Donnerstag, 22. August 2019

Chinas gefährliche Dominanz bei 5G Warum es naiv ist Huawei zu vertrauen

5G-Riese Huawei aus China: Die Überwachung der Bevölkerung ist das Ziel - Deutschland und die EU müssen bei 5G eigene Wege gehen
Dado Ruvic / REUTERS
5G-Riese Huawei aus China: Die Überwachung der Bevölkerung ist das Ziel - Deutschland und die EU müssen bei 5G eigene Wege gehen

Wer Chinas westliche Provinz Xinjiang besucht, registriert nicht nur die hinlänglich bekannten Überwachungskameras an jeder Ecke. Auch die martialisch mit Speer und Schild bewaffneten Polizisten, die laufend Personenkontrollen und Befragungen durchführen, sind auffällig - und Furcht einflößend. Ob im Bus oder im Hotel: Überall werden Fotos gemacht und Dokumente analysiert.

Auch ich stand kürzlich stundenlang am Grenzübergang in Irkeshtam und musste unterschiedlichste Kontrollen und Fotoshootings über mich ergehen lassen. Zudem werden an der Grenze Smartphones eingesammelt und die gespeicherten Dateien analysiert, bevor die Geräte - mit Trojanern versehen - an den Eigentümer zurückgegeben werden. Auch wenn man weiß, dass sowas in China seit Langem üblich ist und man deshalb allenfalls ein neutrales Billighandy ohne Kontaktdaten mitnimmt, bekommt man einen Eindruck davon, wie China mit Menschen umgeht. (Fairerweise muss ich darauf hinweisen, dass mein Handy bei der Kontrolle nicht eingesammelt wurde.)

Was aber hat das alles mit 5G zu tun? Eine ganze Menge. Und wenn sich dieser Zusammenhang nicht unmittelbar erschließt, zeigt das nur, wie unbedarft wir in Deutschland und Europa mit dem Thema digitale Kommunikation umgehen.

Lesen Sie auch: Huawei - aus dem Innern einer unheimlichen Firma

Das Ziel von 5G: Die Echtzeitüberwachung der Bevölkerung

Christian Scholz
  • Copyright: Christian Scholz
    Christian Scholz
    Christian Scholz ist Experte für Personalwirtschaft und war bis 2018 Professor an der Universität des Saarlandes. Sein Schwerpunkt ist die Erforschung der Arbeitswelt, 2003 entstand die Trendstudie "Spieler ohne Stammplatzgarantie", 2014 das Nachfolgebuch zur Generation Z. Der Titel seines aktuellen Buches lautet "Mogelpackung Work-Life-Blending: Warum dieses Arbeitsmodell gefährlich ist und welchen Gegenentwurf wir brauchen¿.

Wenn das chinesische Fernsehen über 5G als neuen Mobilfunkstandard spricht, zeigt es als Anwendungsfall gerne die Gesichtserkennung von Menschen. Genau an dieser Stelle wird es nämlich für China und sein autoritäres Regime interessant: Bisher funktionieren die Überwachungsmechanismen im Land zum Teil zeitverzögert und nicht immer perfekt. Das aber soll sich nach Ansicht der chinesischen Führung dringend ändern. Die Echtzeitüberwachung der Bevölkerung soll ein neues Zeitalter einläuten - mit allem, was dazu gehört.

Während bei uns in Deutschland alle über selbst fahrende Autos, neuartige Medizintechnik und sprechende Heimelektronik reden, steht für China die totale Überwachung von Menschen im Vordergrund. So machte der chinesische Präsident vor Kurzem klar, wo für ihn die politische Priorität der Zukunft liegt: nämlich im Kampf gegen die "bösen Kräfte" des Terrorismus, Extremismus und Separatismus.

Wie ernst es China bei diesem Thema ist, sieht man in Xinjiang: Menschenrechtsorganisationen sprechen von unmenschlichen Bedingungen, unter denen rund eine Million Uiguren in Umerziehungslagern leben. Chinesische Medien loben Xinjiang als Modell für den erfolgreichen Schutz von Menschenrechten.

Geld spielt keine Rolle

Egal ob zur Unterdrückung der Opposition in Hongkong, zur Kontrolle diverser Minderheiten oder zum Aufbau systematischer Kontrollen entlang der neuen Seidenstraße: 5G bietet China unbegrenzte Möglichkeit zur flächendeckenden Echtzeitüberwachung von Menschen. Deshalb spielt Geld keine Rolle: Chinesischen Firmen stehen unbegrenzte staatliche Mittel zum Ausbau von 5G-Technolgie zu Verfügung.

Gemäß dieser Logik ist auch klar, dass aus Sicherheitsgründen in China nahezu ausschließlich chinesische Firmen an 5G arbeiten dürfen. Das überrascht niemanden, schließlich sind in China bekanntlich westliche Onlinedienste wie Google, Twitter, Facebook oder WhatsApp verboten und durch chinesische Programme mit diskutablen Datenschutzstandards ersetzt. Das macht China zur größten Internetzensur-Agentur der Welt.

Trojanisches Technologiepferd

Deshalb ist es geradezu rührend, mit welch naivem Glauben deutsche Politiker Huawei als Lieferanten für Bauteile unseres nationalen 5G-Netzes tolerieren. Als ginge es bei 5G primär um irgendwelche kleinen Schalter, die man durch einen Stempel für zulässig und sicher erklären könnte. Und wenn Huawei dann auch noch der billigste Anbieter ist, warum sollte man dann nicht auf ihn zurückgreifen?

Im Ernst? Nur wer wie die chinesische Regierung glaubt, dass man durch Internierungslager und totale Überwachung die Menschenrechte sichert, kann chinesische 5G-Technologie für sicher halten. Warum soll ein Land wie China, das Trojaner auf Smartphones aufspielt, nicht das und noch vieles mehr auch mit unseren 5G-Netzen tun? Dass sich hier globale Überwachungs-, Spionage- und Erpressungsmöglichkeiten ergeben, liegt auf der Hand.

Besonders makaber ist dabei, dass manch anderer Staat mit zweifelhafter Rechtsordnung den von China gepriesenen "Sicherheitsaspekt" bei 5G-basierten Überwachungssystemen im Kampf gegen Terrorismus, Extremismus und Separatismus sehr zu schätzen wissen dürfte. Und was ebenfalls nicht vergessen werden darf: Alle chinesischen IT-Unternehmen sind der chinesischen Führung gegenüber weisungsgebunden und müssen nach Artikel 7 des chinesischen Geheimdienstgesetzes den chinesischen Staat vollständig unterstützen. Dies gilt für Huawei ebenso wie für Tencent und andere Unternehmen.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung