Kriterien für innovative Unternehmen Kontrollierte Fehlschläge gehören dazu

Von Thomas Brand
Von Thomas Brand
So richtig zufrieden kann Apple CEO Tim Cook mit dem Erfolg der Apple Watch nicht sein. Inzwischen mehren sich die Zeichen, dass die jüngste Apple-Innovation floppt

So richtig zufrieden kann Apple CEO Tim Cook mit dem Erfolg der Apple Watch nicht sein. Inzwischen mehren sich die Zeichen, dass die jüngste Apple-Innovation floppt

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Die USA gelten als globaler Taktgeber für bahnbrechende Innovationen in Firmen. Wenn Apple, Facebook, Google und Amazon neue Produkte oder Anwendungen ankündigen, sorgt das für Schlagzeilen. Das liegt allerdings eher an der filmreif inszenierten Dramaturgie dieser Events, die einen Medienhype erzeugen, als an der Innovation selbst. Jüngstes Beispiel: Die Apple Watch wurde bei der Vorstellung groß gefeiert, um inzwischen als Synonym für Misserfolg zu dienen, weil beispielsweise die Batterie viel zu schnell schlapp macht.

Warum scheitern solche Innovationen? PA Consulting Group hat dazu 750 Führungskräfte in 15 Ländern und neun Branchen befragt. Die Studie zeigt Innovationskiller und was konkret zu tun ist, um weniger Geld für misslungene Innovationen zu verbrennen.

Ergebnis: Das Problem fängt schon bei der unterschiedlichen Definition von Innovation an; mehr als die Hälfte der Befragten verbindet mit dem Begriff unterschiedliche Dinge, vor allem in den USA und in Deutschland ist dieser Wert sehr hoch (63 Prozent beziehungsweise 64 Prozent). Doch ohne einheitliches Verständnis lässt sich kein übereinstimmendes Innovationsziel erreichen. Weitere vier Punkte sind die größten Handicaps, warum Innovationen in Firmen weltweit scheitern:

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Apple Watch: Die besten und schlechtesten Apps

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1. Risikoangst: Fast drei von fünf Organisationen (58 Prozent) geben an, potenziell erfolgreiche, jedoch risikoreiche Innovationen nicht zu unterstützen. Erstaunlich: Fast die Hälfte der Führungskräfte (47 Prozent) will gar keine Vorreiterrolle für Innovationen übernehmen.

2. Messen des Erfolgs: Nur die Hälfte der Unternehmen versucht überhaupt, die Rendite von Innovationsprojekten zu prognostizieren. Für ein Viertel der Befragten ist die schwierige Messung des ROI das größte Hindernis.

3. Geldmangel: Als größten Innovations-Killer nennen die Befragten das Fehlen von Budget, Mitarbeitern und Kompetenzen.

4. Skalierbarkeit und Umsetzung: Viele Unternehmen haben Probleme, ihre besten Ideen zeitnah zu entwickeln und zu kommerzialisieren. In einigen Ländern wird zwar viel über Innovationen geredet, aber nichts getan. Den Spitzenwert hält hier Großbritannien (62 Prozent), die USA liegen im Mittelfeld (46 Prozent), in Deutschland zählen dagegen Taten statt Reden (35 Prozent).

Solche kulturellen Unterschiede zwischen Ländern zeigen sich auch bei der Herangehensweise. In Deutschland werden kleine Innovationsschritte den bahnbrechenden Neuerungen vorgezogen. Zugleich zeigen sich Unternehmen hierzulande selbstbewusst: acht von zehn (mehr als in jedem anderen Land der Studie) reklamieren die richtigen Kompetenzen, um Ideen zu generieren und zu realisieren; nur 35 Prozent der Befragten haben brillante Ideen scheitern sehen, während auch 47 Prozent von Innovationen als kostspieligen Fehlschlägen berichten. 56 Prozent erstreben eine Vorreiterrolle; doch dieses Ziel wollen sie mit kontinuierlicher Verbesserung statt mit radikaler Veränderung erreichen, so 76 Prozent der Befragten in Deutschland - der Weg zur Elektromobilität ist dafür ein gutes Beispiel.

Innovationen erfordern eine aktive und selbstbewusste Führung

Das Rezept für erfolgreiche Innovationen ist gar nicht so kompliziert - Unternehmen müssen sich auf fünf Schwerpunkte konzentrieren:

1. Innovationen lassen sich in drei Kategorien einteilen: Geschäftsmodell-Innovationen, Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen sowie kontinuierliche Verbesserung der Prozesse und Systeme - für jeden Bereich sind Investitionsaufwand, Management und Messgrößen individuell festzulegen.

2. Unternehmen müssen sich fragen, ob sie das richtige Geschäftsmodell besitzen, und sicherstellen, das gewählte Modell mit den richtigen Prozessen, Systemen und Mitarbeitern zu unterstützen, damit sie Innovationsziele erreichen und erfolgreich umsetzen können.

3. Innovationen erfordern eine aktive und selbstbewusste Führung. Um dies zu erreichen, brauchen Unternehmen Ideenbringer und ein Führungsteam mit praktischen Erfahrungen für die Erkennung, Entwicklung und unternehmensweite Kommerzialisierung von Ideen.

4. Innovation ist eine Energie, die in die richtigen Bahnen gelenkt werden muss. Unternehmen müssen von Innovationen besessen sein und eine Unternehmenskultur einführen, die Wissensaustausch und Kooperation zur Norm macht und neue Denkweisen belohnt. 'Open innovation' ist für 60 Prozent der Unternehmen in Deutschland die wichtigste Strategie und 26 Prozent honorieren Mitarbeiter für Innovationen - hier ist Deutschland führend im Ländervergleich, und Google liefert ein gutes internationales Unternehmensbeispiel.

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5. Zur Innovation gehören Experimente. Erfolgreiche Innovatoren investieren auch in Ideen, die es mitunter nicht schaffen werden, und legen zudem klare Parameter für Fehlschläge fest. Erfolgreiche Innovatoren analysieren Kosten und Unsicherheiten genau und entwickeln ihre Prozesse so, dass Ideen getestet und umgesetzt werden können. "Kontrollierte Fehlschläge" sollten als Bestandteil der Innovation akzeptiert werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Innovationen müssen einen zentralen Platz im Bewusstsein einer Organisation einnehmen. Das bedeutet für die meisten Unternehmen, alte Arbeitsweisen zu überdenken sowie erfolgreiche Ideen zeitnah umzusetzen und zur Verbesserung zu nutzen - zum Beispiel um für Deutschland den notwendigen Technologiesprung zu mehr Elektromobilität doch noch zu schaffen.

Thomas Brand ist Innovationsexperte bei PA Consulting Group. Zur im Text erwähnten Studie "Innovation as unusual" : Die Befragten kommen aus dem privaten Sektor in den Branchen Energiewirtschaft, Finanzdienstleistungen, Transport und Logistik, Fertigung und Konsumgüter, Verteidigung, Biowissenschaft, Gesundheitswesen, IT und Technologie sowie aus dem öffentlichen Sektor. Der Ländervergleich umfasst Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Mexiko, Niederlande, Norwegen, Schweden, USA und die Golfregion.