Mittwoch, 26. Juni 2019

Interne Mail warnte bei Uber vor Problemen beim autonomen Fahren Tod mit Vorwarnung: "Wir sollten nicht alle 15.000 Meilen Dinge rammen"

Inspekteure untersuchen das autonome Unfallfahrzeug von Uber, das eine Fußgängerin rammte
REUTERS/ NTSB
Inspekteure untersuchen das autonome Unfallfahrzeug von Uber, das eine Fußgängerin rammte

Bei dem umstrittenen Milliarden-Start-up Uber sieht es einmal mehr nach eklatanten Managementfehlern aus. Nur fünf Tage vor dem tödlichen Zusammenstoß eines autonom fahrenden Uber-Autos mit einer Fußgängerin schrieb ein Manager des Unternehmens eine Mail voller Warnungen an die Chefs der zuständigen Einheit. Robbie Miller schilderte darin die Probleme mit der Technologie der selbstfahrenden Autos und der Handhabung gefährlicher Vorfälle. Das berichtet das US-Medium "The Information", das die interne Mail aus dem März veröffentlicht hat.

"Nahezu jeden zweiten Tag wurde im Februar ein Wagen beschädigt", so Miller. "Wir sollten nicht alle 15.000 Meilen Dinge rammen." Zu dem Zeitpunkt hatte Uber laut Bericht allein in der Region Phoenix etwa 100 selbstfahrende Autos, die täglich Tausende Meilen zurücklegten.

Laut Miller sorgten das unzureichende Verhalten der Sicherheitsfahrer oder die Software dafür, dass routinemäßig Unfälle mit Schäden verursacht wurden. Er kritisierte, dass selbst Fahrer, denen vermehrt Fehler unterlaufen seien, nicht entlassen worden seien.

Ein weiterer schwerwiegender Vorwurf: Gefährliche Zwischenfälle beim autonomen Fahren seien zum Teil wochenlang nicht untersucht worden. Einige Tage zuvor sei beispielsweise ein autonomes Uber-Auto in der Stadt Pittsburgh ohne Vorwarnung von der Straße auf den Gehweg gefahren und dort noch einige Meter weitergerollt. Das sei ignoriert worden, obwohl Miller mehrfach versucht habe, darauf aufmerksam zu machen. Ein Beinah-Zusammenstoß eines selbstfahrenden Uber-Autos mit einem anderen Wagen in Arizona sei ebenfalls erst Wochen später von Programmierern analysiert worden.

Manager drängte zu Verbesserungen

Miller zeigte Unverständnis, dass die Tests nach solchen Zwischenfällen nicht firmenweit angehalten worden seien. Er drängte die Chefs der Abteilung in seiner Mail, das zu verändern. Auch niederrangige Mitarbeiter wie Fahrer sollten die Möglichkeit haben, die Tests zu stoppen, wenn ihnen die Software unsicher erscheine. Miller riet außerdem, Uber solle seine Flotte der autonomen Fahrzeuge um 85 Prozent verkleinern und wieder zwei statt nur einen Sicherheitsfahrer in die Autos setzen. Die sollten außerdem besser geschult werden.

Der Abbau des Sicherheitspersonals, die Schulungen der Fahrer bei Uber und mangelhafte Software wurden bereits nach dem fatalen Unfall kritisiert. Die jetzt veröffentlichte Mail zeigt erstmals, wie konkret die Informationen über die Probleme mit den selbstfahrenden Wagen waren, die dem Uber-Management schon vor dem Unfall vorlagen. Millers Mail ging an den Leiter der autonomen Fahrabteilung Eric Meyhofer, an den Vice President Software Jon Thomason sowie fünf weitere Manager und Anwälte. Bisher hat Uber-CEO Dara Khosrowshahi an ihnen festgehalten.

Uber hüllt sich in Schweigen

Ungünstiger könnte die Enthüllung kaum kommen: Erst am Wochenende wurden ambitionierte Pläne für einen Börsengang von Uber bekannt. Auf manager-magazin.de-Nachfrage zu dem Bericht schickte Uber dasselbe Statement, das auch gegenüber "The Information" abgegeben wurde: Die Mail selbst kommentiere man nicht. Und: "Im Moment konzentriert sich das gesamte Team darauf, den Selbstfahrmodus sicher und verantwortungsbewusst auf die Straße zurückzubringen." Man sei dabei, weitere Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren und werde erst wieder Tests mit selbstfahrenden Autos starten, wenn die Verbesserungen umgesetzt seien und Uber die Genehmigung der Transportbehörde in Pennsylvania erhalten habe.

Nach dem Unfall, der laut Polizeiuntersuchung hätte verhindert werden können, wenn die Fahrerin des Uber-Autos auf die Straße statt auf ihr Handy geschaut hätte, hatte Uber seine Testfahrten komplett gestoppt. Im manuellen Modus sind Fahrer mit den Autos bereits seit dem Sommer wieder auf den Straßen unterwegs.

Über die Vorgänge in der Abteilung für autonomes Fahren hüllt sich Uber seit dem Unfall in Schweigen. Nach außen hieß es lediglich, man setze eine Untersuchung zu den Sicherheitsvorkehrungen auf. Sieben Monate nach dem Unfall präsentierte Uber dann im November die Ergebnisse. So sollen Fahrer zum Beispiel maximal vier Stunden hinter dem Steuer sitzen dürfen und Messungen der Fahreigenschaften sollen ausgebaut werden. Auch soll ein System eingerichtet werden, bei dem anonym Sicherheitsbedenken eingereicht werden können. Helfen kann das allerdings nur, wenn Uber-Manager die Warnungen ernster nehmen, als sie es bei Robbie Miller taten.

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