Sonntag, 21. Juli 2019

Chinesischer Apple-Rivale Huawei bestraft Mitarbeiter für Tweet von iPhone

Verkäuferin in einem Huawei-Laden in China (Archiv)

Huawei steht vor dem nächsten PR-Desaster: Zwei Mitarbeiter sind für einen Neujahrsgruß auf dem Twitter-Account des Handyherstellers degradiert worden - weil sie für die Umgehung der Zensur ein iPhone nutzten.

Es ist ja nicht so, als hätte der chinesische Technologie-Konzern Huawei (Aussprache: Wah-wei) nicht schon Probleme genug: Die USA werfen der Firma, deren Smartphones der P-Serie unter anderem Apple Börsen-Chart zeigen Konkurrenz machen, Spionage vor. Im Dezember dann setzten kanadische Behörden die Finanzchefin des Unternehmens fest, auf Drängen der US-Behörden.

Hinzu kommt ein PR-Desaster: Am Neujahrstag war auf dem offiziellen Twitteraccount des Unternehmens ein kurzer Neujahrsgruß des Social-Media-Teams von Huawei zu lesen ("Happy #2019"). Pikant war der Hinweis, der direkt unter der Nachricht automatisch eingeblendet wurde: "via Twitter for iPhone". Er wurde also über ein Smartphone des großen Konkurrenten Apple verschickt.

Der Umgang von Huawei mit dem Fauxpas wiederum hat das Potenzial zum nächsten PR-Desaster für das Unternehmen, dass im Westen Fuß fassen will und auf Großaufträge zum Aufbau der Infrastruktur für die neuen 5G-Netze im Westen buhlt. Huawei leitete wegen der Lappalie eine interne Untersuchung ein. In einem internen Memo, dass der englischsprachige Dienst der Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte, poltert Kommunikationschefin und Huawei-Vorstandsmitglied Chen Lifang, der "Zwischenfall" habe "Schaden an der Marke Huawei angerichtet".

Nicht die erste Panne mit einem iPhone

Der Untersuchung zufolge sei das Problem entstanden, weil der offenbar für Huawei tätige Social-Media-Dienstleister Sapient "VPN-Probleme" beim Zugang zu Twitter von einem festinstallierten Computer gehabt habe, heißt es in dem internen Bericht. Hintergrund ist die Tatsache, dass China den Zugang zu Twitter ebenso wie Facebook und Google blockiert. Social-Media-Mitarbeiter benötigen also ein sogenanntes "Virtual Private Network" (VPN) um die Sperre zu umgehen. Weil das mit dem Computer nicht möglich war seien die Mitarbeiter auf ein iPhone ausgewichen, um die Nachricht pünktlich zu Mitternacht zu verschicken.

Für zwei offenbar zuständige Mitarbeiter hat der Vorgang drastische Folgen: Sie wurden degradiert. Der Schritt wird begleitet mit Einkommenskürzungen in Höhe von 5000 Yuan im Monat, das sind umgerechnet etwa 730 Dollar.

Es ist nicht die erste Panne, bei der ein Apple-Produkt eine Rolle spielt: Im vergangenen Jahr machte sich beispielsweise der Chefredakteur der stramm regimetreuen Zeitung "Global Times" für die chinesischen Konzerne Huawei und ZTE stark - und benutzte dafür sein iPhone.

beb/Reuters

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