Copy-Cat-Vorwürfe gegen Delivery Hero Food Express droht der Tod im Startup-Haifischbecken

Hai-Alarm: Auch in der Berliner Startup-Szene geht es rau zu. Dem Startup Food Express drehte der Investor Delivery Hero den Geldhahn zu. Delivery Hero hat inzwischen ein eigenes Startup gegründet, das zu Food Express in Konkurrenz steht

Hai-Alarm: Auch in der Berliner Startup-Szene geht es rau zu. Dem Startup Food Express drehte der Investor Delivery Hero den Geldhahn zu. Delivery Hero hat inzwischen ein eigenes Startup gegründet, das zu Food Express in Konkurrenz steht

Foto: Corbis

Dass die Start-up-Szene ein Haifischbecken ist, dürfte Gründern nicht erst seit dem StudiVZ-Debakel und Rocket Internets Copy-Cat-Strategie bekannt sein. Mit welch harten Bandagen tatsächlich gekämpft wird, dürfte Food-Express-Gründer Max von Waldenfels dann aber doch überrascht haben.

Jedenfalls musste sein Start-up, das für Restaurants die Auslieferung von Essen erledigt, geradeInsolvenz anmelden . Der Grund: Investor Delivery Hero hat überraschend den Geldhahn zugedreht.

Dass ein Geldgeber beschließt, sein Engagement bei einem Start-up zu beenden, ist an sich nichts ungewöhnliches. Nicht umsonst heißt eine der goldenen Regeln der Branche: "Fail but fail fast." Dass der Investor parallel zum eigenen Investment ein nahezu identisch ausgerichtetes Konkurrenzunternehmen gründet, deutet allerdings nicht unbedingt auf ein echtes Vertrauensverhältnis zwischen Gründer und Investor hin.

Aber der Reihe nach: 2013 heben Maximilian von Waldenfels und seine Mitgründer Benjamin Pochhammer und Toni Kappesz mit MyLorry/Food Express einen Lieferdienst aus der Taufe, der für Restaurants, die keinen eigenen Lieferservice betreiben, die Auslieferung organisiert.

Delivery Hero steigt ein - und gründet ein Konkurrenzunternehmen

Basis des Geschäfts von Food Express ist eine eigene Dispositions-Software, die jeweils die optimale Route für den zu Verfügung stehenden Fahrer berechnet und so die Kosten so gering wie möglich hält. Eine unter anderem bereits in den USA erfolgreiche Idee, für die sich auch der von Rocket gestützte international tätige Food-Delivery-Service Delivery Hero begeistert.

Im Februar steigt Delivery Hero bei den Berlinern ein . Aktuell soll die Beteiligung unbestätigten Angaben zufolge etwas unter 30 Prozent liegen.

Man einigte sich auf bestimmte Zielvorgaben, die Food Express in den Folgemonaten erreichen soll. Schließlich hat man nun ein starken Partner aus der Branche an Bord.

Angeblich, so berichten Branchenbeobachter, gab es sogar schon Pläne bei Delivery Hero, das Logistik-Startup komplett zu übernehmen. Diese wurden dann aber plötzlich wieder fallen gelassen.

Ein Kauf war auch nicht mehr nötig: Schließlich hatte Delivery Hero bereits im September 2014 mit Valk Fleet ein eigenes Start-up gegründet , das genau wie Food Express, mit einer eigenen Technologie für Restaurants die Auslieferung von Essen übernehmen will.  Und ebenso wie Food Express dazu eine eigene Fahrerflotte aufbauen will. 

Gründer sehen sich "plötzlich brutal fallen gelassen"

Delivery Hero: Food Express hat Ziele verpasst

Delivery Hero: Food Express hat Ziele verpasst

An einer weiteren Aufstockung der Geldmittel für Food Express war Delivery Hero jedenfalls nicht mehr interessiert. Allerdings hatte das Start-up - womöglich auch wegen der nachlassenden Unterstützung des Partners - auch einen Teil der selbst gesetzten Ziele verfehlt. Damit war Delivery Hero aus der Pflicht, bei der nächsten Tranche wie verabredet mitzuziehen.

Während Delivery Hero gegenüber manager-magazin.de auf die verpassten Ziele und den begrenzten Einfluss verweist, den es über die Minderheitsbeteiligung bei Food Express auf dessen Geschäftsentwicklung gehabt habe, ist man bei Food Express ziemlich sauer. Von einem "zweifelhaftem Verhalten" des Noch-Partners, spricht Gründer Max von Waldenfels auf der eigenen Internetseite , der die Berliner ohne Vorwarnung "brutal fallen gelassen" habe.

Food-Express-Gründer wollen kämpfen

Über die am Montag beantragte Insolvenz könnte Food Express nun versuchen, sich des ungeliebten Investors zu entledigen. Der macht bislang allerdings keine Anstalten loszulassen.

Die Suche nach einem Investor bei Food Express läuft dem Start-up zufolge mittlerweile auf Hochtouren - unter anderem im Handel, aber auch der Logistikbranche. "Wir werden kämpfen", schreiben die Gründer auf ihrer Internetseite . Dazu müsste allerdings auch der neue Investor bereit sein. Die Konkurrenz ist es.

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