Dienstag, 20. August 2019

Hagemann Snabe geht Machtzentrum bei SAP verschiebt sich

Doppelspitze ade: Der Amerikaner Bill McDermott (links) wird alleiniger SAP-Chef, der Däne Jim-Hagemann Snabe (rechts) wechselt in den Aufsichtsrat

SAP schafft die Doppelspitze ab: Jim Hagemann Snabe wird sich aus dem Vorstand zurückziehen. Künftig wird der Amerikaner Bill McDermott die Geschicke als alleiniger CEO lenken - damit verschiebt sich auch das Machtgefüge im Konzern.

Stuttgart - Die Doppelspitze bei SAP hat ausgedient - wieder einmal. Der Walldorfer Softwarekonzern wird nach drei Jahren mit zwei Vorstandssprechern ab dem kommenden Jahr wieder von nur einem Chef geführt.

Der Amerikaner Bill McDermott übernimmt nach dem Willen von SAP-Aufsichtsratschef und Großaktionär Hasso Plattner allein den Chefposten im Vorstand, wie SAP Börsen-Chart zeigen überraschend mitteilte. Der für die internen Abläufe und die Produktentwicklung zuständige Däne Jim Hagemann Snabe soll hingegen zur nächsten Hauptversammlung im Mai 2014 in den Aufsichtsrat einziehen.

Der bisherige Hauptsitz Deutschland verliert damit an Bedeutung. SAP dürfte künftig stärker von den USA aus geführt werden, wo der Vertriebsexperte McDermott seinen Arbeitsplatz hat. Auch der 69-jährige Plattner verbringt selbst viel Zeit in Kalifornien, wo das Zentrum der weltweiten Software-Industrie ist. Zudem gewinnt das sich seit Monaten rasend schnell drehende Personalkarussell in einer Phase weiteren Schwung, in dem sich der Wettbewerb mit etablierten Branchengrößen wie Oracle sowie aufstrebenden Cloud-Software-Anbietern wie Salesforce verschärft.

Hagemann Snabe beteuerte, er habe den maßgeblich an SAP beteiligten Mitgründer Plattner um vorzeitige Aufhebung seines Vertrags gebeten, um mehr Zeit für seine Familie zu haben.

SAP-Aktie unter Druck

Kritik an dem unmittelbaren Wechsel von der Vorstandsspitze in den Aufsichtsrat übte der Aktionärsverein SdK, der auf eine zweijährige Zwangspause für Top-Manager vor einem Wechsel in das Aufsichtsgremium pocht. An der Börse entfernten sich die SAP-Papiere weiter von ihrem im Frühjahr markierten Höchststand und verloren 1,4 Prozent.

Die Entscheidung für den stets braungebrannten Manager McDermott traf am Sonntag der Aufsichtsrat unter Führung Plattners, der SAP gemeinsam mit drei weiteren ehemaligen IBM -Mitarbeitern 1972 aus der Taufe gehoben hatte. "Plattner ist die graue Eminenz", sagte Commerzbank-Analyst Thomas Becker. "Es ist sein Unternehmen und er ernennt seine Vorstandsmitglieder."

Der nach mehr als 20 Jahren bei SAP aus dem Vorstand ausscheidende Hagemann Snabe sagte dem Online-Portal der "FAZ": "Er war es auch, der nach meinem Gesuch, den noch bis zum Jahr 2017 laufenden Vertrag als Co-Vorstandsvorsitzender aufzulösen, den Vorschlag machte, ich solle mich bei der nächsten Hauptversammlung für den Aufsichtsrat bewerben." Die gemeinsame Zeit mit seiner Familie in Kopenhagen sei "in den letzten Jahren sehr zu kurz gekommen".

Bedenken über ein Zerwürfnis mit Co-Vorstandssprecher McDermott wischte der 47-jährige Hagemann Snabe beiseite: "Davon kann keine Rede sein." Er habe mehr als nur ein kollegiales Verhältnis aufgebaut, der 51-jährige McDermott und er seien "richtige Freunde geworden". Das werde "auch so bleiben".

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