Montag, 21. Oktober 2019

Teuerster Konzern der Welt Managerschreck Carl Icahn hält Apple für "dramatisch unterbewertet"

Aktivist: Carl Icahn ist für Unternehmen ein unbequemer Anteilseigner. Seine Investments sind in der Regel mit Forderungen an das Management verbunden

US-Großaktionär Carl Icahn hat sich erneut mit Forderungen an Apple-Chef Tim Cook gewandt. Der teuerste Konzern der Welt notiere derzeit zum "halben Preis" - und müsste laut Icahn eigentlich 1,2 Billionen Dollar wert sein.  

Hamburg - Milliardär Icahn forderte Apple-Chef Tim Cook auf, er möge das Board erneut dazu bewegen, deutlich mehr Aktien zurückzukaufen als bisher. Das Unternehmen solle einen Teil seiner Cash-Reserven in Höhe von 133 Milliarden Dollar für den Rückkauf verwenden.

"Wir sind der Ansicht, dass Apple dramatisch unterbewertet ist auf dem gegenwärtigen Markt, und je mehr Aktien nun zurückgekauft werden, desto stärker wird jeder verbleibende Aktionär davon profitieren", schrieb Icahn in einem langen offenen Brief.

Icahn hält eigenen Angaben zufolge 53 Millionen Apple-Aktien. In kein anderes Unternehmen habe er bislang mehr investiert. Er versicherte Cook, dass er bei Aufstockung des Programms auch weiterhin an Apple Börsen-Chart zeigen beteiligt bleibe. Cook und seinem Management "applaudierte" Icahn. Cook sei der richtige Chef für Apple.

Dass Icahn dennoch erneut den Druck auf Cook erhöht, kann die übrigen Apple-Aktionäre nur freuen: Der Kurs der Apple-Aktie, die bereits am Vortag die Marke von 100 US-Dollar erneut überwunden hatte, setzte am Donnerstag seine Klettertour fort.

Icahn zufolge läge der angemessene Preis der Aktie bei 203 Dollar. Aus seiner Sicht notiere das Papier derzeit "zum halben Preis". Derzeit hat Apple einen Börsenwert von mehr als 607 Milliarden Dollar. Icahn zufolge müsste dieser also doppelt so hoch sein und die Marke von 1,2 Billionen Dollar überschreiten.

Riesige Cash-Reserven - Forderung nach Rückkaufprogramm

Der Technologiekonzern hat bereits ein großes Aktienrückkauf- und Dividendenprogramm im Wert von 130 Milliarden Dollar aktiviert. Erst im April dieses Jahres hatte der Konzern das Programm um 30 Milliarden Dollar aufgestockt. Das Unternehmen hatte angekündigt, die Dividende pro Aktie um 8 Prozent auf 3,29 Dollar pro Quartal zu steigern. Darüber hinaus splittete Apple die Aktien in einem Verhältnis von sieben zu eins. Damit wurden das Papier des Unternehmens deutlich billiger.

Carl Icahn ist ein Managerschreck und Apple ist nicht das erste Mal ein Opfer des Investors. Bereits vor einem Jahr ließ er den Konzern und seine Beobachter via Twitter Börsen-Chart zeigen wissen, er habe sich im großen Stil an Apple beteiligt. Das Unternehmen sei extrem unterbewertet. Es müsse sich etwas bewegen. Das Unternehmen solle seine enormen Cash-Reserven für Aktienrückkäufe nutzen.

Neben Apple beschäftigt den 78-Jährigen derzeit auch die Zukunft des Onlinehändlers Ebay Börsen-Chart zeigen. Erst forderte er die Abspaltung des Bezahldienstes Paypal, die das Unternehmen auch vergangene Woche ankündigte, nun will er mit dem Management über weitere Schritte ins Gespräch kommen.

Icahn glaubt an deutliches Wachstum

Der aktivistische Investor hatte es einen Abend zuvor bereits spannend gemacht. Am Mittwoch Abend kündigte er via Twitter an, dass er Apple einen Brief schreiben werde, natürlich einen offenen. "tmrw we'll be sending an open letter to @tim_cook. Believe it will be interesting", twitterte er verkürzt. Zu Deutsch: Morgen werde ich einen offenen Brief an Tim Cook versenden. Ich glaube er wird interessant". Ein paar Stunden später war er bereits für TV-Sender gebucht, um seinen Brief zu erklären, dessen Inhalt aber noch gar nicht bekannt war.

Icahn begründete seine erneuten Forderungen an Apple mit den Wachstumschancen des Unternehmens in den kommenden drei Jahren. Er erwarte, dass der iPhone-Hersteller 2015 den Gewinn um 44 Prozent steigern könne und in den folgenden Jahren jeweils um 30 Prozent. Der Umsatz erhöhe sich im gleichen Zeitraum um 25 Prozent im Jahr 2015 und in den folgenden beiden Jahren um jeweils 21 Prozent, glaubt Icahn. Seine Prognosen sind damit höher als die der Analysten.

Großinvestor rechnet mit Apple-Fernseher

Der Großinvestor ist deshalb zuversichtlich, weil er daran glaubt, dass Apple auch künftig erfolgreiche Premiumprodukte auf den Markt bringen werde. In seinen Ausführungennennt er unter anderem die Apple Watch, die der Konzern in der ersten Hälfte des kommenden Jahres auf den Markt bringen will. Sie werde bedeutenden Einfluss auf das Wachstum des Unternehmens haben. Apple werde im ersten Jahr 20 Millionen, im zweiten Jahr 45 Millionen und im dritten Jahr 72,5 Millionen Uhren kaufen, schätzt Icahn.

Neben der Apple Watch setzt Icahn noch auf ein weiteres Produkt. Einen Apple Fernseher. "Obwohl Apple noch keinen Fernseher angekündigt hat und es vielleicht auch niemals machen wird, so gibt es für uns gute Gründe, im Jahr 2016 die Einführung eines Ultra HD Fernsehers zu erwarten", schrieb Icahn.

Apple bezeichnete lange die kleine Setup-Box Apple TV als Hobby. Manager des Unternehmens und der verstorbene Gründer Steve Jobs hatten aber immer wieder deutliches Interesse am Geschäft bekundet. Das Thema TV sei nun mehr als ein Hobby, hatte Konzernchef Cook Anfang des Jahres gesagt. 2013 erlöste Apple mit den kleinen Geräten eine Milliarde Dollar. Für den Fernseher hat Icahn auch gleich ein paar Prognosen parat. Apple werde 2016 insgesamt zwölf Millionen 55 Zoll und 65 Zoll Modelle verkaufen, ein Jahr später 25 Millionen - zu einem durchschnittlichen Preis von 1500 Dollar.

Der iPhone-Hersteller wollte sich zum Brief von Icahn nicht konkret äußern. Anregungen von Aktionären seien grundsätzlich immer willkommen, sagte eine Apple-Sprecherin. Das Unternehmen überprüfe jedes Jahr sein Aktienrückkaufvolumen und berücksichtige die Beiträge aller Investoren.

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