Warten auf Millionen von Haupteigner Pan Sutong Trotz Kahlschlags - chinesischer Investor hält Gigaset hin

Besuch des Pferderennens in Ascot: Seit diesem Jahr sponsert Gigaset die Rennbahn - auf Millionen für die Markenrechte ihres Haupteigners wartet die ehemalige Siemens-Tochter aber noch

Besuch des Pferderennens in Ascot: Seit diesem Jahr sponsert Gigaset die Rennbahn - auf Millionen für die Markenrechte ihres Haupteigners wartet die ehemalige Siemens-Tochter aber noch

Foto: Alastair Grant/ AP/dpa

Die Nachricht schlug in Bocholt ein wie eine Bombe. Der Schnurlos-Telefonhersteller Gigaset streicht fast die Hälfte seiner Jobs. Von den derzeit weltweit 1250 Stellen sollten bis Ende 2018 schrittweise etwa 550 wegfallen, teilte das Unternehmen am Montag in München mit. Alleine in Bocholt sollen lokalen Medien zufolge alleine 300 der rund 1000 Jobs wegfallen.

Wieder einmal. Es ist nicht die erste Kündigungsrunde bei dem Telefonhersteller. Seit Jahren schon schreibt die einstige Siemens-Tochter, die 2008 an den Finanzinvestor Arques verkauft und später weitergegeben worden war, rote Zahlen. 2013 lag das Minus bei mehr als 34 Millionen Euro. 2014 waren es immerhin noch 16,6 Millionen Euro.

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Und Besserung ist nur beschränkt in Sicht. Denn in Zeiten des Smartphones verzichten immer mehr Leute auf ein eigenes Festnetztelefon, was den Umsatz des Schnurlostelefonherstellers in den vergangenen Jahren hat stetig sinken lassen. Alleine im dritten Quartal schrumpfte der Markt laut Gigaset um 6,5 Prozent.

Zwar versuchte das Unternehmen, auf andere wachstumsversprechende Segmente auszuweichen. Doch bislang verdient Gigaset mit seinen Profi-Telefonanlagen und Smart-Home-Steuerungen noch viel zu wenig, um die Verluste aus dem Schnurlosgeschäft aufzufangen.

Haupteigner hält Gigaset hin - Warten auf 29 Millionen Euro

"Mit der aktuellen Kostenstruktur kann Gigaset im Schnurlosbereich einfach kein Geld verdienen", kommentiert Adrian Pehl vom Analysehaus Equinet das Grundproblem der einstigen Siemens-Tochter. Und der Ausbau der neuen Geschäftsfelder kostet.

Um langfristig zu überleben, will Gigaset sich nun gesundschrumpfen. Doch es gibt ein Problem: Eines, das mit Geld zu tun, genauer gesagt mit 29 Millionen Euro.

Die hatte Gigaset-Investor Pan Sutong, der 2013 mit seiner Goldin Gruppe bei dem angeschlagenen Telefonhersteller eingestiegen war und aktuell mehr als 75 Prozent an dem Schnurloshersteller hält, den Deutschen nämlich für die Nutzung von Markenrechten zugesichert.

Nur: das Geld, die erste Tranche für die Übertragung der Markenrechte, die laut Vertrag eigentlich am 30. September fällig gewesen wäre, ist bis heute nicht da. "Die 29 Millionen sind bislang nicht geflossen, bestätigte ein Gigaset-Sprecher manager-magazin.de. "Momentan laufen da noch Gespräche."

Sponsoringvertrag mit FC Bayern und Ascot

Das Geld sollte Sutong haben. Zwar hatte der Börsencrash in China im Juli mal eben an einem einzigen Nachmittag mehr als 13 Milliarden Dollar des Self-Made-Milliardärs auf dem Papier vernichtet. Was den luxusverliebten Immobilienmagnaten von Platz 2 der reichsten Hongkong-Chinesen auf Rang sieben abrutschen ließ. Aber: Mit den 8,7 Milliarden Dollar an aktuellem Vermögen laut "Forbes" lässt sich immer noch gut arbeiten.

Und das hat der 52-Jährige offenbar auch vor. Der geschäftstüchtige Schulabbrecher aus Hongkong, der sein Geld mit Karaoke-Anlagen, MP3-Playern, Wein und Immobilien gemacht hat, verfolgt einen ehrgeizigen Plan. Mit dem wohlklingenden Namen Gigaset, der nach deutscher Ingenieurskunst und "Made in Germany" klingt, will er nämlich eine internationale Smartphone-Marke aufbauen und Apple und Samsung Konkurrenz machen.

Das Unternehmen, die Gigaset Mobile, dazu ist bereits gegründet. Das erste Smartphone auf den Markt. Und auch die ersten prestigeträchtigen Sponsorenverträge hat der chinesische Immobilien- Wein- und Elektronik-Magnat mit einem Faible für Gold und royale Prominez bereits geschlossen.

Bayern-Stars sollen künftig mit Gigaset telefonieren

So unterschrieb Gigaset im Mai einen Sponsorenvertrag mit der Rennbahn Ascot, auf der sich alljährlich der gut behütete britische Adel ein Stelldichein gibt. Und drei Monat später verkündete Gigaset Mobile-CEO Charles Fränkl dann den nächsten Marketing Coup: Einen dreijährigen Sponsoring-Vertrag mit dem FC Bayern , im Zuge dessen sämtliche Bayern-Stars ihre iPhones und Samsungs gegen ein Modell von Gigaset austauschen müssen, wie FC-Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge verkündete.

Was das Engagement in Ascot und beim FC Bayern den Unternehmer kosten, ist unbekannt. Eine Anfrage von manager-magazin.de, ob anders als bei Gigaset das vereinbarte Geld bereits geflossen sei, ließ der FC Bayern am Dienstag zunächst unbeantwortet.

Doch im Smartphone-Geschäft hakt es. Bislang ist nur ein Gigaset-Smartphone auf dem Markt. Der Start weiterer hat sich verzögert. Statt wie angekündigt im Herbst, sollen sie nun wohl erst zum Jahresende auf den Markt kommen - zu spät für das für die Branche so wichtige Weihnachtsgeschäft.

Ob es Sutong gelingen wird, sich mit Hilfe des in China sehr populären FC Bayern mit der Smartphone-Marke Gigaphone tatsächlich erfolgreich gegenüber Wettbewerbern wie Apple, Samsung oder Xiaomi zu etablieren, bleibt abzuwarten.

Bis hier richtig Geld fließt, dürfte es jedenfalls noch dauern. Für das Unternehmen Gigaset, das ohnehin nur mit 18 Prozent am Joint-Venture-beteiligt ist und abgesehen von Design und Entwicklungsmithilfe mit der Fertigung in China nichts zu tun hat, könnte das zu spät sein.

In der Gigaset-Zentrale in München und in Bocholt hofft man daher, dass sich Milliardär Sutong doch noch zur Zahlung der vereinbarten 29 Millionen für die Markenrechte bequemt. Ansonsten dürften die Zeiten für die Belegschaft noch härter werden.

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