Samstag, 25. Mai 2019

Cash-Reserven Google und die 100-Milliarden-Dollar-Frage

Gründergeist: Google-Chef Larry Page tritt nur selten öffentlich auf, wie hier in New York vor zwei Jahren. Wenn er sich mal zeigt, dann spricht er gerne über "Moonshot"-Projekte.

US-Technologiekonzerne horten extrem hohe Cash-Reserven. Immer wieder wecken sie bei Investoren Begehrlichkeiten. Apple musste das bereits erleben und Microsoft auch. Nun liefert ein Analyst Investoren auch für Google eine Steilvorlage.

Hamburg - Analysten können Investoren ja durchaus auf Gedanken bringen. Das ist naturgemäß ihr Job. Sie untersuchen die Entwicklung von Unternehmen, nehmen jede Zahl auseinander, prognostizieren manchmal abenteuerliche Dinge, aber auch realistische. Sie diskutieren in ihren vor Zahlen und Modellen strotzenden Berichten eben Fragen, die Investoren interessieren sollten.

Carlos Kirjner hat nun eine Frage aufgeworfen, bei der manch Investor sicherlich leuchtende Augen bekommt. Der Analyst befasste sich nach dem jüngsten Quartalsbericht von Google intensiv mit dem Suchmaschinenbetreiber. Die Zahlen waren schlechter als erwartet, aber auch nicht katastrophal, so dass Investoren jetzt schnell ein Trostpflaster bräuchten.

Immerhin, so rechnet Kirjner vor, wird Google bis 2016 voraussichtlich 100 Milliarden Dollar Barreserven anhäufen. Bislang ist der Konzern bei 62,3 Milliarden Dollar angekommen. Dieses Wachstum, oder anders, die zu erwartende Höhe der Barreserven, sei ein Problem, schrieb Kirjner in einer Research Note. Nun, wie viele Unternehmen würden sich über derartige "Probleme" freuen?

Kirjner meint, Google könne bei dieser Summe kaum weiterbehaupten, das Geld sei nötig, um im Kampf gegen die aufstrebende Konkurrenz mithalten zu können. Das sei schlicht nicht glaubwürdig. Was wolle Google mit so viel Geld machen? Für Kirjner ist die Antwort eindeutig. Google sollte einen Teil des Milliardenschatzes den Aktionären zu Gute kommen lassen, über eine Dividende oder durch Aktienrückkauf.

Investoren lauern auf hohe Barreserven der IT-Konzerne

Google ist nicht das erste Technologie-Unternehmen, dessen hohe Barreserven Begehrlichkeiten wecken. Microsoft Börsen-Chart zeigen mit derzeit 89,2 Milliarden Dollar und Apple Börsen-Chart zeigen mit 155,3 Milliarden Dollar Barreserven mussten sich lange der gleichen Frage stellen. Dividendenprogramme oder Aktienrückkäufe galten in der Regel als Eingeständnis eines Unternehmens, dass es nun nicht mehr so schnell wachse. Microsoft und Apple mussten sich immer wieder für ihre hohen Cash-Bestände rechtfertigen, ehe sie schließlich doch ein Dividenden- und Aktienrückkauf-Programm beschlossen.

Die vielen Milliarden Dollar auf dem Konto hatten aggressive Investoren angezogen wie das Licht die Motten. Das musste zuletzt allen voran Apple erfahren. Managerschreck Carl Icahn hatte den iPhone-Hersteller in einem offenen Brief darum gebeten, mehr Aktien als bisher geplant zurückzukaufen.

Apple erklärte zwar freundlich, dass es sich immer über Nachrichten von Investoren freue. Der Konzern machte aber durch die Präsentation einer Übersicht deutlich, wie viel das Unternehmen bereits über eine Dividende an Investoren ausgezahlt beziehungsweise für wie viel Milliarden Dollar es Aktien zurückgekauft hat.

Apple habe binnen zwei Jahren für Dividenden und Aktienrückkäufe 74,3 Milliarden Dollar bereitgestellt, zeigte der Konzern in der Tabelle. Bis Ende kommenden Jahres werden es insgesamt 130 Milliarden Dollar sein. Die Botschaft hinter der schlichten Zahlenpräsentation: Irgendwann müsse auch mal Schluss sein. Punkt.

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