Montag, 14. Oktober 2019

Infineon vor turbulenter Hauptversammlung Aktionäre opponieren gegen künftigen Chefaufseher Eder

Wolfgang Eder: Der Voestalpine-Chef soll Chefaufseher bei Infineon werden. Doch dagegen regt sich Widerstand

2. Teil: Warum Mayrhuber und Ploss auf Eder setzen

Vorteil aus Sicht von Mayrhuber und Infineon-Chef Reinhard Ploss, die Eder offensichtlich unbedingt durchsetzen wollen: Eine Nichtentlastung auf einer späteren Hauptversammlung wäre zwar unschön, hätte aber keine direkten Folgen. Anders ausgedrückt: Erhielte Eder nächste Woche mehr Nein-, als Ja-Stimmen, würde das Mayrhubers und Ploss' Plan durchkreuzen. Eine Nichtentlastung ein Jahr später täte dies nicht.

Sollte der Dax-Konzern wirklich seine eigenen Anleger so austricksen wollen? Ausschließen lässt sich das nach aktuellem Informationsstand nicht.

Weder Eder noch Infineon Börsen-Chart zeigen haben bisher mitgeteilt, ob Eder vor dem Wechsel auf den Infineon-Aufsichtsratsvorsitz bei Voestalpine aufhören wird. Ein Infineon-Sprecher wollte sich hierzu auch am Freitag nicht äußern. Eders Vertrag bei Voestalpine läuft im März 2019 aus. Sollte er ihn nur erfüllen, stünde seinem Aufstieg bei Infineon nach der Hauptversammlung 2019 nichts im Wege. Die österreichische Presse berichtete zuletzt allerdings, dass Eder bei Voestalpine noch um einige Jahre verlängern wolle.

"Wir wollen keine Übergangslösung"

Dass es auch am vorübergehenden Aufstieg des promovierten Juristen Sünner Zweifel gibt, macht die ganze Situation nicht besser. "Wir wollen keine Übergangslösung", sagte Speich. Sünner muss den Vorsitz spätestens Anfang 2020 abgeben, da dann seine Wahlperiode abläuft und er aus Altersgründen nicht wiedergewählt werden kann.

Sünners Wahl zum Chefaufseher verstößt zudem gegen die Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex. Sünner steht bereits dem Prüfungsausschuss vor; laut Kodex sollten diese beiden Ämter jedoch nicht von ein und derselben Person ausgeübt werden. Eine Lösung wäre theoretisch, dass Sünner den Vorsitz des Prüfungsausschusses abgibt - doch auch dazu äußert sich Infineon nicht. Dies sei Sache des Aufsichtsrats, so ein Infineon-Sprecher.

In diesem Gemurkse wäre in der Tat Peter Bauer die einfachste und klarste Wahl gewesen: Der Münchener hat bisher erst einen Aufsichtsratsvorsitz - beim Lichthersteller Osram - und wäre als Ex-Chef des Halbleiterherstellers so etwas wie der natürliche Kandidat.

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