Montag, 9. Dezember 2019

Huawei, Google und die Folgen Wie Donald Trump das Silicon Valley demontiert

Donald Trump (r.) mit Größen aus dem Silicon Valley im Jahr 2016: Amazon-Chef Jeff Bezos, Alphabet-Chef Larry Page, Facebook-Vorstand Sheryl Sandberg und Vize-Präsident Mike Pence (von links)

2. Teil: Warum Huawei? Weil die Chinesen besser sind!

Meine erste Berührung mit Huawei fand 2012 statt. Mit einem der großen deutschen Telekommunikationsanbieter führten wir ein mehrmonatiges Innovationsprojekt durch. Dabei fiel mir irgendwann auf, wie häufig der Name dieses Unternehmens fiel, von dem ich vorher nur am Rande etwas mitbekommen hatte: Huawei.

Huawei-Technologie sorgt heute zu einem Großteil dafür, dass das deutsche LTE-Netz läuft. Im Laufe mehrere Monate habe ich den Technologieverantwortlichen - vom Leiter des Entwicklungszentrums bis zum Techniker an der Sende- und Empfangsanlage - immer wieder dieselbe Frage gestellt: Warum Huawei Technologie? Warum werden die Netzwerke nicht ausschließlich mit Ausrüstung von Nokia Siemens Networks (später umfirmiert in Nokia Networks) aufgebaut? Die Antwort war jedes Mal Gelächter. "Weil die Chinesen besser sind."

Vor wenigen Wochen habe ich eine Keynote bei Huawei Enterprise Deutschland gehalten. Und im Laufe der Veranstaltung mit vielen deutschen Partnern des Unternehmens gesprochen. Um es kurz zu machen: Huawei ist - speziell wenn es um den Ausbau der Mobilfunknetze geht - technologisch inzwischen meilenweit voraus. Dieser Vorsprung ist so groß, dass US-Präsident Trump seinen Huawei-Bann nach nur einen Tag schon wieder gelockert hat. Auch Google kann - nachdem das Unternehmen die Zusammenarbeit mit Huawei bereits ausgesetzt hatte - weiterhin Updates für Smartphones des chinesischen Herstellers liefern. Zumindest für 90 Tage.

Dem Silicon Valley droht technologischer Rückstand

Trumps Problem: Das alte Klischee vom kopierenden Chinesen, der die technologischen Errungenschaften des Westens einfach klaut, trifft für Huawei nicht zu. Natürlich können die USA und Europa gemeinsam beschließen, das Unternehmen vom Aufbau der Mobilfunknetze auszuschließen. Konsequenterweise würde das bedeuten, die bestehenden gleich mit abzuschalten.

Selbstverständlich kann der Aufbau eines 5G-Mobilfunknetzes auch mithilfe von Unternehmen erfolgen, die technologisch hinterherhinken und deren Innovationsfähigkeit geringer ist. Doch die Konsequenzen wären verheerend: Das Silicon Valley, der Innovationstreiber der Digitalisierung, geriete technologisch in Rückstand. Zwar soll 5G in der Silicon-Valley-Metropole San Jose demnächst starten. Doch zum wirklichen Ausbau des Netzes gehört mehr als der Betrieb einiger Sende- und Empfangsstationen in einer Metropole.

In meinem neuen Buch "Digitale Gewinner", das in wenigen Tagen erscheint, beschreibe ich die Anwendungsfälle dieser neuen Technologie. Da in Zukunft praktisch alle Anwendungen des mobilen Internets - vom selbstfahrenden Auto bis zum ferngesteuerten Kran - auf 5G beruhen werden, würden sich die Entwickler einfach andere Standorte suchen. Südkorea zum Beispiel. Der Wettbewerb zwischen den USA und Südkorea ist inzwischen so groß, dass zwischen den beiden Nationen Streit ausgebrochen ist. Südkorea sagt, dass es das weltweit erste Land gewesen sei, das am 3. April 2019 um exakt 23 Uhr Ortszeit 5G in Betrieb nahm. Der US-Anbieter Verizon nahm sein Netz in Chicago und Minneapolis am selben Tag in Betrieb - allerdings einige Stunden später. Verizon beschuldigte anschließend die Südkoreaner, die Inbetriebnahme sei nur ein "Stunt" gewesen.

Warum erzähle ich diese Technologieposse? Weil es weit reichende Folgen hätte, wenn Trump im Streit um die mobile Zukunftstechnologie die Handbremse anzieht. Der asiatische Teil der Welt würde sich mit Huawei-Technologie wahrscheinlich deutlich schneller entwickeln als der europäische und der amerikanische.

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