Donnerstag, 23. Januar 2020

Unify-Chef Dean Douglas "Projekt Ansible als Ausdruck des Wandels"

Unify-Chef Dean Douglas: Keine Übernahmekandidaten "am Horizont" zu sehen

3. Teil: "Gores bringt uns leichteren Zugang zu neuen Technologien"

mm: Warum sollten die Dienste von Microsoft und Google nicht auch in Konzernen großflächig Einzug halten?

Douglas: Großunternehmen und Konzerne werden es vermutlich auch mit Microsoft und Google versuchen. Ich gehe aber davon aus, dass sie bald feststellen werden, dass die Systeme dieser Anbieter, wenn es um Echtzeitkommunikation geht, nicht für solche Großkunden geeignet sind. Um es klar zu sagen: Kommunikation, speziell Sprachkommunikation, ist ein kritischer Bereich, und zwar nicht nur im Software-Sinne, sondern im auch Hinblick auf die Technologie dahinter.

mm: Auch die Cloud macht vor Ihrer Branche nicht halt. Der jüngste Trend sind Cloud-Telefonanlagen, wie sie in den USA Unternehmen wie Ring Circle und 8x8 anbieten. In Deutschland und Europa ist die Münchener Nfon AG Marktführer. Wie sehr bedrohen diese jungen Unternehmen ihr klassisches Brot- und Buttergeschäft mit Telefonanlagen und Telefonsystemen?

Douglas: Ich sehe sie nicht als Bedrohung. Wir entwickeln uns ja insgesamt stark in die Cloud hinein. Unsere Partner nutzen unsere Produkte ja schon heute in ihren Cloud-Umgebungen. Und Project Ansible zum Beispiel wird als cloudbasierte Plattform angeboten. Cloud heißt für mich, nicht nur Sprachtelefonie oder Telefonanlagen in die Wolke zu verlegen. Es geht vielmehr darum, das Unternehmen ganzheitlich umzustellen.

mm: Sprechen wir nochmal über Ihr Unternehmen. Seit 2008 hält die Gores Group einen 51-prozentigen Anteil an Unify. Welchen Einfluss übt der Private-Equity-Investor auf Sie aus?

Douglas: Wir haben einen Verwaltungsrat, der sich aus Vertretern der Gores Group und Siemens zusammensetzt. Als CEO berichte ich an diese.

mm: Helfen die Investoren auch?

Douglas: Ja. Einerseits bringen sie Erfahrungen mit. Schließich haben wir dank Siemens über Jahre hinweg viele Bestandskunden gewonnen. Gores hingegen ist eine Private-Equity-Firma, die ihren Hauptsitz in Kalifornien hat und beste Kontakte zu anderen Unternehmen in unserer Industrie unterhält. Das bringt uns leichteren Zugang zu neuen Technologien.

mm: Wann ist mit einem Börsengang zu rechnen?

Douglas: Es ist zu früh, um über Exit-Strategien zu sprechen. Ich bin ja auch er erst sechs Wochen im Amt.

mm: Es ist keine sechs Wochen her, dass Sie mit Alcatel-Lucent über den Kauf von deren Firmenkundengeschäft gesprochen haben. Was würde so ein Deal Unify bringen?

Douglas: Das sind, wie Sie ja wissen, Gerüchte. Das kann ich nicht kommentieren.

mm: Aber eine Konsolidierung unter den etablierten Anbietern wie Unify, Alcatel-Lucent, Cisco oder Avaya halten Sie angesichts der Herausforderungen der Branche schon für realistisch?

Douglas: Ich denke, es wird in der Branche immer Chancen geben, die jedes Unternehmen dann abwägt - abhängig davon, ob ein Deal zum Unternehmen passt, er strategisch Sinn macht und natürlich der Preis stimmt. Derzeit sehe ich aber nichts am Horizont, das diesen Anforderungen entspräche.

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