Sonntag, 31. Mai 2020

Cloud-Telefonanlagen "Perfekte Angriffswaffe für das bislang resistente Ökosystem"

Virtuelle Telefonanlagen: Die wichtigsten Anbieter im Vergleich
REUTERS

3. Teil: "Das ist so ein bisschen das Schlachtfeld"

mm: Nfon expandiert derzeit aggressiv in Europa. Im Sommer 2013 haben Sie in Großbritannien eine Niederlassung eröffnet. In den Niederlanden haben Sie jüngst einen Vertriebspartner gefunden (Zetacom). In neun, vor allem südosteuropäischen Ländern sind Sie derzeit vertreten. Bleibt es bei Europa?

Koppitz: Wir bereiten uns gerade für den Marktstart in den beiden größten Wachstumsmärkten in Europa vor, nämlich Polen und die Türkei. Außerdem strecken wir unsere Fühler in Richtung Asien aus und sondieren das Thema USA und Kanada. Darüber hinaus sind wir in relativ konkreten Gesprächen in Südafrika.

mm: Reden wir von Vertriebspartnerschaften oder Niederlassungen vor Ort?

Koppitz: Wo es möglich ist, wollen wir eine Niederlassung gründen. In den Niederlanden haben wir uns allerdings für eine Vertriebspartnerschaft entschieden, weil wir dort mit unserem Partner Zetacom einen Schnellstart hinbekommen haben.

mm: Wie wichtig ist Geschwindigkeit?

Koppitz: Sie ist sehr relevant, weil die Märkte in Europa noch nicht besetzt sind. Das gilt für alle Länder, in denen wir tätig sind. Einen Spieler, der wie wir Cloud-Telefonanlagen für größere Unternehmen und dem öffentlichen Sektor - also für beliebig viele Mitarbeiter - anbietet, gibt es so in Europa nicht.

mm: Die wichtigsten Wettbewerber sitzen in den USA?

Koppitz: Ja, das sind 8x8 und RingCentral, die auch beide schon börsennotiert sind und daher über das Kapital verfügen, den Sprung nach Europa zu wagen. Beide Firmen testen schon jetzt in Großbritannien den Markt. Das ist so ein bisschen das Schlachtfeld, auf dem sich derzeit entscheidet, ob die Amerikaner sich in Europa etablieren.

mm: Die Nfon AG hat zuletzt im April 2013 eine zweistellige Millionenfinanzierung durchlaufen.

Koppitz: Ja. Günther Müller, der Gründer des Telekommunikations- und Sprachanalysedienstleisters ASC hält seither über seine Beteiligungsgesellschaft Milestone Venture Capital ein Viertel der Nfon-Anteile. Er ist damit der sechste Investor. Wir haben uns für ihn entschieden, weil er auch im Aufsichtsrat ein sehr guter Sparringspartner ist und über ein exzellentes weltweites Vertriebspartnernetz verfügt.

mm: Bei so vielen Geldgebern dürfte in absehbarer Zeit ein Exit folgen. Läuft es auf einen Börsengang oder einen Verkauf hinaus?

Koppitz: Ich glaube an das Thema Unabhängigkeit, weil ich es nach vielen Jahren in der Informationstechnik- und Telekommunikations-Industrie für wichtig halte, in dieser Industrie mal wieder einen - wie man so schön sagt - Category- und Technologie-Führer aufzubauen, der aus Deutschland kommt. Und die Nfon AG hat das Potenzial dafür. Der logische Schritt wäre daher, ein IPO anzustreben - vielleicht in zwei, drei Jahren.

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