Donnerstag, 5. Dezember 2019

Apple soll NFC-Schnittstelle im iPhone für Fremdanbieter öffnen Regierung startet Überraschungsangriff auf Apple Pay

Apple Pay: Der Konzern soll anderen Anbietern den direkten Zugang zu seinem NFC Chip im iPhone öffnen

Strengere Meldevorschriften für Immobilienmakler, Notare, Goldhändler und Auktionshäuser sollen den Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung verbessern. Dieses Ziel verfolgt die fünfte Geldwäscherichtlinie der EU, deren Umsetzung der Bundestag am Donnerstagabend beschlossen hat. Das Reformpaket benötigt noch die Zustimmung des Bundesrats. Ein Detail im Gesetz könnte für den US-Konzern Apple Börsen-Chart zeigen noch heikel werden.

Überraschungsangriff auf Apple und das Geschäftsmodell von Apple Pay

Eine für Außenstehende überraschend eingebrachte Änderung im Gesetzentwurf soll zudem Banken und Zahlungsdienste zwingen, den direkten Zugang zu NFC-Chips zu öffnen. Betroffen ist davon Apples iPhone mit der Pay-Funktion, das zum kontaktlosen Bezahlen genutzt wird. Apples Befürchtung: Das heutige Geschäftsmodell von Apple Pay könnte damit torpediert werden.

Bezahl-Apps der Banken können bislang nicht auf den NFC-Chip im iPhone oder der Apple Watch zugreifen, sondern müssen auf umständlichere Datenübertragungsmethoden wie das Einlesen von QR-Codes ausweichen. NFC steht für Near Field Communication und ist eine Schnittstelle für kontaktlose Datenübertragung.

Apple soll NFC-Schnittstelle auch für Fremdanbieter öffnen

Der Gesetzentwurf der Regierungsfraktionen sieht nun vor, dass Infrastruktur-Betreiber wie Apple Zahlungsdiensten Zugang zur Infrastruktur gewähren müssen - "gegen angemessenes Entgelt und unter Verwendung angemessener Zugangsbedingungen". Das Gesetz dient eigentlich zur Umsetzung der europäischen Geldwäscherichtlinie - der Punkt, der ausdrücklich der NFC-Öffnung dienen soll, wurde aber hinzugefügt.

Deutsche Banken und Sparkassen hatten lange einen direkten Zugang zur NFC-Schnittstelle der iPhones gefordert. Auf europäischer Ebene gibt es laut Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager diverse Beschwerden gegen Apple.

Der Konzern begründet seine Position mit Benutzerfreundlichkeit und Datensicherheit. Der Zugriff auf die NFC-Antenne läuft über einen gesonderten Sicherheitschip, die sogenannte "Secure Enclave", in der Apple auch andere wertvolle Daten wie Passwörter absichert.

Apple: Wir sind überrascht, wie plötzlich dieses Verfahren eingeleitet wurde"

"Wir sind überrascht, wie plötzlich dieses Gesetzgebungsverfahren eingeleitet wurde", erklärte Apple. "Wir befürchten, dass der Gesetzentwurf die Nutzerfreundlichkeit bei Zahlungen verschlechtern und den Datenschutz und die Sicherheit von Finanzdaten gefährden könnte." Apple würde mit der Bundesregierung gern daran arbeiten, "die technischen Hintergründe von Apple Pay verständlich zu machen".

Offenbar hat Apple versucht, noch einzelne Abgeordnete zu erreichen. In der Parlamentsdebatte am Donnerstag beklagten gleich mehrere Abgeordnete, dass der Apple-Konzern und die US-Botschaft im Kanzleramt interveniert hätten, um das Gesetz in letzter Minute zu verhindern.

kann/dpa/reuters

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung