Mittwoch, 24. April 2019

Chef Sundar Pichai unterbricht Urlaub Google feuert Mitarbeiter nach sexistischem Manifest

Google-Chef Sundar Pichai: "Beleidigend und nicht okay"

Ein Google-Entwickler, der in einem internen Papier die Meinung vertrat, Frauen seien biologisch weniger für Erfolg in der Tech-Industrie geeignet, ist von dem Internetkonzern gefeuert worden. Er bestätigte seine Entlassung unter anderem dem Finanzdienst Bloomberg in der Nacht zum Dienstag. Er sei gefeuert worden, weil er an geschlechtsspezifischen Stereotypen festgehalten und sie verbreitet habe, wurde der Mitarbeiter von Bloomberg zitiert.

Google-Chef Sundar Pichai unterbrach seinen Urlaub, nachdem das zehnseitige "Manifest" des Mitarbeiters heftige Debatten in dem Unternehmen ausgelöst hatte.

Der Autor des "Manifests" hatte unter anderem geschrieben, Frauen seien weniger widerstandsfähig gegenüber Stress als Männer und schafften es auch deshalb so selten in Führungspositionen in der Tech-Industrie. Versuche, mehr Frauen in die Branche zu bringen, seien ein Fehler - das dürfe man bei Google aber nicht laut sagen, so die Argumentation des gefeuerten Mitarbeiters.

Seine Argumente waren auch von konservativen US-Medien aufgegriffen worden, die dem Autor des Manifests beipflichteten und dessen Entlassung heftig kritisierten. Google verstoße gegen das Grundrecht der Meinungsfreiheit ("Freedom of speech"), wenn es solche Äußerungen sanktioniere.

Google-Chef Pichai bricht Urlaub ab - und verteidigt die Kündigung

Der Mitarbeiter hatte die Google-Führung in eine schwierige Lage gebracht: Er beklagte auch, dass es in einer ideologisierten Unternehmenskultur nicht möglich sei, eine abweichende Meinung offen zu vertreten. Während sich laut Medienberichten viele Mitarbeiter in internen Foren empört bis fassungslos äußerten und den Text als Ansammlung sexistischer Stereotypen kritisierten, bekam der Autor auch Zuspruch in Teilen der Belegschaft.

Pichai schickte am späten Montag eine E-Mail an die Mitarbeiter, die von Google später auch veröffentlicht wurde. In seinem Schreiben verteidigt Pichai sein Vorgehen und begründet die Kündigung des Mitarbeiters.

Teile des Textes hätten gegen interne Verhaltensregeln verstoßen und mit der Verbreitung schädlicher Stereotypen über Geschlechter eine Linie überschritten, schrieb der Google-Chef. Zu behaupten, ein Teil der Belegschaft habe Merkmale, die sie biologisch weniger fähig für die Arbeit bei Google machten, sei "beleidigend und nicht Okay".

Zugleich schränkte Pichai ein, dass es ebenfalls "nicht okay" sei, wenn Mitarbeiter zweifelten, ob sie ihre Ansichten am Arbeitsplatz frei äußern könnten - insbesondere wenn sie von der Meinung der Mehrheit abweichen.

la/dpa

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