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Schnäppchenjäger: Wo im Netz Rabatte locken

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Groupon "Wir haben nicht das Image, das wir verdienen"

Das Schnäppchenportal Groupon war eine Erfolgsgeschichte des Internets. Doch dem kometenhaften Aufstieg und Börsengang folgte ein harter Absturz. Europa-Chef Christopher Muhr über die Fehler der vergangenen Monate - und wie Groupon Vertrauen zurückgewinnen will.

mm: Herr Muhr, das Jahr 2012 war für Groupon ein echtes Katastrophenjahr. Ärger mit der Börsenaufsicht, Entlassungen, miese Presse, der Aktienkurs im Keller, der Chef gefeuert. Mittlerweile ziehen die Umsätze in den USA zwar wieder an. International hakt es aber noch immer. Woran liegt es, dass Sie international bislang auf keinen grünen Zweig gekommen sind?

Muhr: Wir zahlen in Europa noch den Preis dafür, dass wir vor zwei Jahren die Anlage nachhaltiger und erweiterbarer Strukturen vernachlässigt haben. Aber wir machen Fortschritte. Und ich bin auch zuversichtlich, dass sich das irgendwann in finanzieller Hinsicht zeigen wird.

mm: Das ist abstrakt. Geht es konkreter?

Muhr: Wir sind angesichts des Wachstums einfach nicht mitgekommen, hatten Defizite in der Technologie, zu wenig zentrale Prozesse - und in Deutschland auch noch das Problem, dass wir sehr eng besetzt waren und dann auch für andere Länder mitarbeiten mussten. Europa ist noch schneller gewachsen als die USA. Das heißt: Wir hatten noch weniger Zeit, die Welle an Business, die da reingeschlagen ist, irgendwie vernünftig zu managen.

mm: An Erfahrungen sind Sie mittlerweile reicher. Wie soll es jetzt weiter gehen?

Muhr: Wir wollen in Europa unsere "Smart-Deals"-Technologie zum Einsatz bringen, die wir in den USA schon haben - und die sich beim Umsatz dort auch schon bemerkbar macht. Unter anderem sollen die Deals, die die Leute von uns bekommen, sehr viel besser auf sie zugeschnitten werden - natürlich im Rahmen dessen, was der Datenschutz erlaubt. Auch auf der Partnerseite wollen wir mehr bieten - unter anderem auch unsere Regeln vereinheitlichen.

mm: Gerade da hat es massive Kritik gegeben. Glaubt man Presseberichten, haben ihre Rabattaktionen ja so manchen Anbieter an den Rand der Erschöpfung oder die Insolvenz getrieben. Haben Sie dadurch viele Kunden verloren? Wieviele haben Sie denn überhaupt in Deutschland?

Muhr: Die Zahl darf ich leider nicht preisgeben. Kunden verloren haben wir nicht. Und mittlerweile zieht auch in Europa die Nachfrage wieder an. Aber wir haben nicht das Image, das wir verdienen. Wir sind nicht perfekt. Aber wir arbeiten daran, uns zu verbessern. Wir versuchen, den Händlern dabei zu helfen, maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln, die funktionieren und ihnen einen Return on Investment bringen.

"Wir sind dabei, uns zu sammeln"

mm: Was können sie den Händlern noch anbieten?

Muhr: Wir helfen den Händlern zu verstehen, wer eigentlich ihre Kunden sind. Und mit der Zeit werden wir das noch deutlich intelligenter machen. Dazu sind Werkzeuge in der Art von Google Analytics nötig, mit Hilfe derer den Händlern klar wird, was sie für ihr Geld kriegen, wer ihre Kunden sind, was diese konsumieren und wann sie zurückkommen. Das, was Google für den eCommerce ist, wollen wir für den lokalen Handel werden.

mm: Das Problem ist nur, dass ihre Konkurrenz stetig wächst. Sowohl von anderen, teils lokalen Start-ups, aber auch von großen Playern wie Ebay  oder Google .

Muhr: Die These, dass das Rabattgeschäft eigentlich jeder Idiot könne, ist falsch - was man auch daran sieht, dass viele unserer Konkurrenten bereits eingegangen sind, während wir in fast allen wichtigen Märkten Marktführer sind. Kleine, lokale Anbieter haben oft nicht die Größe und werden sich auf lokale Märkte beschränken müssen.

mm: Sie haben keine Angst vor Google oder Amazon?

Muhr: Auch Google oder Amazon  waren bislang nur begrenzt erfolgreich. Lokale Märkte sind extrem fragmentiert. Man muss einen Vertrieb aufbauen, der den Leuten das Produkt auch erklärt, muss Kundenkonten managen, Service bieten. Und das wollen viele einfach nicht.

mm: Wie sieht es angesichts der aktuellen Lage derzeit mit den Expansionsplänen aus. Stand nicht auch einmal China auf der Agenda?

Muhr: Wir sind dabei, uns zu sammeln. Amazon war bis vor kurzem in nur sechs Ländern tätig und ist auch ganz gut gewachsen. Bei uns sind es aktuell 48 Länder. Das reicht erstmal.

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