Smartwatch-Pionier für 40 statt 740 Millionen Dollar zu haben Die miserable Wette des Pebble-Gründers

Pebble-Gründer und Chef Eric Migicovsky

Pebble-Gründer und Chef Eric Migicovsky

Foto: AFP
Fotostrecke

Pebble Time Steel: So sieht die Stahl-Smartwatch aus

Foto: SPIEGEL ONLINE

Ach könnte Eric Migicovsky doch die Zeit zurückdrehen. Gerade anderthalb Jahre ist es her, da hatte der Gründer und Chef des Smartwatch-Pioniers Pebble ein Angebot des Branchenriesen Citizen auf dem Tisch: Für satte 740 Millionen Dollar wollten die Japaner Pebble übernehmen, berichtet das US-Portal "Venturebeat".  Doch Migicovsky ließ sie abblitzen.

Vorbei die Chance. Inzwischen ist der Unternehmenswert von Pebble drastisch gesunken. Für etwa 35 bis 40 Millionen Dollar könnte nun offenbar der Fitnessarmband-Hersteller Fitbit zugreifen. Die hoffnungsvolle Geschichte des Apple-Konkurrenten Pebble wäre damit wohl vorbei.

Fitbit sei eher an dem Betriebssystem und der App-Plattform von Pebble nicht an der Fortführung der Marke interessiert, berichteten am Donnerstag der Branchendienst "The Information", die "Financial Times" und das Technologieblog "TechCrunch".

Pebble hatte 2012 mit einer Crowdfunding-Kampagne für Aufsehen gesorgt, bei der das Start-up Geld von Nutzern für seine erste Uhr sammelte. Es kamen 10,2 Millionen Dollar zusammen - der damalige Rekord für die Finanzierungsplattform Kickstarter. Insgesamt sammelte das Unternehmen über die Jahre mehr als 40 Millionen Dollar bei Kickstarter ein.

In diesem Jahr legte Pebble nach mit einer weiteren Sammelaktion für ein neues Uhren-Modell sowie ein kleines Mobilfunk-Modem für unterwegs. Dieses Gerät mit dem Namen Core soll nach bisherigen Angaben Anfang kommenden Jahres ausgeliefert werden. Ob es dazu kommt, ist jetzt unklar.

Die "Financial Times" schrieb, Gründer und Chef Eric Migicovsky habe statt der 35 bis 40 Millionen eigentlich einen Preis von 200 Millionen Dollar angestrebt. Doch bei Pebble ging es zuletzt schnell abwärts.

Das Unternehmen war Apple mit seiner Smartwatch einst zwei Jahre voraus. Doch Pebble konnte den zeitlichen Vorsprung nicht in Marktanteile umwandeln. Apple wurde mit seiner im April 2015 gestarteten Computer-Uhr aus dem Stand zum Marktführer und hält diese Position mit klarem Abstand, auch wenn die Verkäufe in diesem Jahr deutlich zurückgingen.

Fotostrecke

Totalausfall beim Crowdsourcing: Fünf Kickstarter-Kampagnen, die komplett daneben gingen

Foto: Kickstarter

Im Frühjahr dieses Jahres trennte sich Pebble von einem Viertel seiner 160 Mitarbeiter, darunter waren hochrangige Manager. Migicovsky stellte sich auch noch bei einer zweiten möglichen Übernahme quer, als Intel Pebble für immerhin noch 70 Millionen Dollar übernehmen wollte.

Auch Fitbit hatte zuletzt eigene Probleme, die unter anderem mit der Konkurrenz von Computer-Uhren wie die Apple Watch zu tun haben. Im vergangenen Jahr fulminant an der Börse gestartet, enttäuschte das Unternehmen die Analysten zuletzt mit der Prognose für das laufende Weihnachtsgeschäft.

Fitbit ist der Marktführer bei Fitness-Armbändern, die zum Beispiel Schritte und verbrauchte Kalorien zählen. Aus dem Smartwatch-Markt hielt sich die Firma bisher heraus und setzte stattdessen auf eine Sport-Uhr mit weniger Funktionen.

Wenig zufrieden mit Migicovskys Verkaufsstrategie dürften die wichtigsten Pebble-Investoren sein. Zu ihnen zählen Profi-Großanleger wie Tim Draper, Mark Friedgan und Firmen wie Y Combinator und ACE & Company.

mit dpa-afx