Hidden Tech-Champions Deutschlands digitale Durchstarter

Der Mittelstand bekommt Zuwachs. Reihenweise entstehen Unternehmen mit digitalem Geschäftsmodell. Manager Magazin hat die rasant wachsende Gemeinde untersucht - und stellt hier einige der Hidden Tech-Champions vor.

Digital-Deutschland ist deutlich besser als sein Ruf. In der März-Ausgabe stellt das manager magazin Deutschlands 50 Hidden Tech-Champions vor, hier eine kleine Kostprobe.

Michael Altendorf, CEO and Mitgründer von Adtelligence

Michael Altendorf, CEO and Mitgründer von Adtelligence

Foto: Adtelligence

Eine ganz auf den Nutzer zugeschnittene Website offeriert Michael Altendorf, der Gründer der Mannheimer Adtelligence, seinen Unternehmenskunden. Mit Big-Data-Analysen und künstlicher Intelligenz personalisiert er das Nutzererlebnis in Online-Shops und auf den Webseiten von Finanzdienstleistern, was deren Geschäftsvolumina kräftig steigert.

Mit seinem Deep-Learning-Algorithmus erzielt das 2009 gegründete Unternehmen mit 70 Mitarbeitern zuletzt einen Umsatz von rund acht Millionen Euro.

Inform

Schon 1969 gründete Wirtschaftsprofessor Hans-Jürgen Zimmermann ein Unternehmen für Optimierungslogik in Aachen. Seit 1985 wächst das Softwarehaus aus eigener Kraft jedes Jahr um 20 Prozent mit Optimierung und Echtzeit-Disposition in Produktion, Handel, an Flughäfen oder in Krankenhäusern auf zuletzt 60 Millionen Euro Umsatz. Mit mehr als 1000 großen Unternehmenskunden - von Axa  bis Quantas - zählt Inform zu den global führenden Anbietern in seinem Geschäft.

Native Instruments

Native Instruments-Geschäftsführer Mate Galic (CTO; links) und Daniel Haver (CEO)

Native Instruments-Geschäftsführer Mate Galic (CTO; links) und Daniel Haver (CEO)

Foto: Native Instruments / Jakob Ebert

Wenn DJs vor kreischendem Publikum Hits sampeln oder Elektro-Bands ihre neusten Songs digital abmischen nutzen sie dabei fast ausnahmslos die Hard- und Software der Berliner Soundexperten. Das 1996 vom Musiker und Ingenieur Stephan Schmitt gegründete Unternehmen ist Weltmarktführer für computerbasierte Musikproduktion mit Dependancen in London, Los Angeles, Tokio und Shenzen.

Die 400 Mitarbeiter erwirtschafteten 2014 einen Umsatz von 72 Millionen Euro. Auch Ableton, mit 220 Mitarbeitern die Nummer zwei am globalen Digitalmusikmarkt, stammt aus Berlin und wurde von ehemaligen Native-Mitarbeitern entwickelt.

Botspot

Botspot-Gründer Ostermeier (l.) und Strenger mit 3-D-Drucken

Botspot-Gründer Ostermeier (l.) und Strenger mit 3-D-Drucken

Foto: Botspot

Die Technikredakteure Thomas Strenger und Manfred Ostermeier waren früh fasziniert von der Idee Objekte jeder Art lebensecht im 3-D-Druck abbilden zu können. Was sie am Markt vermissten war ein Scanner, um etwa einen Menschen im Sprung in 3-D-Daten erfassen zu können.

Frau im Botspot-Scanner

Frau im Botspot-Scanner

Foto: Botspot

Das Gerät entwickelten die beiden Ingenieure 2013 samt zugehöriger Software einfach selbst - finanziert aus Eigenmitteln und Berlin-Förderung. Die weltweit einmalige Technik, die mit einem Click beliebig große Gegenstände digitalisiert, begeisterte schnell Industriekunden. Mit denen realisierten die mittlerweile 14 Mitarbeiter von Botspot 2015 bereits einen Umsatz von 1,3 Mio. Euro.

IFM Electronic

Die Gründer Gerd Marhofer und Robert Buck führten 1969 in Essen einen Näherungssensor auf der Grundlage von Induktion ein. Aus dieser revolutionären Technologie entstand der weltführende Hersteller von Sensoren, Vernetzungstechnik und Steuerungssystemen für die Industrie, der mittlerweile in 70 Ländern agiert. Besonders in der digitalen Steuerungstechnik brilliert das auf 5000 Mitarbeiter gewachsene Unternehmen.

Die Tochter PDM Technologies in Siegen etwa entwickelte eine neuartige 3-D-Sensor-Technologie, die zum Beispiel den Valkyrie-Roboter der Nasa lenkt. Der Mittelständler im Familienbesitz wies 2014 einen Umsatz von mehr als 600 Millionen Euro aus.

Serva TS

"Fahr schon mal den Wagen vor" - am Düsseldorfer Flughafen übernimmt den Job ein Roboter. Die Softwarelösung für das vernetzte Parkrobotersystem hat die Firma Serva TS entwickelt

"Fahr schon mal den Wagen vor" - am Düsseldorfer Flughafen übernimmt den Job ein Roboter. Die Softwarelösung für das vernetzte Parkrobotersystem hat die Firma Serva TS entwickelt

Foto: Serva Transport Systems

Wer in Düsseldorf sein Auto am Flughafen deponiert hat, bekommt den Wagen bei der Rückkehr aus dem Urlaub direkt an die Ausfahrt des Parkhauses serviert - von einem Roboter. Das weltweit einmalige System, das sowohl mit den Gates des Airports als auch dem Smartphone des Reisenden (Bild unten unten ) vernetzt ist, entstand ab 2010 in einer Bootshalle am Chiemsee.

Foto: Serva Transport Systems

Dort bauten die Ingenieure Rupert Koch, Leopold Meierer und Cary Belaflor - finanziert von der Bavaria Boot-Unternehmerfamilie Meltl - den Prototypen. Heute sind vor allem große Autohersteller an der Technologie interessiert. Die 20-Mann-Firma verzeichnet deshalb bereits einen Umsatz von drei Millionen Euro.

Auto1 Group

Autohandel via Web: Die Auto1 Group kauft Autos von Privatleuten und reicht sie zu höheren Preisen an stationäre Händler weiter

Autohandel via Web: Die Auto1 Group kauft Autos von Privatleuten und reicht sie zu höheren Preisen an stationäre Händler weiter

Foto: Auto1 Group

Europas größter Gebrauchtwagenhändler kauft via Web Autos von Privatleuten an und gibt sie zu höheren Preisen an stationäre Händler weiter. Die Plattformidee der Gründer Christian Bertermann und Hakan Koc überzeugte zunächst den Groupon-Gründer Christopher Muhr, der 2014 ins Team des damals zwei Jahre alten Start-ups einstieg. Mittlerweile hat der Facebook-Investor DST Global mehr als 200 Millionen Dollar Venture Capital in das Berliner Unternehmen investiert, das damit eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar erreicht.

Das so zum "Unicorn" aufgestiegene Unternehmen will mit Hilfe der üppigen Kapitalspritze den US-Markt erobern. Für Europa weist die Auto1 Group einen Handelsumsatz von 850 Millionen Dollar aus und beschäftigt 400 Mitarbeiter.

Devolo

Devolo AG: Weltmarktführer bei der Heimvernetzung Lan-Netze aus der Steckdose

Devolo AG: Weltmarktführer bei der Heimvernetzung Lan-Netze aus der Steckdose

Foto: Devolo

Heiko Harbers leitete die Datenkommunikationssparte der Elsa AG , als der Modemhersteller 2002 nach Taiwan verkauft wurde. Seine Abteilung löste der zurückhaltende Friese in einem Management Buyout aus den Unternehmen heraus, weil er an deren Produkt - die Internet-Vernetzung per hausinterner Stromleitung - glaubte. Die so entstandene Devolo AG stieg mit dem Produkt Powerline schnell zum Weltmarktführer für Lan-Netze aus der Steckdose auf.

Das hochprofitable Unternehmen, das mit 200 Mitarbeitern 130 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, baut derzeit das Geschäft mit der Vernetzung für das Intelligente Zuhause auf.

Wirecard

Foto: Wirecard

Von Supermarktkassen sind sie nicht mehr wegzudenken - die Geschenkkarten für Möbelhaus, Buchladen oder Modekette. Entwickelt hat diese Prepaid-Karten Wirecard , einer der globalen Top Drei der Zahlungsdienstleister. Das 1999 gegründete Unternehmen aus Aschheim bei München wickelt für weltweit für mehr als 20.000 Unternehmen elektronische Finanztransaktionen ab - als Rundum-Sorglos-Anbieter mit eigener Banklizenz und ausgefeiltem Risikomanagement. Die 1750 Mitarbeiter erwirtschafteten 2015 einen Umsatz von 771 Millionen Euro - bei einem Ebitda von 227 Millionen Euro. Jetzt strebt CEO Markus Braun auch eine Spitzenposition im Mobilen Bezahlen an: Nach einem rasanten Kursanstieg in den vergangenen Monaten hat der Zahlungsdienstleister inzwischen sogar die Commerzbank aus dem Dax verdrängt.

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