Dienstag, 15. Oktober 2019

Cash-Reserven Google und die 100-Milliarden-Dollar-Frage

Gründergeist: Google-Chef Larry Page tritt nur selten öffentlich auf, wie hier in New York vor zwei Jahren. Wenn er sich mal zeigt, dann spricht er gerne über "Moonshot"-Projekte.

2. Teil: Google konzentriert sich auf "Moonshot" Projekte

Für Google könnte die Diskussion allerdings gerade erst beginnen, zumindest wenn es nach Analyst Kirjner geht. Der Suchmaschinenbetreiber selbst würde die Forderung allerdings gerne gleich im Keim ersticken.

Eine Sprecherin von Google betonte auf Nachfrage, dass Google den hohen Barmittelbestand als strategisches Instrument sehe. Das Geld erlaube Google in einem jungen, von starkem Wettbewerb geprägten und sich ständig wandelnden Markt schnell zu agieren. Abgesehen davon haben die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin immer deutlich gemacht, dass sie kein "normales" Unternehmen führen und Dinge eher ungewöhnlich angehen.

Derzeit konzentrieren sie sich neben ihrem Kerngeschäft vor allem auf so genannte "Moonshot"-Projekt. Darunter versteht Page Entwicklungen, die nicht nur 10 Prozent besser als bereits existierende Produkte sind, sondern die um das Zehnfache besser sind.

Neue Projekte im Quartalsrhythmus - doch von Dividende ist keine Rede

Im vergangenen Jahr kaufte das Unternehmen mehrere Roboterfirmen. Es investiert in eine Kontaktlinse für Diabetiker, forscht an Pillen zur Krebsdiagnose, bastelt an einer Datenbrille namens Google Glass, entwickelt Drohnen für neuartige Lieferdienste, lässt Ballons steigen, die eine Internetanbindung möglich machen sollen, entwickelt selbstfahrende Autos und, und, und.

Leisten kann sich der Konzern diese kostspieligen Laborprojekte, weil die Suchmaschine mit ihren Werbeanzeigen jedes Quartal Milliarden Dollar in die Kasse einspielt. Fast im Quartalsrhythmus kündigt Google ein neues verrückt anmutendes Projekt an. Eine Dividende war bislang nicht dabei.

Gegen eine Google-Dividende dürfte auch sprechen, dass zwei Drittel des aktuellen Cash-Bestandes nach Angaben des jüngsten Quartalsberichts im Ausland lagern. Würde Google das Geld in die USA transferieren, müsste ein nicht unerheblicher Teil versteuert werden. Für öffentliche Haushalte wäre das sicherlich ein willkommenes Geschenk, den Google Aktionären würde das nicht dienen.

Ohnehin haben die Aktionäre nicht sonderlich viel Druckpotenzial. Die Google-Gründer und Chairman Eric Schmidt verfügen derzeit insgesamt über 60,8 Prozent der Stimmrechte. Durch spezielle Aktienklassen haben sie sich derart viel Macht gesichert, dass es manch einem Investor eher vorkommen muss, er sei bei Google nur geduldet und der Besitz einer Google Börsen-Chart zeigen -Aktie sei schon Zugeständnis genug.

Insofern dürfte Analyst Kirjner Investoren auf einen Gedanken gebracht haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung