Fintech-Startup WB21 Weltbank ohne Banklizenz - die abenteuerliche Story des Fintech-Unternehmers Michael G.

Michael Gastauer: Der Fintech-Unternehmer sorgt mit märchenhaften Zahlen für Furore - und für Zweifel

Michael Gastauer: Der Fintech-Unternehmer sorgt mit märchenhaften Zahlen für Furore - und für Zweifel

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Aus Groß mach Klein: Ex-Großbanker, die jetzt in Fintech machen

Foto: © Joshua Roberts / Reuters/ REUTERS

Michael Gastauer weiß, was finanzstarke Investoren wünschen. Und er bedient es in Perfektion. Es ist ein handverlesenes Publikum, das der Fintech-Unternehmer am vergangenen Freitag ins Berliner Adlon geladen hat. Als Ehrengast des Deutschen mit einem Faible für edle Anzüge und Family Office in Monaco ist Hans Reckers geladen, seines Zeichens Staatssekretär des Landes Berlin und ehemaliges Vorstandsmitglied der Bundesbank. Geladen hat im Namen Gastauers ganz standesgemäß die Agentur Weber Shandwick.

Die Story, die Gastauer seinen Gästen präsentiert, hat ebenfalls das Zeug, für Furore zu sorgen. Mit etwas mehr als 22 Millionen Dollar Kapital, so Gastauer, habe er innerhalb von wenigen Monaten ein Fintech-Unternehmen aufgezogen, das inzwischen rund eine Million Kunden hat. 2,2 Milliarden US-Dollar, rechnet der Unternehmer vor, soll es mittlerweile wert sein.

Das Geschäftsmodell des erst vor rund einem Jahr gegründeten Unternehmens: Internationale Geldtransfers für Privatleute und Konzerne - billiger und schneller, als es klassische Banken anbieten. Und auch noch unkomplizierter. Das Anlegen eines Kontos bei "WB21.com", so der Name von Gastauers Baby, dauert dank digitaler Technik nur wenige Minuten.

Nun, so die gute Nachricht, die Gastauer seinen Kunden präsentiert, kommt die WB21 nach Berlin. Er will in der Bundeshauptstadt eine Filiale und auch gleich noch das Hauptquartier von WB21 einrichten und 50 Millionen Euro investieren. Rund 200 Leute, so Gastauer gegenüber manager-magazin online, sollen dort einen neuen Job finden. Ein Umzug, der durch den Brexit  veranlasst wurde.

Es ist genau das, was man in Berlin und in Deutschland hören will. Das nach eigenen Angaben "am schnellsten wachsende Fintech-Unternehmen der Welt" kommt nach Deutschland - in die Start-up Hauptstadt Berlin. Mit einem CEO (Gastauer), den das amerikanische Wirtschaftsmagazin "Forbes" mal eben als "Mogul" betitelte.  Und über dessen Umzug sogar schon das "Wall Street Journal" berichtete.

Zweifel an der Bewertung

Doch bei genauerem Nachfragen ist dann doch nicht alles so herrlich, wie es sich darstellt. Die Milliardenbewertung von 2,2 Milliarden US-Dollar begründet Gastauer allein mit dem Transaktionsvolumen, das nach seinen Angaben zuletzt bei 1,2 Milliarden Dollar lag.

Zum Vergleich dazu: Das bereits 2011 gegründete und mittlerweile international bekannte Start-up Transferwise, das mit einem ähnlichen Geschäftsmodell an den Start gegangen ist, ist mehr als fünf Jahre nach der Gründung nur rund die Hälfte wert. Bekannte Wagniskapitalgeber oder Branchenexperten, wie Konkurrent Transferwise sie mit Peter Thiel, Ben Horowitz, Richard Branson oder Vikram Pandit aufweisen kann, hat Gastauer nicht vorzuweisen.

Doch daran hat er nach eigenen Angaben auch gar kein Interesse. Schließlich - so der Unternehmer - wollten diese in der Regel ein ziemlich großes Stück vom Kuchen ab. Mehr, als Gastauer nach eigenen Angaben bereit ist zu geben. Er setzt lieber auf ein privates Offering und will für rund 200 Millionen Euro ein Zehntel des Unternehmens direkt an Anleger verkaufen.

Was bleibt sind Zahlen, die sich von außen nicht nachprüfen lassen. Ebenso wenig wie die Qualität der Algorithmen, mit denen WB21 arbeitet.

Was sich nachprüfen lassen würde, wäre die Existenz einer Banklizenz. Schließlich wurde zur "feierliche Eröffnung unserer Bank" geladen. Doch auch hier: bislang Fehlanzeige. Weder in London noch in Deutschland liegt eine Lizenz bislang vor oder wurde auch nur beantragt.

Wo bleibt die Banklizenz?

Auch für die fehlende Banklizenz hat Gastauer eine Erklärung: Man arbeite schließlich mit Banken zusammen - beispielsweise der HSBC. Über dortige Konten liefen die Transaktionen. Allerdings sei ein Antrag auf eine Banklizenz in Deutschland aktuell in Vorbereitung, erklärt er gegenüber manager-magazin.de. Die Sache liege bei den Anwälten.

Und noch etwas wirft Fragen auf: Gastauers bewegte Vergangenheit als Geschäftsführer der Schweizer G&S Vermögensverwaltung GmbH, die im Zusammenhang mit gewerbsmäßigem Betrug  nicht nur in der Schweiz Schlagzeilen machte. Und in deren Management es 2010 laut Presseberichten auch zu einer Verurteilung eines damals 36-Jährigen Deutschen kam.  

Dass er das Unternehmen G&S gegründet hat und als Geschäftsführer fungierte, räumt Gastauer auf Nachfrage von manager-magazin.de ein. Auch sei er selbst Anschuldigungen ausgesetzt gewesen. Er sei aber weder vorbestraft und auch nicht in Untersuchungshaft gewesen.

Auch in der deutschen und internationalen Fintech-Branche machen sich mittlerweile Zweifel an Gastauers Erfolgsstory breit. So verweist ein Experte darauf, dass laut dem Statistiktool Similarweb ein großer Teil des Traffics von Bitcoin-Seiten wie coiniran.ir, bitcoin-mining-tech.com oder paradisi-fiscali.com kommt. Ein anderer, der seinen Namen auch nicht genannt sehen will, verweist auf die große Zahl von Fake-Followern auf Gastauers Twitter-Account und auf die enorm großen, runden Zahlen, die Gastauer präsentiert. Auch der Blog der "Financial Times" FT Alphaville widmete dem Phänomen WB21 kürzlich einen Beitrag. 

Daraus, dass er mit Bitcoin und einem Kunden aus Russland einen erklecklichen Teil seines Geschäftes erzielt, macht Gastauer keinen Hehl. Schließlich wirbt WB21 explizit damit, dass Kunden dort ihre Bitcoins in nicht virtuelle Währungen umtauschen können.

Wirklich handfeste Vorwürfe kann keiner der Experten benennen. Was bleibt, sind allerdings Fragen. Letztlich bleibt das Ganze eine Wette in einem Markt, von dem sich viele vieles erhoffen, den allerdings nur wenige wirklich verstehen. Eine Wette, an der Michael Gastauer und noch ein einige andere viel Geld verdienen wollen.

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