quartalsumsatz im Jahresvergleich um 61 Prozent auf 80,9 Milliarden Yuan (rund 10,2 Milliarden Euro).