Freitag, 22. November 2019

Nach Umstrukturierung Berliner Fintech-Schmiede Finleap holt Ergo-Managerin Sewing

Vom Konzern zum Start-up: Birte Sewing
Boris Breuer
Vom Konzern zum Start-up: Birte Sewing

Die Berliner Fintech-Gruppe Finleap verstärkt ihr Management-Team - und wildert dabei im Munich-Re-Konzern. Das Unternehmen, das Finanz-Start-ups gründet und groß machen will, holt Managerin Birte Sewing (39) von der Munich-Re-Tochter Ergo Versicherung. Wie manager-magazin.de erfuhr, fängt die Finanzexpertin am ersten November als Chief Operating Officer der Finleap-Holding an.

Sewing ist seit 15 Jahren in der Finanzbranche aktiv. Bei der Ergo verantwortete sie den beim Vorstand angesiedelten Bereich Investmentprodukte. Zuvor arbeitete sie als Managing Director bei der Deutschen Bank, als Strategiechefin der Commerzbank unter Vorstand Martin Blessing (56) und als Beraterin bei McKinsey.

Für Sewing ist der Wechsel ihr erster Schritt in die Start-up-Szene. "Ich freue mich darauf, unternehmerischer zu arbeiten", sagt sie manager-magazin.de. "Die Finanzbranche kann noch besser und effizienter für ihre Kunden werden und das will ich mitgestalten und vorantreiben." Andere Industrien seien bei der Digitalisierung schon weiter.

Für Finleap soll Sewing weitere Kontakte in die Konzernwelt aufbauen - ob als neue Partner, Kunden oder Kapitalgeber. An dem 2014 von Jan Beckers (36) und Ramin Niroumand (32) gegründeten Berliner Start-up sind bereits die Hannover Rück, Signal Iduna, die SoftBank-Tochter SBI Group und der chinesische Versicherungsriese Ping An beteiligt. Birte Sewing soll außerdem die europäische Expansion und Strategie von Finleap weiterentwickeln und die Verantwortung für die Beteiligungen mit BaFin-Lizenz übernehmen, wo die Managerin in die Bei- und Aufsichtsräte einziehen wird.

Vor Kurzem hatte Finleap-CEO Niroumand seinem Unternehmen eine Generalüberholung verpasst und die Struktur der Firmenfabrik neu aufgestellt. Die Finleap-Holding mit Niroumand, Neu-COO Birte Sewing und Finanzchef Michael Hock an der Spitze wird über drei Bereichen stehen:

  • Finleap Connect soll ein Anbieter für Software-as-a-Service-Produkte werden, die sich an Banken und Versicherungen richten. Drei Portfoliounternehmen gehen dafür in der neuen Einheit auf, die laut Niroumand von Beginn an zweistellige Millionenumsätze erzielen soll.
  • Finleap Build beinhaltet das alte Kerngeschäft: die Gründung und den Aufbau neuer Fintech-Projekte.
  • Gemanagt werden die Beteiligungen ab einer bestimmten Größe bei Finleap Assets. Dazu gehören ältere Unternehmen aus dem Finleap-Reich wie die SolarisBank, die als BaFin-Lizenzpartner und Finanzdiensleister für andere Start-ups agiert.

Ein ambitioniertes Projekt hat Finleap gerade auf die Straße gebracht: Gemeinsam mit dem chinesischen Versicherungskonzern Ping An hat das Start-up ein Vergleichsportal für Finanzprodukte angekündigt, das bald unter dem Namen "Joonko" dem Branchenprimus Check24 Konkurrenz machen soll.

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