Mittwoch, 20. November 2019

Bar-Reserven im Ausland Google bunkert 30 Milliarden Dollar für Einkaufstour

Google-Webseite: Konzern im Fokus von Kritikern

Google hält im Ausland rund 30 Milliarden Euro an Bargeld für Zukäufe bereit, wie jetzt aus einem Brief an die US-Börsenaufsicht hervorgeht. Ein großer Deal ist offenbar knapp gescheitert.

San Francisco/München - Google hat sich für Einkaufstouren im Ausland ein komfortables Finanzpolster geschaffen. Der Konzern bunkert Reserven in Höhe von 30 Milliarden Euro in Übersee, wie aus einem Brief des Unternehmens an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht.

Die Kontrollbehörde hatte Google unter Druck gesetzt, mehr über seine Reserven im Ausland preiszugeben. In dem jetzt erst veröffentlichten Schreiben vom Dezember 2013 offenbart der Konzern, dass er 20 bis 30 Milliarden Dollar zur Seite gelegt hat, um ausländische Firmen zu übernehmen oder Patente zu kaufen. Google nannte aber keine Namen von möglichen Übernahmekandidaten oder einen Zeitplan für Einkäufe.

Das Unternehmen ließ lediglich durchblicken, dass es im vergangenen Jahr vor einer großen Übernahme gestanden habe. Kurz bevor der Brief an die SEC verschickt worden sei, habe man die Verhandlungen aber abgebrochen. Der gescheiterte Deal hätte den Angaben zufolge den bisher größten ausländischen Zukauf noch übertroffen. Im vergangenen Jahr hatte Google den israelischen Navigationsdienst Waze für etwa eine Milliarde Dollar übernommen.

In den vergangenen zehn Jahren hat Google etwa 27 Milliarden Dollar in Zukäufe gesteckt. Die größte Übernahme erfolgte 2011, als Google für 12,4 Milliarden Dollar Motorola schluckte. Anfang des Jahres hatte Google angekündigt, Motorola an den chinesischen PC-Riesen Lenovo Börsen-Chart zeigen zu verkaufen.

Weitere Milliarden für Büros und Rechenzentren

Neben Geld für Zukäufe von ausländischen Firmen hält der Konzern auch vier Milliarden Dollar bereit, um Büros oder Datenzentren außerhalb der USA zu kaufen, teilte Google in dem Brief an die SEC mit.

Bis März sollen sich Googles Barreserven im Ausland sogar bereits auf 34,5 Milliarden Dollar summiert haben, dazu kommen 25 Milliarden Dollar in den USA.

Politiker in den USA haben Technologiekonzerne wie Google Börsen-Chart zeigen und Apple Börsen-Chart zeigen wegen ihrer großen Reserven im Ausland bereits ins Visier genommen. Sie werfen den Konzernen vor, sich vor Steuerzahlungen zu drücken. Google betont stets, man halte sich weltweit an die geltenden Steuergesetze.

Bundeskartellamt beobachtet Googles Marktmacht kritisch

Nicht nur die finanzielle Macht von Google lässt Kritiker aufhorchen. Die EU-Kommission ermittelt gegen den Suchmaschinenbetreiber wegen des Verdachts auf Machtmissbrauch. Es geht dabei unter anderem um den Vorwurf, dass Google Suchergebnisse zu seinen Gunsten manipuliert.

Auch das Bundeskartellamt hat den Konzern im Visier und sieht seine zunehmende Marktmacht mit Sorge. "Google ist ein marktbeherrschendes Unternehmen", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochsausgabe. Die Marktanteile bei Suchmaschinen würden weltweit bei etwa 70 Prozent, in Deutschland sogar bei 90 Prozent liegen. "Google war bislang auch erfolgreich dabei, seine Marktmacht auf andere Bereiche zu übertragen", sagte Mundt.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte zuletzt eine härtere Regulierung und notfalls sogar eine Zerschlagung von Google gefordert. "Wirtschaftsminister Gabriel liegt mit seiner Analyse richtig", sagte Mundt. Das Wettbewerbsrecht könne im Fall Google aber nicht alle Probleme lösen. "Wenn man darüber hinausmöchte, muss man über gesetzgeberische Maßnahmen diskutieren", sagte Mundt. Das Kartellamt könne kein eigenes Verfahren eröffnen, solange die EU-Kommission ermittle.

Markenwert: Google wertvoller als Apple

mmq, Spiegel Online

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