Samstag, 18. Januar 2020

Cloud-Telefonanlagen "Perfekte Angriffswaffe für das bislang resistente Ökosystem"

Virtuelle Telefonanlagen: Die wichtigsten Anbieter im Vergleich
REUTERS

In deutschen Büros stehen mehr als zehn Millionen Telefone. Dominiert wird der Markt von Anbietern wie Alcatel-Lucent, Cisco oder Unify. Auf der Cebit bläst der Cloud-Newcomer Nfon nun zum Angriff auf die etablierten Telefonanlagenanbieter. Vorstandschef Rainer Koppitz erklärt, was er anders machen will als die Konkurrenz.

mm: Herr Koppitz, Sie wollen etablierten Telefonausrüstern wie Alcatel-Lucent , Cisco Börsen-Chart zeigen und der aus Siemens hervorgegangenen Unify mit ihren Cloud-Telefonanlagen das Leben schwer machen. Aber ist nicht eher ein Softwarekonzerne wie Google Börsen-Chart zeigen , der jüngst ein Telefon- und Videokonferenzsystem für Unternehmen vorgestellt hat, der künftige Gegner?

Koppitz: In unseren Telefonanlagen sind Web- und Audiokonferenzen eine Standardfunktionen von mehr als 160. Die Bedrohung durch Google und Co. ist daher nicht so groß. Eine Telefonanlage aus der Cloud anzubieten, ist wahnsinnig komplex. Denn Sie müssen sowohl die IT-Welt als auch die Sprachwelt beherrschen, die in jedem Land anderen gesetzgeberischen Anforderungen unterliegen. Google oder Skype können so etwas nicht. Unsere Wettbewerber sind daher die von Ihnen zuerst genannten Namen.

mm: Diese dominieren den Markt für klassische Telefonanlagen. Virtuelle Telefonanlagen in der Cloud machen in Europa dagegen nur einen Marktanteil von weniger als einem Prozent aus. In den Vereinigten Staaten sind es rund 10 Prozent. Wie kommt das?

Koppitz: Zunächst einmal sind die technischen Voraussetzungen erst in den vergangenen Jahren geschaffen worden. Sie brauchen ein Firmennetzwerk, das für Cloud-Telefonie ausgelegt ist. Und sie brauchen die notwendige Bandbreite bei der Datenübertragung. Ein weiterer Hemmschuh ist das riesige Ökosystem, das Hersteller klassischer Telefonanlagen, deren Partner und Kundenberater in den vergangenen fünfzig Jahren aufgebaut haben. In diesem Ökosystem haben die Anbieter wie die Maden im Speck gelebt. Aber diese Zeiten gehen vorbei.

mm: Auf der diesjährigen Cebit stellen Sie einen Protoypen der so genannten Ncloudbox vor, die klassische Systemtelefone auch mit der virtuellen Telefonanlage von Nfon nutzbar machen soll. Was hat es damit auf sich?

Koppitz: Mit der "Ncloudbox" können Unternehmen die alte Welt mit der neuen Welt verbinden. Das ist insofern wichtig, weil viele Firmen noch Altsysteme bei sich stehen haben und die bislang nötigen Investitionen in neue Telefone scheuen. Abgesehen davon empfinden IT-Leiter geradezu Schmerzen, wenn sie an das Schreckensszenario denken, die Mitarbeiter an neue Endgeräte gewöhnen zu müssen. Mit der Ncloudbox behalten die Angestellten ihre bisherigen Telefone und können diese nutzen wie vorher. Nur für spezielle Cloud-Funktionen wie die Integration von Telefon und Computer sind neue Geräte nötig. Damit ist die Ncloudbox die perfekte Angriffswaffe für das bislang resistente Ökosystem der etablierten Spieler.

mm: Wie groß ist der Markt?

Koppitz: Allein in Deutschland dürften rund zehn bis fünfzehn Millionen Systemtelefone an den Arbeitsplätzen stehen. Die Marktforscher von Gartner schätzen, dass das deutsche Marktvolumen für Telefonanlagen bei rund 3 Milliarden Euro liegt. Durch die Umstellung auf die Cloud dürfte das Marktvolumen zwar zunächst sinken, weil die Kunden heute noch das zwei- bis dreifache zahlen. Gleichzeitig verschwimmen aber die Grenzen für den Cloud-Telefonanlagen-Markt immer mehr, weil die IT-Komponenten bedeutender werden. Für Europa schätze ich das Marktpotenzial auf rund 25 Milliarden Euro.

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