Samstag, 25. Mai 2019

Chiphersteller kauft zu Infineon Aktie bricht ein

Infineon: Umsatzplus von 9 Prozent avisiert

Der Chiphersteller traut sich im neuen Geschäftsjahr angesichts des brummenden Geschäfts mit der Autoindustrie ein stärkeres Wachstum zu. Der Chipkonzern stellte für 2018/19 (per Ende September) ein Umsatzplus von 9 bis 13 Prozent in Aussicht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz von Infineon um 8 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro und übertraf damit sowohl die eigenen Ziele als auch die Erwartungen der von Reuters befragten Analysten. "Wir starten mit gut gefüllten Auftragsbüchern ins Geschäftsjahr 2019 und wollen weiterhin überdurchschnittlich wachsen", sagte Vorstandschef Reinhard Ploss am Montag in Neubiberg bei München. Für das erste Quartal geht er saisonal bedingt aber von einem Umsatzrückgang von rund 4 Prozent gegenüber dem vierten Quartal aus.

Nach anfänglichen Kursgewinnen sind die Aktien von Infineon Börsen-Chart zeigen am Montag dennoch klar ins Minus gedreht. Nach einem Zugewinn von in der Spitze 4,5 Prozent zum Handelsbeginn brachen sie um rund 5 Prozent ein. Analysten werteten die Quartalszahlen und auch den Ausblick des Chip-Herstellers im Grundsatz positiv, fanden aber im Detail auch Schwachstellen. So sei die Profitabilität im wichtigen Automobilgeschäft erneut den Erwartungen hinterher gehinkt, schrieb Günther Hollfelder von der Baader Bank.

Aktie bricht nach gutem Auftakt ein

Am Montag teilte Infineon Börsen-Chart zeigen außerdem mit, dass man den Siliziumkarbid-Spezialisten Siltectra für 124 Millionen Euro kaufen werde. Siltectra habe ein neues Verfahren zum Bearbeiten von Kristallen entwickelt, welches Infineon zum Splitten von Siliziumkarbid-Wafern einsetzen will. Dadurch könne die Anzahl der Chips aus einem Wafer verdoppelt werden. Dies soll Infineon beim Hochfahren seiner Siliziumkarbid-Produkte zu Gute kommen.

Dabei hat der Konzern insbesondere den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie die Automobilindustrie im Blick. In den Antriebssträngen von Elektrofahrzeugen kämen zunehmend Siliziumkarbid-Produkte zum Einsatz, hieß es. Siltectra will nun an der Einführung einer Serienfertigung arbeiten.

Rückstellungen für Qimonda erhöht

Im Geschäft mit der Autoindustrie werde das Wachstum 2018/19 deutlich über dem Konzerndurchschnitt liegen. Mit Halbleitern für Chipkarten und andere Sicherheitsanwendungen erwartet die frühere Siemens-Tochter dagegen einen Umsatzrückgang um etwa 5 Prozent.

Die operative Umsatzrendite, die Infineon am Segmentergebnis misst, lag 2017/18 mit 17,8 Prozent ebenfalls über der Zielmarke von 17,5 Prozent, im vierten Quartal sogar bei 19,5 Prozent. Im neuen Geschäftsjahr soll sie rund 18 Prozent erreichen, im ersten Quartal wäre Infineon schon mit 17,5 Prozent zufrieden.

Unterdessen wird Infineon von einer Altlast eingeholt. Der Insolvenzverwalter der ehemaligen Speicherchip-Tochter Qimonda, Michael Jaffe, hatte das Unternehmen schon vor Jahren verklagt. Er wirft Infineon vor, das Speichergeschäft zu überhöhten Preisen in die 2006 ausgegliederte Tochter eingebracht zu haben. Anfang 2009 ging Qimonda in die Insolvenz.

Infineon hatte das stets bestritten und nur für die Prozesskosten Rückstellungen gebildet. Nach dem Gutachten eines Sachverständigen wurden die Rückstellungen nun erhöht. Das drückte den Überschuss im vierten Quartal auf 141 (Vorquartal: 271) Millionen Euro. Im Gesamtjahr lag er mit 1,08 Milliarden Euro aber 36 Prozent über Vorjahr. Die Dividende soll auf 27 (Vorjahr: 25) Cent je Aktie angehoben werden.

la/rtr, dpa-afx

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