Sonntag, 15. September 2019

Icahn gegen Andreessen "Er hat mehr Leute betrogen als Casanova!"

Dicke Luft: Der Streit zwischen den Investoren Carl Icahn (links) und Marc Andreessen geht in die nächste Runde
Fotos: Corbis; Getty Images
Dicke Luft: Der Streit zwischen den Investoren Carl Icahn (links) und Marc Andreessen geht in die nächste Runde

Nächste Runde im Schlagabtausch der Milliardäre: In Interviews teilen Marc Andreessen und Carl Icahn kräftig gegeneinander aus. Die beiden Star-Investoren sind sich schon länger nicht grün - Icahn hat sich wegen eines Deals mit Geschmäckle auf Andreessen eingeschossen.

Hamburg - Das Medieninteresse an seinem offenen Brief an Apple-Chef Tim Cook hat Star-Investor Carl Icahn für einen neuen Schlag gegen Intimfeind Marc Andreessen genutzt. Kurz nach Veröffentlichung des Papiers teilte er kräftig gegen seinen Milliardärskollegen aus: "Er hat mehr Leute betrogen als Casanova, Herrgott nochmal!", sagte Icahn in einem Telefoninterview mit dem US-Fernsehsender CNBC. Andreessen hatte ihn zuvor auf demselben Kanal in Anspielung auf eine Star-Trek-Episode als "bösen Captain Kirk" bezeichnet.

Dicke Luft herrscht zwischen den Investment-Promis schon länger: Anfang März hatte Icahn dem Ebay-Aufsichtsrat Andreessen einen Interessenkonflikt vorgeworfen und in einem seiner berühmt-berüchtigten offenen Briefe dessen Loyalität zum Online-Auktionshaus angezweifelt.

Hintergrund des Zwists ist Microsofts Übernahme der ehemaligen Ebay-Tochter Skype im Jahr 2011. Ebay hatte Skype bereits 2009 abgestoßen - einige Investoren, darunter auch Ebay-Aufsichtsrat Marc Andreessen, hatten damals 70 Prozent der Anteile an dem Internet-Telefonieanbieter übernommen. 18 Monate später gab dann Microsoft 8,5 Milliarden Dollar für das Unternehmen aus.

"Sein innerer Sechsjähriger kommt ans Licht"

Das Interesse des PC-Pioniers an Skype sei bereits zum Zeitpunkt des ersten Verkaufs 2009 absehbar gewesen, glaubt Carl Icahn. Aufsichtsrat Andreessen habe seine Ebay-Aktionäre deshalb um etwa vier Milliarden Dollar gebracht - diesen Gewinn hatte der Skype-Deal der Investorengruppe beschert. Icahns Vorwurf: Anstatt sich selbst die Taschen zu füllen, hätte Andreessen Ebay lieber zu einem direkten Verkauf an Microsoft raten sollen.

Der Beschuldigte sah das natürlich anders: Andreessen sprach damals von einer "gefälschten Verschwörungstheorie", die "komplett aus der Luft gegriffen" sei, und bestritt alle Vorwürfe kategorisch. Seitdem beharken sich die beiden regelmäßig. In seiner neuesten Salve vom "bösen Captain Kirk" bezichtigte Andreessen Icahn zudem der Lüge. Er erfinde Geschichten, um andere zu verleumden: "Es wirkt, als komme sein innerer Sechsjähriger ans Licht."

Faktisch hatte Icahn zuletzt allerdings die Oberhand: Nachdem sich Ebay und Andreessen lange gegen die von ihm geforderte Abspaltung des Online-Bezahldienstes PayPal gewehrt hatte, hat Ebay jüngst den Börsengang der erfolgreichen Tochter angekündigt.

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