Donnerstag, 5. Dezember 2019

Der Karriere-Fragebogen von Fränzi Kühne Was Fränzi Kühne erfolgreich macht

Digitaloptimistin Fränzi Kühne

In der zweiten Folge unserer Podcast-Reihe "Neue deutsche Karrieren" spricht die Gründerin der Digitalagentur "Torben, Lucie und die gelbe Gefahr", Fränzi Kühne, über ihre Erfahrungen als Aufsichtsrätin und die Angst der Unternehmensführer vor der Digitalisierung.

Begleitend zum Podcast-Interview hat Fränzi Kühne unseren Karriere-Fragebogen beantwortet:

Was machen Sie beruflich

Ich bin Gründerin und Geschäftsführerin der Digitalagentur TLGG GmbH und Aufsichtsrätin in der Freenet AG und der Württembergischen Versicherung AG.

Wie kam es dazu?

Während des Jurastudiums lernte ich Christoph Bornschein und über ihn dann Boontham Temaismithi kennen. Wir fanden uns auf verschiedenen Wegen im Games-Marketing wieder, arbeiteten dabei früh mit Facebook und verstanden schnell: Das wird die Welt verändern. Wir waren wahnsinnig begeistert von digitalen Themen und wahnsinnig sicher, dass wir Marken den sinnvollen Umgang mit Social Media und Digitalisierung erklären können. Kurzentschlossen gründeten wir eine Agentur, gaben ihr einen kaum ernstzunehmenden Namen und sind heute, elf Jahre später, eine gut aufgestellte Kreativagentur und Unternehmensberatung.

Warum sind Sie das immer noch?

Weil Leidenschaft und Spaß an der Sache in den letzten elf Jahren nicht abgenommen haben. Die Arbeit mit und an TLGG ging mit so vielen Erfahrungen einher, durch die ich gereift, gewachsen, stärker geworden bin. Noch immer kommt täglich Positives dazu, das mich bestärkt. Fehler, aus denen man lernt. Neue Menschen, die einen erweitern.

Wenn Sie das nicht geworden wären oder nicht hätten werden können - wofür würden Sie dann am liebsten arbeiten?

Ich wollte eigentlich Kriminalkommissarin werden. Mein Jurastudium habe ich angefangen, weil ich John Grisham liebe und beim Tatort wirklich immer als Erste den Täter erraten habe. Wie man halt denkt mit Anfang 20.

Wo überlassen Sie nichts dem Zufall?

Zufälle und Überraschungen gibt es immer, aber gute Planung und Organisation sind die Basis eines guten Umgangs damit. Jede Mutter eines Kleinkindes versteht mich.

Was hat Ihre Kindheit geprägt, was Ihre Jugend?

Meine Eltern haben mir einen Grundoptimismus mitgegeben, mich immer machen lassen und an mich geglaubt. Diese wertebasierte Erziehung hat mich geprägt und mir das nötige Selbstvertrauen mitgegeben. In meiner Jugend waren es dann Punkkultur und das immergroße Streben nach Freiheit.

Wann sind Sie am glücklichsten?

Das ist ja heutzutage eine inflationäre Floskel, aber wenn's halt stimmt: Wenn ich ganz im Hier und Jetzt sein kann.

Und wann am besten?

Wenn alles nach meinem vorher ausgetüftelten Plan läuft und ich dabei von tollen Menschen umgeben bin, die etwas können, das ich selbst nicht so kann.

Welche drei Dinge sind unerlässlich, damit Sie arbeiten können?

Ein waches Team, ein geladener Laptop und eine stabile Internetverbindung.

Ihr größter Erfolg?

Die größten Erfolge sind immer wieder die kleinen Freudenmomente. Es pünktlich zum Abendbrot mit meiner Tochter nach Hause zu schaffen. In einer spannenden Aufsichtsratssitzung zu merken, dass ich etwas verändern kann. Wenn Menschen, die ich berate, Erfolge verbuchen können.

Wie haben Sie das geschafft?

Mein täglicher Lifehack: Zu entscheiden und zu wissen, was an einem Tag am allerrelevantesten ist, und mich ganz darauf fokussieren. Alles andere blende ich aus. Über die Tage und Jahre hinweg braucht man außerdem eine gewisse Veränderungsbereitschaft - Veränderung ist eine Grundkonstante meines Lebens - und die Leichtigkeit, sich ohne Drama auf Neues einzulassen.

Was war Ihr größter Fehler?

Im Rückblick wäre es wohl gut gewesen, viel früher mit dem öffentlichen Sprechen angefangen zu haben. Auch auf Englisch. Aber besser spät als nie.

Was würden Sie gern besser können?

Öffentlich sprechen. Auch auf Englisch.

Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Einfach machen. Wenn ich meinem jüngeren Ich einen Rat geben könnte, dann: "Mach dir keine Sorgen, sondern einfach weiter. Was du da denkst und tust, hat Hand und Fuß und wird gebraucht." Mehr Erfolgsrezepte habe ich nicht parat. Viel arbeiten, sich weiterentwickeln, Gelegenheiten erkennen, Glück haben, an Niederlagen nicht zu lange kauen - wenig originell, aber bewährt und halt meins.

Welchen Ihrer Charakterzüge mögen Sie an sich selbst am liebsten?

Ich wurde immer dazu erzogen, mich erst einmal selbst super zu finden. Mit mir zufrieden zu sein und trotzdem darauf aufzubauen. Das ist eine wichtige Grundlage für so etwas wie TLGG.

Und Ihr Lieblingscharakterzug bei anderen Menschen?

Offenheit, Flexibilität, Mut.

Was ist Ihre nächste Herausforderung?

Ich bin eigentlich Digitaloptimistin. Es beunruhigt mich aber doch, dass im Bildungsbereich große Defizite vorherrschen, wenn es um ein Verständnis für neue Technologien geht. Diese Frage beschäftigt mich und mein Team zurzeit sehr.

Was war Ihr jüngster Lustkauf?

Ein iPad Pro. Auch wenn "Pro" jetzt wenig sinnlich klingt.

Wovor haben Sie Angst?

Vor der Kombination aus gewaltiger Ignoranz und gewaltiger Selbstsicherheit. Und vor Spinnen.

Was tun Sie dagegen?

Mit dem einen suche ich die Auseinandersetzung, dem anderen gehe ich aus dem Weg. Raten Sie mal, was sich worauf bezieht.

Womit kann man Ihnen eine Freude machen?

Da ich mir das iPad Pro ja nun schon selbst gekauft habe: mit schönen, schönen Blumen.

Woran glauben Sie?

Ich glaube an die eigenen Wege und die Menschen, die sie gehen.

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