Samstag, 24. August 2019

Kreditech-Gründer Sebastian Diemer "Exzessiver Feminismus" - Start-up-Star flieht aus Berliner Gründerszene

Gründer Sebastian Diemer
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Gründer Sebastian Diemer

Sebastian Diemer (31) ist ein Star in der deutschen Gründerszene. In den letzten Jahren startete er verschiedene Unternehmen in Berlin, sein größter Coup bisher bleibt aber das 2012 in Hamburg gegründete Kreditvergabe-Start-up Kreditech. Insgesamt gaben Investoren knapp 500 Millionen Euro an das Fintech, das Diemer Ende 2015 verließ und das zuletzt stark abgewertet worden sein soll.

Jetzt zieht es den jungen Unternehmer nach Frankfurt, wo er sein neues Cannabis-Start-up aufbauen will. In einem Post auf Facebook schreibt er, was ihm an Berlin gefallen habe - und was nicht. Die Gründerszene in der Hauptstadt verliere sich zu häufig in gehaltlosem Gequatsche, so Diemer. "Die Menschen in Berlin reden und brainstormen viel, bekommen aber nur sehr wenig gebacken." Vielleicht liege es am "Überangebot des Nachtlebens".

Mindestens genauso stark aber irritieren ihn die Geschlechterrollen in Berlins Start-up-Szene. Linderung erhofft er sich auch hier von Frankfurt: "Ich bin kein Fan von Hipstern, exzessivem Feminismus, deswegen freue ich mich auf konservativere Rollen - Männer, die sich wie Männer benehmen und so aussehen wie Männer, vice versa für die Ladys."

Die Tech-Szene weltweit steht in der Kritik, Frauen zu benachteiligen. Sie sind auch in der deutschen Branche deutlich unterrepräsentiert. Wie eine Auszählung von manager-magazin.de kürzlich ergab, sind nur 3,2 Prozent der Partner-Positionen bei Tech-Investoren in Deutschland mit Frauen besetzt. Laut Bundesverband Deutsche Start-ups sind 15 Prozent aller deutschen Gründer weiblich. Gründerinnen bekommen außerdem weniger Geld von Wagniskapitalgebern. In Deutschland flossen von Januar bis Ende Oktober 3,4 Milliarden US-Dollar an Start-ups. Gemischte Gründerteams erhielten davon 195 Millionen, Frauenteams 21 Millionen US-Dollar. Das ergab eine Auswertung des Analyseservices PitchBook für manager magazin.

Bei Sebastian Diemer jedenfalls fließt das Geld wieder. Er ließ am Montagmorgen verkünden, dass sein neues Unternehmen Farmako eine siebenstellige Summe von dem Berliner Gesundheitsinvestor Heartbeat Labs erhalten hat. Die Firma, die medizinisches Cannabis verkaufen soll, hat er mit fünf weiteren Männern gegründet.

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