Dienstag, 25. Februar 2020

London segnet Mitwirkung bei 5-G-Netzaufbau ab Boris Johnson lässt Huawei ins Land

 "Erlaubnis, den Fuchs in den Hühnerstall zu lassen": Die Regierung von Premier Boris Johnson (Bild) erntet für die Entscheidung, Huawei am Aufbau des britischen 5-G-Netzes zu beteiligen, durchaus erhebliche Kritik.
Lisi Niesner/ REUTERS
"Erlaubnis, den Fuchs in den Hühnerstall zu lassen": Die Regierung von Premier Boris Johnson (Bild) erntet für die Entscheidung, Huawei am Aufbau des britischen 5-G-Netzes zu beteiligen, durchaus erhebliche Kritik.

Die Bundesregierung hat über eine mögliche Beteiligung des chinesischen Netzwerkausrüsters Huawei am Aufbau eines 5-G-Netzes in Deutschland noch nicht entschieden. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sprach sich jetzt explizit dagegen aus. In Großbritannien dagegen ist Huawei willkommen:

Der chinesische Telekomriese darf sich unter Einschränkungen am Ausbau der superschnellen 5G-Mobilfunknetze auf der Insel beteiligen. Anbieter, die als risikobehaftet gelten, sollen lediglich von Kernbereichen des Netzes ausgeschlossen werden, teilte die Regierung am Dienstag mit. Damit wäre der Weg für die Verwendung von Huawei-Technik zumindest in Teilen der Infrastruktur frei. Von der Entscheidung profitiert auch der chinesische Huawei-Wettbewerber ZTE.

Mit der Entscheidung dürfte Premier Boris Johnson Ärger bei US-Präsident Donald Trump auslösen, der dem größten Netzwerkausrüster und zweitgrößten Smartphone-Hersteller der Welt Spionage vorwirft. Die Vereinigten Staaten haben ihre Verbündeten aufgefordert, nicht mit dem Unternehmen zusammenzuarbeiten. Der chinesische Netzwerkausrüster wies die Spionagevorwürfe stets zurück.

Huawei begrüßte die britische Entscheidung. Sie werde dem Land eine fortschrittlichere, sicherere und kostengünstigere Telekom-Infrastruktur bringen, erklärte Top-Manager Victor Zhang.

5G soll dank extrem schneller Reaktionszeit eine Kommunikation praktisch in Echtzeit ermöglichen. Das gilt als wichtige Voraussetzung zur Fernsteuerung von Industrieanlagen oder Roboterautos.

Geplantes Handelsabkommen mit USA könnte jetzt komplizierter werden

Zugleich steckt in 5G-Netzen viel mehr Computertechnik auch in Infrastruktur wie Antennen drin, was sie anfälliger für Spionage und Sabotage machen kann. Einige Experten warnen deshalb auch, dass in der 5G-Infrastruktur die Grenze zwischen einem besonders schützenswerten Kernnetz und weniger gefährdeten Randbereichen verschwimmt.

Großbritannien hofft auf ein lukratives Handelsabkommen mit den USA nach dem Austritt aus der Europäischen Union. Der Streit um Huawei könnte die Verhandlungen im Vorfeld erheblich belasten.

Eine mögliche Beteiligung des Unternehmens in Großbritannien war unter anderem auch in Johnsons Konservativer Partei auf Widerstand gestoßen. So hatte der Parlamentarier Tom Tugendhat gewarnt, eine Beteiligung des Konzerns wäre vergleichbar mit "der Erlaubnis, den Fuchs in den Hühnerstall zu lassen". Auch in Deutschland wird seit Monaten darüber diskutiert, ob Huawei vom 5G-Ausbau in Deutschland ausgeschlossen werden soll. Am Mittwoch will die EU-Kommission Sicherheitsempfehlungen für die Mitgliedsländer vorstellen.

rei/dpa

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