Donnerstag, 22. August 2019

Ifo-Index fällt zum vierten Mal in Folge Geschäftsklima in Deutschland auf Zweijahrestief

Konjunktur in Deutschland: Die Stimmung hat sich deutlich eingetrübt

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft ist zum Jahreswechsel so schlecht wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Das Barometer für das Geschäftsklima sank im Dezember überraschend deutlich um 1,0 auf 101,0 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte. Das ist bereits der vierte Rückgang in Folge.

Ökonomen hatten lediglich mit einem Absinken auf 101,8 Zähler gerechnet. "In diesem Jahr fällt die Bescherung für die deutsche Wirtschaft mager aus", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage schlechter, ebenso die Aussichten für die kommenden sechs Monate.

Angst vor der nächsten Rezession: Das R-Wort ist wieder da

Die Stimmung trübte sich sowohl im Handel als auch bei den Dienstleistern sowie in der Industrie ein, während sie in der Baubranche stabil blieb. Erstmals seit Mai 2016 schätzten die Industriebetriebe die Aussichten negativ ein. "Entsprechend korrigierten die Firmen ihre Produktionspläne nach unten", sagte Fuest.

Brexit, Italien und Handelsstreit drücken auf die Stimmung

Experten machen das schwierige Umfeld dafür verantwortlich. "Wir haben vor uns einen Haufen politischer Risiken, angefangen vom Handelsstreit der USA und China über den Brexit und Italiens Defizit sowie neuerdings Frankreichs Abkehr von den Reformen", sagte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert.

"Gleichzeitig finden öffentlichkeitswirksame Abwärtsrevisionen von Konjunkturprognosen statt, und der Brexit-Prozess nimmt immer chaotischere Züge an", fügte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle hinzu. "Zudem könnte der Dezember noch durch die Proteste in Frankreich - immerhin Deutschlands zweitwichtigstem Handelspartner - verhagelt worden sein. So richtige vorweihnachtliche Freude will da nicht aufkommen."

Das Ifo-Institut hat seine Konjunkturprognosen für Deutschland gerade erst kräftig gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im zu Ende gehenden Jahr um 1,5 Prozent und 2019 sogar nur noch um 1,1 Prozent zulegen. Bislang waren die Forscher von jeweils 1,9 Prozent ausgegangen. Neben dem schwierigen Umfeld für die Exporteure dämpften zuletzt auch die Probleme der Auto-Industrie mit dem neuen Abgasmessstandard. Dadurch schrumpfte die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal erstmals seit dreieinhalb Jahren.

la/dpa/reuters

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